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Enter the Void(Soudain le vide, 2009)
| Dt.Start: |
26. August 2010
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Premiere: |
22. Mai 2009 (Cannes Film Festival, Frankreich) |
| FSK: |
ab 18
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Genre: |
Drama |
| Länge: |
162 min
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Land: |
Frankreich |
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Darsteller:
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Nathaniel Brown (Oscar), Paz de la Huerta (Linda), Cyril Roy (Alex), Olly Alexander (Victor), Masato Tanno (Mario), Ed Spear (Bruno), Emily Alyn Lind (Kleine Linda), Jesse Kuhn (Kleiner Oscar), Nobu Imai (Tito), Sakiko Fukuhara (Saki), Sara Stockbridge (Suzy), Stuart Miller (Victors Vater), Emi Takeuchi (Carol) |
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Regie:
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Gaspar Noé |
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Drehbuch:
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Gaspar Noé |
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 Inhalt
Drogendealer Oscar lebt zusammen mit seiner Schwester Linda in Tokio. Eines Tages gerät er in eine Polizeirazia, aus der er zu flüchten versucht und dabei erschossen wird. Obwohl sein Körper tot ist, lebt sein Geist weiter. Er hält das Versprechen, das er einst seiner Schwester gab, nämlich sie niemals zu verlassen. Sein Blick auf die Stadt und seine Schwester entwickelt sich dabei immer mehr zu einer verzerrten, alptraumhaften Halluzination, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einander verschmelzen. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Wilhelm Skrjabin
Was die Spürbarkeit der Überlänge von Noés drittem Spielfilm Enter the Void vor allem kennzeichnet, ist die sich wiederholende Ausblendung von Narration zugunsten von rein optischen Sequenzen. Ob sich dieses offensichtlich bewusste Strapazieren der Sehgewohnheiten des Betrachters als Makel entlarven lässt, bleibt wohl eine Frage des individuellen Kunstbegriffs. Ungeachtet dessen entfaltet der Film, der die Tristesse aus Menschenfeind über den stilistischen Mittelweg über Irreversibel nun in schlussendlich absolute Farbigkeit verkehrt, über seine knapp drei Stunden ein subversivstes Porträt einer Bruder-Schwester Beziehung, einer Psyche und dem Tod, dessen Atmosphäre zwar künstlich, aber in selten gesehener Intensität daherkommt. Die experimentelle Inner Sight-Kamera in Verbindung mit Gaspar Noés kaum vergleichbaren inszenatorischen Gestus gibt Enter the Void seine Daseinsberechtigung. Seine tiefe Emotionalität macht ihn wiederum zu einem großartigen Film, wenn auch nicht zu einem Meisterwerk.
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Leben, Tod und unendlich viele Zustände dazwischen. Oscar ist auf einer Reise losgelöst von seinem Körper und frei von den Schranken von Raum und Zeit. Gaspar Noés neuestes filmisches Werk führt in die Abgründe und an die Grenzen der Existenz. In seiner infernalischen Show, die aus Licht, Tönen, räumlich-organischen Strukturen, bizarren Perspektiven und psychedelischen Kamerafahrten besteht, führt der Filmemacher an die Limits des Bewusstseins heran und arbeitet sich zu den elementaren Fragen des Seins vor. Irrer aber anstrengender Trip, der eher was für eingefleischte Fans ist.
Sieben Jahre ist es her, da erregte Gaspar Noé, der seit dieser Zeit den Ruf eines Skandalregisseurs weg hat, mit seinem Rachedrama Irreversibel mächtig die Gemüter. Mehr noch als die visuell überaus bizarre Herangehensweise an diese Geschichte, die von zwei Männern handelt, die sich auf die Suche nach einem Vergewaltiger begeben, um gnadenlos Vergeltung zu üben, war es eine zentrale Szene, die in ihrer expliziten Darstellung so noch nie da gewesen war und die für viele die Grenze des Erträglichen sprengte: darin zu sehen Filmgöttin Monica Bellucci, wie sie in einer schmuddeligen Unterführung viele Minuten lang in außerordentlicher Brutalität vergewaltigt wird.
Neben dieser bestialischen Szene, die dem Film einen Eintrag auf dem Index einbrachte, gab es zudem noch reichlich "normale" Gewaltdarstellung, kombiniert mit einer verwackelten Stakkato-Optik und einer Story, die chronologisch verkehrt herum läuft - was den Streifen in der Summe nicht gerade zur leicht bekömmlichen Kost machte. Auf kaum einen anderen Film traf der Spruch: Man wird ihn lieben oder hassen, deshalb so treffend zu; obwohl stark anzunehmen ist, dass die Fangemeinde von Irreversibel eher überschaubar sein dürfte. Nun kehrt Noé zurück auf die große Leinwand, und die Erwartungen seiner kleinen aber treuen Fangemeinde dürften mindestens so groß sein, wie die Befürchtungen seiner Kritiker.
Enter the Void handelt vom Schicksal des Geschwisterpaars Oscar und Linda (Nathaniel Brown und Paz de la Huerta), das im Kindesalter seine Eltern bei einem Verkehrsunfall verlor und danach getrennt voneinander aufwachsen musste. Als sie sich Jahre später wieder finden, offenbart Oscar seiner Schwester, dass er vorhat, nach Tokio zu ziehen - dorthin, wohin ihre Eltern auch immer wollten. Sobald er genug Geld beisammen hat, will er sie anschließend nachholen. Dieses Geld verdient er sich mit Drogendeals, was gleich zu Anfang, das gewissermaßen auch eine Art Ende darstellt, schwerwiegende Konsequenzen hat.
Dass Drogen und transzendent-psychedelische Zuständen eine große Rolle bei Enter the Void spielen, darüber lässt der Film von Beginn an keinen Zweifel. Es wird gleich mit einem Acid-Trip losgelegt, der sich visuell als surreale Mischung aus fluoreszierender Tiefseefauna, halluzinogener 3D-Tapette und Fraktal-Bildschirmschoner darstellt - sofern überhaupt irgendwie zu beschreiben. Und solche abgedrehten Bild-, Farb- und Tonchoreografien sind es, die den Film über seine erschöpfende Länge von über zweieinhalb Stunden kennzeichnen und gleich den schrillen tokioter Neonreklamen, die im Dunkel der Nacht aufleuchten, dem Film unübersehbar das Prädikat "Kunstfilm" verpassen.
Die eigentliche Handlung beschränkt sich auf die entkörperlichte Erfahrung des Protagonisten, der jenseits der klassischen Einordnungen von Leben und Tod über den Dingen schwebt, zwischen verschiedenen Orten hin- und herreist, von Zeitebene zu Zeitebene springt und auch in andere Menschen eindringt und Bestandteil von ihren Träumen wird. Das alles zaubert eine ungemeine wilde Show aus Nichtlinearität, phantastischen Perspektiven, atemberaubenden Kamerafahrten und pulsierenden Lichtinstallationen - wirklich interessant oder gar fesselnd, ist dies aber nur eine kurze Zeit. Der Neureiz geht schnell verloren und der essenzielle Gehalt der Geschichte lässt sich streng genommen auf einem Bierdeckel festhalten: Leben, Zeugung, Tod, Liebe, Wiedergeburt - die elementaren Fragen, des woher wir kommen und wohin wir gehen.
Enter the Void ist zudem lange nicht derart grenzgängerisch wie Irreversibel; er wirkt sogar regelrecht "zahm" im Vergleich zum Vorgänger. Visuell ist er zwar unabstreitbar ein irrer Trip, der Arthousefans sicherlich zu entzücken vermag, allerdings mindert die schiere Länge und die zwangsläufig sich damit wiederholenden Effekte das Vergnügen. Summa summarum bleibt es einfach ein Werk, das für ein eingeschränktes Publikum bestimmt ist. Gleichzeitig ist es aber auch wahrscheinlich der einzige Film, der an die Erfahrungen eines Drogentrips derart nah heranführen kann, ohne sich vorher irgendwelcher "pharmazeutischer Hilfsmittel" bedient zu haben.  Weitere interessante Filme
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