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Zarte Parasiten

(Zarte Parasiten, 2009)

Dt.Start: 09. September 2010 Premiere: 07. September 2009 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Romanze
Länge: 89 min Land: Deutschland
Darsteller: Robert Stadlober (Jakob), Sylvester Groth (Martin), Maja Schöne (Manu), Corinna Kirchhoff (Claudia), Gerda Böken (Frau Katz), Max Timm (Constantin), Rainer Laupichler (Gunter), Paul Nickel (Benjamin), Ludo Schotte (Alfred)
Regie: Christian Becker, Oliver Schwabe
Drehbuch: Christian Becker, Oliver Schwabe


Inhalt

Jakob und Manu sind Wanderarbeiter. Ohne festen Wohnsitz und Job reist das Paar zu den Bedürftigen ihrer Umgebung, zu den Einsamen, den Hilflosen. Während Manu bei der alten Frau Katz anheuert, lernt Jakob Martin kennen. Der ehemalige Manager hat seinen Sohn verloren und sieht in Jakob einen legitimen Ersatz. Das bleibt nicht ohne Komplikationen, denn je näher Jakob und Martin sich kommen, desto mehr entfernt sich Jakob von Manu. Ihr gemeinsames Lebensmodell droht zu zerbrechen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Zarte Parasiten hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 29%
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Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Zarte Parasiten hat eine Wertung von 29%
Als eine Art modernes Märchen mit Anleihen aus der Biologie präsentiert sich Zarte Parasiten. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Paars, das im Wald lebt und einer sehr obskuren Methode des Brötchenerwerbs nachgeht, indem sie die Gunst älterer einsamer Menschen ausnutzen. Allerdings geben sie ihnen auch etwas dafür, das Gefühl dass sich jemand um sie sorgt. Reichlich abstruse Geschichte ohne wirklichen Unterbau, die vieles anreißt, im Grunde aber leidlich grotesk, sinnarm und kraftlos vor sich hin plätschert.

Bild aus Zarte Parasiten In der Biologie ist ganz klar definiert, was ein Parasit ist: Ein Organismus, der auf oder in einen anderen (Wirt genannt) einwandert und von diesem nutznießt, bis dieser, im schlimmsten Falle, daran zugrunde geht. Irgendwie muss im Laufe der Evolution aber aus diesem einseitigen Nutznießen in einigen Fällen eine wechselseitige Beziehung entstanden sein, Symbiose genannt. Irgendwo in Niemandsland zwischen diesen beiden Zuständen existieren Jakob und Manu (Robert Stadtlober und Maja Schöne), ein Liebespaar, das seine Zelte im Wald aufgeschlagen hat. Ihr Auskommen haben sie damit, sich bei meist älteren Menschen einzuschmeicheln. Sie erwerben deren Vertrauen und Nutznießen, indem sie bei ihnen wohnen dürfen oder Geld und materielle Zuwendungen erhalten. Im Gegenzug bekommen die einsamen Damen und Herren das, was ihnen fehlte: Aufmerksamkeit, Interesse, Zuwendung und mitunter Hilfe im Haushalt.

Eigentlich sieht das alles recht harmlos aus; beinahe wirken die Arrangements wie Austauschgeschäfte, ohne dass jemand übervorteilt wird. Und die beiden bringen ihren Gastgebern zudem echtes Gefühl entgegen. Gleichzeitig aber nennen Jakob und Manu diese Einsätze Jobs, was an Ganovenslang erinnert. Sie nehmen zwar nur das, was ihnen freiwillig gegeben wird, kennen aber auch kein Maß: Nichts erweckt den Eindruck, dass sie unangemessen große Geschenke ablehnen würden. Vielleicht warten sie auch darauf, dass irgendwann ein alter einsamer Mensch sie in sein Testament aufnimmt - ausgesprochen wird das jedenfalls nicht; und als Kriminelle taugen die beiden nicht wirklich, da sie im Grunde viel zu lieb mit ihren Kunden umgehen, wie sie ihre Gastgeber bezeichnen.

Eines Tages gelangt Jakob an einen lukrativ aussehenden Job. Es gelingt ihm, nach und nach in die Haut eines verstorbenen jungen Mannes zu schlüpfen. Nicht im real physischen Sinne, aber das Paar, deren Sohn verstarb und das ihn aufnimmt, sieht nur das, was es sehen möchte. Besonders der Vater. Bei diesem Job beginnt aber ab einem bestimmt Punkt die Sache anders zu laufen: Jakob geht in seiner Rolle immer mehr auf. Im behaglichen Heim und der Zuneigung, die ihm widerfährt, fühlt er sich das erste Mal in seinem Leben irgendwo angekommen und würde am Liebsten gar nicht mehr davon lassen. Gleichzeitig entfernt er sich aber immer weiter von seiner Partnerin, doch kampflos ist Manu nicht bereit, Jakob aufzugeben.

Dieser Film hat etwas von einer kleinen Hommage an die Biologie. Etwas sarkastisch formuliert, könnte man ihn sogar als Ode an die Parasitologie bezeichnen. Die Parallelen sind augenfällig: Die Protagonisten kommen quasi aus dem Nichts, hausen im Wald und nisten sich bei ihren Kunden ein. Ebenso verhalten sich echte Parasiten: sie existieren in der Natur in Larven- oder Dauerformen und entfalten sich meist erst auf oder in ihren Wirten. Zu keiner Zeit gibt es zudem Information darüber, warum sie sich entschlossen haben, solch einen Lebensstil zu pflegen - es gäbe für zwei junge gesunde Menschen sicherlich leichtere Möglichkeiten Geld zu verdienen. Mag sein, dass sie auf den großen Coup hoffen, aber als kaltherzige Kriminelle wollen sie nicht recht überzeugen.

Zarte Parasiten konfrontiert mit einem hanebüchenen Lebensstil und einer Geschichte, die zwar schräg bis zuweilen abstrus ist, aber selten interessant oder gar spannend. Das eigentliche Thema ist nebulös und man braucht reichlich Geduld und obendrein mindestens das Fachwissen aus dem Bio-LK oder gleich besser Studium, um die Metaebene entschlüsseln zu können - falls die Macher selbst überhaupt soweit gedacht haben. Interessant wäre es gewesen, sich eingehender mit dem Motiv der Isolation älterer Menschen zu befassen, die so bereitwillig Wildfremde aufnehmen, um ihrem Gefängnis der Einsamkeit zu entgehen; oder der Neigung von traumatisierten Menschen, sich allzu bereitwillig selber etwas vorzumachen. Das was Jakob und Manu tun, funktioniert schließlich nur deshalb, da ein Gegenüber existiert, der glauben will oder dessen innere Sehnsüchte die Kontrolle übernehmen.

Soviel Tiefenpsychologie ist aber vermutlich ebenso an diesen Streifen verschwendet, wie der Aufwand, sich biologisches Fachwissen anzueignen, um über einen Seitenweg tieferen Zugang zur Handlung zu finden. Trotz aller Mühe, die sich die Darsteller in diesem blutleeren Drama geben, ist es einfach besser, man spart sich den Gang ins Kino - oder tilgt den Streifen gleich wieder aus dem Gedächtnis, falls man sich doch ins Lichtspielhaus verirrt haben sollte.



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