Mit Toten sprechen zu können, genießt im Film eine lange Tradition. Meist handelt es sich um Menschen, die selbst paranormal begabt sind oder durch eine Nahtod-Erfahrung dermaßen sensibilisiert wurden, dass sie plötzlich die Geister Verstorbener wahrnehmen. Das passiert auch Charlie, der seinen kleinen Bruder bei einem Verkehrsunfall verliert, während er ins Leben zurückgeholt wird. Kitschig-rührseeliger Streifen mit einem der Top-Schmachtvorlagen der weiblichen Teenie-Welt, Zac Efron. Das überbordende Schmalztheater nervt aber deutlich mehr, als es das Herz erwärmt.
Ob Ghost - Nachricht von Sam oder Always, gerne wird Übersinnliches aus der Geisterwelt mit einem romantischen Thema vermischt. Selbst ein Film wie Die Frau des Zeitreisenden stellt im Grunde lediglich eine Variation des Themas dar. Im Kern geht es stets darum, dass eine unsterbliche Liebe zwischen einem "substanziellen Menschen" und einem, der aus irgendeiner Fügung des Schicksals heraus nicht wirklich greifbar ist, existiert. Ungefähr in diese Richtung bewegt sich auch Wie durch ein Wunder, in dem High School Musical-Star und Teenie-Ikone Zac Efron die Hauptrolle spielen darf.
Charlie (Zac Efron) und Sam (Chris Massoglia) sind zwei unzertrennliche Brüder, die gemeinsam mit ihrer Mutter (Kim Basinger), die sie alleine großzog und sie beide abgöttisch liebt, in einem idyllischen Küstenstädtchen im Nordwesten der USA leben. Charlie, der ältere, kümmert sich rührend um Sam. Und für diesen ist sein großer Bruder ein nachahmenswertes Vorbild: Charlie hat ein Stipendium der Elite-Universität Stanford in der Tasche. Er ist ein richtiger Segel-Star, der bereits viele Wettbewerbe gewann und Stanford würde sich gerne den begnadeten Segler in die heiligen Universitätshallen holen. Vom Glück gesegnet, könnte alles kaum besser laufen.
Als eines Tages, während Charlie am Steuer sitzt, die beiden Brüder in einen Verkehrsunfall verwickelt werden, verändert sich alles: Sam, der auf der Beifahrerseite sitzt, ist auf der Stelle tot. Charlies Herz setzt ebenfalls aus; im Krankenwagen gelingt es dem Rettungssanitäter (Ray Liotta) ihn aber ins Leben zurückzuholen. Obwohl ohne Schuld, kann sich Charlie in der Folge aber nicht vergeben. Auf dem Begräbnis seines Bruders bricht er zusammen und rennt wie getrieben davon. Mitten im Wald hält er auf einer Lichtung inne. Plötzlich steht der Geist seines kleinen Bruders vor ihm. Und Charlie verspricht ihm, fortan jeden Tag, zur selben Stunde, ihn an dieser Stelle besuchen zu kommen.
Fünf Jahre vergehen. Charlie hat die Einladung nach Stanford nie angenommen und er segelt auch nicht mehr. Stattdessen arbeitet er als Friedhofsgärtner und besucht täglich genau wie versprochen seinen Bruder; genau genommen verbringt er Zeit mit dessen Geist. Sein eigenes Leben hat er dabei längst aus dem Fokus verloren. Als er eines Tages der talentierten Seglerin Tess per Zufall begegnet, erwachen seine Sehnsüchte und Träume nach einem eigenen Leben aber allmählich wieder. Doch abermals scheint das Schicksal unbarmherzig eingreifen zu wollen: Tess kehrt von einem Segeltörn nicht zurück. Nach ergebnisloser Suche will man sie sogar für tot erklären. Charlie wird derweil von Visionen heimgesucht und ahnt, dass sie noch am Leben ist. Um sie zu retten, müsste er aber rausfahren und das Wort, dass er seinem Bruder einst gab, brechen.
Das Motiv über "die Grenze" zu gehen, dann wieder zurückgeholt zu werden und anschließend die Geister Verstorbener sehen zu können, ist nicht gerade neu. Die Geschichte in Wie durch ein Wunder bedient sich zusätzlich Buddy-Movie-Elementen und wird mit einer gehörigen Portion schnulziger Romantik unterlegt. Von der Atmosphäre her erinnert der Film damit sehr an Nicholas-Sparks-Geschichten, die in letzter Zeit fast schon inflationär für das Kino adaptiert werden, wie jüngst Das Leuchten der Stille und Mit Dir an meiner Seite. Sowohl die Sparks-Storys wie auch dieser Streifen weisen somit eine Mischung aus tragischem Verlust, neuer Liebe und Familienmotiven auf. Hinzu gesellt sich in beiden eine zum Teil reichlich ausufernde postkartenästhetische Bildgestaltung, die vom Publikum schon eine starke Bereitschaft verlangt, sich auf schmalzige Weise emotionalisieren lassen zu wollen.
Somit könnten durchaus auch Twilight-Fans Gefallen an diesem Film finden: Dafür sprechen die melancholisch-schwelgerischen Waldszenen ebenso wie die Romanze zwischen Charlie und Tess; wenn letztere auch deutlich weniger züchtig verläuft, als man es vom enthaltsamen Gezottel aus der Vampir-Schmonzette her gewohnt ist. Im Grunde aber geben sich Kitsch- und Schmalzeinlagen nicht viel. Da ist es auch schon einerlei, ob Zac Efron oder Robert Pattinson den Puls der weiblichen Klientel nach oben treibt. Obschon Efrons letzter Ausflug in den für ihn genremäßig untypischen Ich & Orson Welles hoffen lies, dass er zu mehr als Teeniegirly-Zielgruppen-Kino in der Lage ist.
Wie durch ein Wunder erreicht nie wirklich Qualitäten, die den Film Big-Screen-tauglich machen würden. Vielmehr erinnert er an eine Mystery-Telenovela und wäre als TV-Format oder Direct-to-DVD-Release besser aufgehoben gewesen. Jedem Jugendlichen im nachpubertären Alter und jedem Erwachsenen dürften sich angesichts des plumpen Tränendrüsenplots ohnehin die Nackenhaare aufstellen. Dann doch lieber die 199. Wiederholung von Ghost - Nachricht von Sam.