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Mother

(Madeo, 2009)

Dt.Start: 05. August 2010 Premiere: 16. Mai 2009 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Thriller
Länge: 128 min Land: Südkorea
Darsteller: Hye-ja Kim (Mother), Bin Won (Yoon Do-joon), Ku Jin (Jin-tae), Yoon Jae-Moon (Je-mun), Mi-sun Jun (Mi-sun), Young-Suck Lee (Ragman), Mun-hee Na (Moon Ah-jung), Woo-hee Chun (Mina), Byoung-Soon Kim (Chief), Pil-Kyeong Jang, Jeong-wuk Kim, Seung-hyeon Lee, Bok-dong Mun, Hee-ra Mun (Ah-jeong Mun)
Regie: Joon-ho Bong
Drehbuch: Eun-kyo Park, Joon-ho Bong


Inhalt

Zusammen mit seiner Mutter führt der 28-jährige Do-joon ein ruhiges beschauliches Leben. Ihren Nachbarn bieten sie Kräuter und Akkupunktur an, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eines Tages wird ein Mädchen ermordet und Do-joon mit der Tat in Verbindung gebracht. Nun liegt es an seiner Mutter, seine Unschuld zu beweisen oder ihn ins Gefängnis gehen zu lassen. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf Geheimnisse, die eigentlich hätten verborgen bleiben sollen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Mother hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 92%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Carmen Porschen
Mother hat eine Wertung von 92%
Wie weit ist eine aufopferungsvolle Mutter bereit zu gehen, um die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt? Dieser Frage widmet sich der Regisseur Bong Joon-ho, der bei uns zuletzt mit The Host Aufsehen erregte. Unter psychologischen Aspekten, mit hohem Symbolgehalt, herausragenden Darstellern und einer ausgefeilten Geschichte, in der so gut wie nichts ohne Grund geschieht, schafft er einen absolut sehenswerten Film. Der ist irgendwo zwischen Thriller und Drama einzuordnen, lässt sich aber nicht in eine Genre-Schublade stecken. Lediglich das Ende hätte etwas anders gestaltet, bzw. früher eingeläutet werden können. Doch insgesamt hat der Südkoreaner Bong einen Film gedreht, der als ideales Beispiel für die asiatische Filmkunst dient.

Bild aus Mother Hye-ja Yoon hat nur einen einzigen Sohn und kümmert sich aufopferungsvoll um ihn. Doch Do-jun ist bereits ein junger Mann und hat so gar keine Lust auf die Vorsorge und Bevormundung seiner Mutter. Viel lieber verbringt er die Zeit mit seinem einzigen Freund Jin, die zwar nicht gerade viel zu tun haben, aber sich einfach irgendwelche Beschäftigungen suchen. Mit Argwohn betrachtet Hye-ja, dass ihr Sohn, der ziemlich unbedarft und fast etwas dümmlich ist, jeden Abend so lange weg bleibt, um sich beispielsweise zu betrinken oder nach Frauenabenteuern zu suchen. An einem dieser trinkfesten aber auch einsamen Abende folgt er einem Mädchen, das alleine durch die Gegend zieht. Doch sie beachtet ihn nicht und so streicht Do-jun unbeholfen die Segel. Am nächsten Morgen wird genau dieses Mädchen tot auf dem Dach eines leer stehenden Gebäudes gefunden, der erste Mordfall seit langem. Die Polizei kommt schnell auf eine Fährte, da sie einen Golfball neben der Leiche finden. Ausgerechnet Do-jun trägt seit einem Vorfall in einem Golfclub ständig Golfbälle mit sich herum. So wird der junge Mann, unter dem Entsetzen der Mutter verhaftet und zu einem Geständnis getrieben. Auf ihn wartet somit nur noch eins: Die Todesstrafe.

Hye-ja kann und will das so nicht hinnehmen und glaubt fest an die Unschuld ihres Sohnes. Da der Fall für die Polizei klar und bereits abgeschlossen ist, nimmt die Mutter von Do-jun die Sache selbst in die Hand und forscht nach. Dabei kommt sie dem Freund des Sohnes, Jin, auf die Spur und schnüffelt bei ihm herum. Tatsächlich findet sie bei ihm einen Golfschläger mit Blutspuren daran. Umso größer ist die Enttäuschung und Schmach als sich bei der Polizei herausstellt, dass es sich lediglich um Spuren von Lippenstift handelt. Außerdem handelt sich die resolute Frau damit auch noch den Unmut von Jin ein. Doch genau der ist es, der ihr schließlich Mut macht, weiter nach dem wahren Mörder des Mädchens zu suchen. Hye-ja geht dem Fall also weiter nach und findet immer mehr heraus: Das ermordete Mädchen war stadtbekannt und hatte viele Bekanntschaften. Hängt ihr gewaltsamer Tod damit zusammen? Do-jun ist der Mutter inzwischen keine große Hilfe, denn ihm fällt es schwer, sich an den besagten Abend zu erinnern, als er dem Mädchen nachlief. Wird es Hye-ja dennoch gelingen, den Mordfall aufzuklären und kann sie ihren einzigen und über alles geliebten Sohn vor der Todesstrafe bewahren?

Bong Joon-ho machte sich 2006 mit dem Monsterfilm The Host einen Namen - auch über die Landesgrenzen seiner Heimat Südkorea hinaus. Nun drehte er erneut einen Film, der ihn auch in unseren Gefilden noch bekannter machen könnte. Mother hat zwar mit dem Film um unheimliche Seemonster wenig gemein, doch er hat seine ganz eigenen Vorzüge. Zunächst einmal hat Bong hervorragende Darsteller gefunden, die den mehr als zwei Stunden langen Film tragen. Allen voran Kim Hye-ja als radikale Mutter, die in Südkorea ein bekannter und angesehener TV-Star ist. Doch mit der schroffen und sehr ernsten Darstellung einer verzweifelten Mutter, fällt sie auch dort durch eine ungewohnte schauspielerische Leistung auf. Ihre Rolle als kämpferische Mutter, die nachvollziehbarerweise ihren geliebten Sohn rehabilitieren will, ist zudem gespickt von kleinen, feinen Hinweisen, die deutlich machen, wie viel mehr hinter dieser speziellen Mutter-Sohn-Konstellation steckt. Wie nah sich die Beiden tatsächlich gekommen sind, bleibt offen und fragwürdig, außerdem wird aufgedeckt, wie verzweifelt die Mutter bereits war, obwohl sie sich ein Kind offensichtlich so sehr gewünscht hatte.

Auch Won Bin fällt durch eine exzellente Darstellung des unbedarften Sohnes Hye-ja auf. Ob er nur etwas unbeholfen ist oder gar eine leichte Behinderung hat, bleibt offen, ist aber auch nicht extrem wichtig. Won Bin spielt ihn äußerst präzise und gibt ihm eine bestimmte Handschrift, die er zu keinem Zeitpunkt des Filmes verliert. Doch auch über diese beiden Hauptfiguren hinaus steckt hinter allen weiteren Figuren eine große Symbolik, denn viele von ihnen stellen eine charakteristische koreanische Verhaltensweise dar. Der arrogante Anwalt ist ein Vertreter der oberen Mittelschicht, der Kommissar ein überarbeiteter und abgestumpfter Polizeibeamter und das ermordete Mädchen ist ein krasses Beispiel für die zunehmende moralische Haltlosigkeit vieler koreanischer Jugendlicher, um nur einige Beispiele zu nennen. Hieran wird deutlich, wie genau Regisseur Bong sein Werk zwischen Thriller und Drama durchdacht hat. Im Vordergrund steht dabei eindeutig die Mutter-Sohn-Beziehung als die Basis für alle menschlichen Beziehungen - hier allerdings in einer zum Teil sehr radikalen und fragwürdigen Ausformung. Gleichzeitig steht das "Mutter-sein" in all seinen Konsequenzen im Fokus. Wie weit kann eine Mutter gehen - wie weit muss sie gehen? Diese Frage steht klar im Mittelpunkt. Um diesen Kern herum hat Bong eine raffinierte Kriminalgeschichte gestrickt, die aber nicht so konstruiert oder steif wirkt, wie man vermuten mag. Die Auflösung des Mordes ist mal dramatisch, mal unheimlich aber manchmal auch ganz nüchtern. Dadurch wird die Spurensuche nie langweilig und ist in der Auflösung auch nicht so offensichtlich wie es manche Krimis leider sind.

Bis auf wenige Ausnahmen braucht Mother die Länge von 128 Minuten daher auch, denn sowohl dem beeindruckenden Spiel der Darsteller als auch der Entwicklung der Geschichte kann man sehr gut zuschauen, ohne dass Langeweile aufkommt. Zu den wenigen Ausnahmen gehört allerdings das Ende. Hier hätte der Cut bereits früher kommen können, um eine tolle Wirkung zu erzeugen und Anfang und Ende ideal zusammenzufügen. Doch es geht wider erwarten doch noch weiter und das ist ein bisschen viel des Guten. Trotz dieser kleinen Abstriche hat Bong einen sehr guten Film geschaffen, der zu recht als offizieller Beitrag Südkoreas für eine Oscar-Nominierung 2010 vorgeschlagen wurde, bei den Asian Film Awards 2010 mehrere Auszeichnungen erhalten hat und von Fachleuten in die Top Ten der besten koreanischen Filme gewählt wurde. Mother ist atmosphärisch dicht, äußerst tragisch und geht unter die Haut. Szenen, die zunächst belanglos erscheinen, werden später noch einmal geschickt aufgegriffen. Bong überließ nichts dem Zufall und hat mit seinem Film, der mehrere Genres bedient, ein beeindruckendes Gesamtwerk geschaffen, das man nicht verpassen sollte, vor allem nicht, wenn man ein Fan von anspruchsvoller, asiatischer oder gar koreanischer Filmkunst ist.



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