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Waiting for Superman

(Waiting for Superman, 2010)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 22. Januar 2010 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 102 min Land: USA
Darsteller: The Black Family, Geoffrey Canada, The Esparza Family, The Hill Family, George Reeves (Superman), Michelle Rhee, Bill Strickland, Randi Weingarten
Regie: Davis Guggenheim
Drehbuch: Davis Guggenheim, Billy Kimball


Inhalt

Das Bildungssystem der USA ist in der Krise. Im internationalen Vergleich mit anderen Industrienationen belegen amerikanische Schüler beständig die hinteren Plätze. Davis Guggenheim nimmt sich dieser Thematik an und begleitet vier Schüler auf ihrem Weg. Auch an Lehrern und Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft zeigt der Regisseur persönliche Geschichten auf, die hinter den besorgniserregenden Zahlen stehen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Waiting for Superman hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 63%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Waiting for Superman hat eine Wertung von 63%
Vor zehn Jahren drehte Davis Guggenheim eine Fernsehdokumentation über Lehrer an öffentlichen Schulen. The First Year hieß sie und bot das Versprechen, "dass die Idee der öffentlichen Schule funktionieren kann". Inzwischen hat Guggenheim selbst Kinder - und diese an einer Privatschule eingeschrieben. In seinem jüngsten Film untersucht er nun das Scheitern des amerikanischen Bildungssystems. Als Weckruf bezeichneten dies die einen, für andere ist es ein Meisterstück der Desinformation und Manipulation.

Bild aus Waiting for Superman Die USA sind das Land, das am meisten Geld für die Bildung seiner Kinder ausgibt. Es gibt keinen US-Präsidenten, der sich nicht als "education president" (wie es George Bush Sr. formulierte) anpreist. Zwischen 1961 (circa $3.000) und 2007 (circa $10.000) verdreifachten sich daher die staatlichen Ausgaben pro Schüler, während die Ergebnisse in den Bereichen Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften allerdings stagnierten. Bei den letzten PISA-Tests landeten die USA in allen Bereichen im Mittelfeld. Lediglich was die eigene Einschätzung anging, war Amerika Spitze ("Kids from the U.S. ranked number one in confidence", verrät uns Davis Guggenheim). Mehr Geld, weniger Leistung - was also läuft schief?

Offensichtlich in Zweifel gezogen werden die öffentlichen Schulen. "Every morning... we take a leap of faith", beschreibt Guggenheim das Gefühl der Eltern, die ihre Kinder nicht wie er in einer Privatschule absetzen können. Die Bildung der öffentlichen Schulen ist die einzige Option, die viele Familien haben. Und diese Schulen sind abhängig von dem verschachtelten US-Bildungssystem. Föderale und bundesstaatliche Politik müssen ebenso berücksichtigt werden, wie die Vorgaben der jeweiligen Stadtbezirke. Diese regulieren auch, welche Schule ein Kind besucht. Denn wer sich keine Privatschule leisten kann, wird in die Schule aus seinem Bezirk eingeschrieben. Und manche Schüler landen dann in den "dropout factories".

So werden Schulen bezeichnet, die über eine überproportionale Zahl an Schülern verfügen, die keinen Abschluss schaffen, sondern die Schule vorzeitig verlassen. Laut Guggenheim gibt es über 2.000 davon in den USA und einige der Kinder, die er in seiner Dokumentation begleitet, könnten in den Strudel derartiger Schulen geraten. Zum Beispiel Daisy Esparza, die in der Grundschule bereits ein Bewerbungsschreiben ans College geschrieben hat, weil sie Medizin studieren will. Läuft alles nach Plan, muss sie aufgrund der Bezirksregulationen an die Roosevelt High School - eine der schlechtesten Schulen in Los Angeles. Jeder Zweite macht hier keinen Schulabschluss, nur drei Prozent schaffen es anschließend aufs College.

Auch Anthony in Washington D.C. - einem der Bundesstaaten, die am schlechtesten abschneiden - würde nach der Grundschule in einer Dropout Factory landen. "Ich will, dass es meine Kinder später besser haben als ich", sagt Anthony. Weniger, weil er bereits an seine eigenen Kinder denkt, sondern eher, weil er sein Leben keinem anderen wünscht (die Mutter verließ die Familie früh, der Vater starb an einer Überdosis). Wo dieses hinführen kann, zeigt Guggenheim ebenfalls. Im Bundesstaat Pennsylvania haben 68 Prozent der Gefängnisinsassen keinen Schulabschluss. Dabei gibt der Staat für vier Jahre Inhaftierung pro Häftling mehr aus ($132.000) als es kosten würde, ein Kind 13 Jahre lang auf eine Privatschule zu schicken.

Der einzige Ausweg aus den ärmeren Stadtvierteln scheint Bildung zu sein. "Wer aufs College geht, kriegt keinen Job, sondern eine Karriere", betont die Mutter eines Mädchens im New Yorker Stadtteil Harlem. Auf die öffentlichen Schulen wollen sich dabei die wenigsten verlassen - besonders dann nicht, wenn man in einem Stadtbezirk mit einer Dropout Factory lebt. Denn der New Yorker Erzieher Geoffrey Canada weiß: "Man kann keine gute Schule ohne gute Lehrer haben". Und hier sieht Guggenheim eines der zentralen Probleme: die Lehrergewerkschaften. Nach zwei Jahren werden Lehrer verbeamtet und sind dann nahezu unantastbar. Schlechte Lehrer können nicht entlassen und gute nicht besser bezahlt werden.

Für die fünf Familien, die Guggenheim in Waiting for Superman begleitet, ist die letzte Ausfahrt auf dem Highway in den Schulabbruch eine so genannte Charter School. Es sind öffentliche Schulen, finanziert von öffentlichen Geldern. Weshalb sie unabhängig von der Bezirkspolitik agieren können. Allerdings sind diese Schulen in der Regel nicht sehr viel besser als ihre öffentlichen Pendants. Lediglich eine von fünf Charter Schools hat außerordentliche Ergebnisse vorzuweisen. So wie die vier Schulen, für die die fünf Kinder in Guggenheims Dokumentation in Frage kommen. Aber weil dort die Nachfrage größer ist als das Angebot, müssen die Charter Schools um die freien Plätze eine Lotterie abhalten.

Besonders in ihren finalen Minuten erzeugt die Dokumentation enorm viel Spannung und Mitgefühl, wenn die freien Plätze ausgelost werden und unklar ist, welche der begleiteten Kinder auf der Strecke bleiben (der Filmtonalität folgend ist das durchaus wörtlich zu verstehen) und welchen der Weg in eine bessere Zukunft gewiesen wird. Denn es kommt durchaus das Gefühl auf, dass die Kinder, denen der Zutritt zur heilbringenden Charter School verwehrt wird, auf gut Deutsch "gearscht" sind, wenn sie im öffentlichen Bildungssystem landen. Und es ist jener manipulierende Charakter, der neben einigen vermeintlichen Fehlinformationen Guggenheim zum Vorwurf gemacht wurde. Und das nicht zu Unrecht.

So wurde eine Szene mit einer der Mütter nachgedreht, obschon bereits feststand, dass es ihr Kind nicht in die Charter School geschafft hatte. Und für viele Kritiker wurde jene alternative Schulform, die in 37 Prozent der Fälle sogar schlechter abschneidet als öffentliche Einrichtungen, zu sehr gelobt. Dabei hob Guggenheim hervor, dass nur eine von fünf solcher Schulen besondere Ergebnisse erzielt (was in etwa den 17 Prozent entspricht, wo dies der Fall ist). Dennoch lässt sich dem Film vorwerfen, dass er seine Kritik an der Oberfläche ansetzt, anstatt detailliert Mängel herauszuarbeiten. Denn was die (überzeugenden) Charter Schools richtig und die öffentlichen Schulen dementsprechend falsch machen, bleibt unklar.

Des Weiteren ist eine der tragenden Figuren die Bildungsverantwortliche für Washington D.C., Michelle Rhee. Sie versuchte nach ihrer Einstellung Reformen durchzubringen, damit Lehrer, die ihre Verbeamtung aufgeben, dafür die Chance erhalten, bei gutem Abschneiden mehr zu verdienen. Im Zuge ihrer Arbeit schloss Rhee dabei 23 Schulen, ohne dass Guggenheim sich mit den Konsequenzen beschäftigt. Wo sind all die Schüler dieser 23 Schulen hin? Offensichtlich an andere Schulen, was dank Überfüllung wohl zu schlechteren Lernverhältnissen geführt haben dürfte. Rhee selbst trat keine drei Wochen nach Kinostart des Filmes zurück, was dieser zwar nicht mehr hätte erwähnen können, die DVD allerdings schon.

Die eigentliche Frage ist, wie schrecklich öffentliche Schulen sein können, die immerhin zehn US-Präsidenten (unter anderem Bill Clinton) hervorgebracht haben. Zwar erwähnt Guggenheim ebenso kurz wie im Fall der Charter Schools, dass es auch gute öffentliche Schulen gibt, erläutert aber nicht, was diese Einzelfälle besser machen als die anderen. Am Geld alleine kann es nicht liegen, wenn die Ergebnisse stagnieren, also müssen es die Lehrer sein. Und denen hatte sich Guggenheim bereits ein Jahrzehnt zuvor gewidmet - mit positiven Ergebnissen für diese. Bei dem Versuch, einen fundierten und objektiven Blick auf das eigene Bildungssystem zu werfen, obsiegt Waiting for Superman folglich nur bedingt.

Vielleicht einer der Gründe, warum Guggenheims jüngster Film nicht bei den diesjährigen Academy Awards vertreten war. Dennoch kann seine Dokumentation zumindest als das, was sie sein möchte, überzeugen. Die Begleitung von fünf Kindern bei ihrem Versuch, bei einer Charter School angenommen zu werden, die nachweislich gute Ergebnisse im landesweiten Vergleich erzielt hat. Des Weiteren hat der Film erreicht, dass sich die Öffentlichkeit mit ihm und damit auch mit seinem (Problem-)Thema der nationalen Bildung in den öffentlichen Schulen beschäftigt hat. Und das ist generell schon mal eine positive Konsequenz. Denn in einem hat Guggenheims Film zweifellos Recht: "Good schools, that's what all of us want."



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