Endlich beginnt das letzte Kapitel einer der erfolgreichsten Geschichten auch im Kino und nicht nur eingefleischte Fans warten gespannt, wie das letzte Buch filmisch umgesetzt wird. Der erste Teil ist zwar viel versprechend, aber in seiner Art als eigenständiger Film einfach zu wenig durchdacht und daher letztlich mehr als enttäuschend. Es fehlt neben der Spannung oftmals auch die Motivation und jetzt merkt man auch immer deutlicher, wie viel der Romangeschichte im Laufe der Zeit in den Drehbüchern dem Rotstift zum Opfer fiel.
Sicherlich einer der am meisten ersehnten Filme dieses Jahres steht nun endlich vor der Tür: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1. Dass wir uns dabei im Kino mit zwei Teilen herumschlagen müssen, erfreut die Einen und frustriert die Anderen, denn ob es notwendig ist, das Buch zu teilen, ist fraglich. Wahrscheinlich ist vielmehr der zusätzliche Gewinn der eigentliche Antrieb dieser Aktion und diese Befürchtung festigt sich, wenn man den ersten Teil gesehen hat.
Bisher kam in allen Filmen der Harry Potter-Reihe der Rotstift sehr häufig zum Einsatz und so wurden komplette Handlungsstränge zum Wohle der Verständlichkeit aber auch der Länge der Filme heraus gestrichen. Während das in den bisherigen Filmen auch in den Fortsetzungen immer noch ganz gut funktionierte, ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem das wackelige Fundament bricht. Es wurden eben leider auch immer wieder Erklärungen oder Begebenheiten entfernt, die nun auf einmal relevant werden und in irgendeiner Form vorkommen müssen. Die Schwierigkeit damit jetzt um zu gehen, merkt man dem siebten Teil deutlich an.
So gibt es immer wieder Logiklücken im Potter-Universum und derjenige, der die Bücher nicht kennt, wird von den Filmen oft im Unklaren darüber gelassen, wie sich gewisse Begebenheiten nun wirklich abgespielt haben. Es rächt sich, dass man das Ende der Geschichte nicht kannte, als man mit der Verfilmung begann, hier hatte zum Beispiel ein Herr der Ringe natürlich klare Vorteile!
Neben diesem Problem handelte man sich durch die Trennung des letzten Buches aber noch ein weiteres ein, denn während ein Roman nicht so sehr auf einen Spannungsbogen von Anfang an angewiesen ist, sondern sich im Laufe der Zeit ruhig entwickeln kann, ist die Erwartungshaltung bei einem Film viel höher. Der die jetzige Inszenierung schafft es aber eben nicht, in irgendeiner Form echte Spannung aufkommen zu lassen, da die Heiligtümer des Todes erst in der Mitte des Buches und damit am Ende des jetzt vorliegenden Filmes auftauchen. Dass dadurch die Spannung am Anfang sehr stark ins Stocken gerät, sollte eigentlich klar sein.
Davon abgesehen, zeigt sich Harry Potter 7 zwar durchaus interessant und kurzweilig, aber auch sehr unemotional. Vor allem Daniel Radcliffe wirkt in einigen Szenen - wieder einmal - komplett fehl am Platz. So werden hoch emotionale Szenen in einer Stimmung auf den Zuschauer übertragen, die dem täglichen Zähneputzen gleicht. An dieser viel zu kalten Atmosphäre trägt aber auch der Soundtrack eine Mitschuld, der über die komplette Laufzeit nicht wirklich überzeugen kann.
Die Fans schauen sich den Streifen sowieso an und alle, die die Bücher nicht mögen, werden das nicht tun. Insofern ist das Zielpublikum klar abgesteckt und das ist auch gut so, denn nur so kann Harry Potter und die Heiligtümer des Todes überhaupt irgendwie punkten. Jeder, der die Bücher nicht gelesen hat, sollte aber vorsichtig sein, denn auf Logik darf man nicht mehr achten, wenn man niemanden an der Seite hat, der einem gewisse Romandetails weitergeben kann. Insgesamt ist der Streifen trotz der 150 Minuten immer noch kurzweilig genug, um als ordentlich durch zu gehen. Den Fans wird's gefallen, auch wenn es der bisher schlechteste Teil der Verfilmung ist und allen anderen ist es eh egal!