Jeder, der im Sommer gerne auf großartige kleine Filme abseits der großen Hollywoodblockbuster stoßen möchte, für den gehört Summer Wars definitiv zum Pflichtprogramm. Dieser kleine aber feine Anime schafft es, den Zuschauer über knapp zwei Stunden in eine eigene Welt zu entführen, ihn zum Nachdenken anzuregen und dabei auch noch hervorragend zu unterhalten. Wie viele Filme können das schon von sich behaupten?
Animationsfilme aus Japan haben es nicht leicht in den deutschen Kinos. Nur wenige Werke erhalten eine Kinoauswertung und diese Auswahl beschränkt sich dann häufig auf die Werke des wohl besten Animeregisseurs, Hayao Miyazaki. Doch endlich hat mit Summer Wars ein weiteres Anime den Sprung auf die Leinwand geschafft. Und die Kinoauswertung ist alles andere als unverdient, bedenkt man den tosenden Applaus, den das Werk von Mamoru Hosada bei der diesjährigen Berlinale einfahren konnte.
Wer kennt das heutzutage nicht? Virtuelle Welten, in denen man ein eigenes Netzwerk aufbauen kann, um unter anderem mit allen bekannten in der Welt verstreuten Personen in Kontakt bleiben zu können. Willkommen in der wunderbaren Welt OZ, in der das ganze System noch ein Stück weiter geführt wird und noch mehr mit der realen Welt verschmolzen ist. Doch welche Auswirkungen könnte es haben, wenn sich jemand den Zugang zu allen Daten dieser Welt beschaffen kann und diese zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen würde?
An sich kann Summer Wars gar nicht funktionieren, so unterschiedlich sind die beiden Genres, die in diesem Film miteinander vermischt werden. Dennoch funktioniert der Mix aus altmodischem Familiendrama und neumodischem Fantasy vorzüglich. Gerade die Zusammenführung beider Welten ist fabelhaft gelungen, ergänzt sich prächtig und kann somit sowohl bei der jüngeren Generation als auch dem etwas älteren Publikum punkten. Die Kritik an Web 2.0 funktioniert so gut, da die Charaktere hervorragend gezeichnet wurden und der Zuschauer sie von der ersten Minute an in sein Herz schließen kann. Das sorgt auch dafür, dass gerade in der zweiten Hälfte des Filmes ein Großteil der Spannung erzeugt werden kann, indem der Zuschauer mit seinen liebgewonnen Figuren mitfiebert. Das Ganze mündet in einem emotional wundervollen Finale und findet somit den perfekten Abschluss einer Geschichte, die im Grunde keinerlei Schwächen aufweist.
Als ähnlich vielschichtig wie die Geschichte erweist sich die Inszenierung von Mamoru Hosada. So beginnt der Film recht amüsant, um dann nach und nach zu einem ruhigen, aber immer noch gefühlvollen Familiendrama im Stile eines Yasujiro Ozu zu mutieren. Auch dies funktioniert auf hervorragende Weise, dank dem gefühlvollen Umgang mit den Figuren, sowie der stimmungsvollen musikalischen Untermalung. Je mehr der Film sich jedoch in die Fantasiewelt OZ begibt, desto größer die Möglichkeiten für einen solch visionären Regisseur, sich auszutoben. Denn mit welch einer Fantasievielfalt sein geschaffenes Universum präsentiert wird, ist schlichtweg atemberaubend. So braucht es definitiv mehrere Sichtungen, um überhaupt annähernd alles aufzufassen was Hosada in diesem Film auf der Leinwand zu bieten hat.
Summer Wars ist sicherlich ein gewagtes Experiment gewesen, mischt der Film doch Genres die an sich nicht zu vereinen sind. Doch Mamoru Hosada gelang das auf eine wunderbare Art und Weise und schafft es, den Zuschauer knapp zwei Stunden zum Lachen zu bringen, ihn emotional zu bewegen und gleichzeitig kritisch auf die Entwicklung des Web 2.0, sowie die Entwicklung des Familienlebens blicken zu lassen. Wer also die Gelegenheit hat, sich dieses kleine Werk auf der großen Leinwand anzuschauen, der sollte es sich nicht entgehen lassen, schließlich handelt es sich bei diesem Film wohl gemeinsam mit Ponyo - Das große Abenteuer am Meer um das beste Anime seit uns Miyazaki vor einigen Jahren mit Chihiros Reise ins Zauberland verzaubern konnte.