Von den Kritikern belacht, zerrissen - in Grund und Boden gestampft. Mit diesen Vorraussetzungen war es nur eine logische Konsequenz, dass Waterworld 1995 an den Kinokassen floppte. Den hohen Erwartungen an den bis dato teuersten Film konnte er nicht gerecht werden und die Welle an eigenen storytechnischen Wässrigkeiten schwemmte ihn letztendlich davon. Statt in die Liste der großen Klassiker einzugehen, endete er auf dem Abstellgleis der goldenen Himbeere und wurde nebst Anderen zum schlechtesten Kassensturz des 20. Jahrhunderts. Geht man jedoch davon ab, aufgrund des hohen Budgets einen Film ohne Ecken und Kanten zu erwarten, so hat Waterworld einiges zu bieten und weiß über zwei Stunden hinweg den Zuschauer mehr als nur mäßig zu unterhalten.
Kein Land, nur noch Wasser - Waterworld. So könnte unsere Welt in einigen Jahren aussehen. Zumindest wird uns das derzeit in den Medien immer wieder weiß gemacht und wäre der Film nicht schon vor eineinhalb Jahrzehnten entstanden, könnte man meinen, Umweltaktivisten hätten ihre Finger im Spiel gehabt. So appelliert der Film an vielen Stellen dafür, die Umwelt zu schonen und die Erde, wie sie jetzt ist, zu respektieren. Jedoch sind diese Aussagen nur nachrangig und nehmen im Film keine allzu große Rolle ein.
Stattdessen erwartet den Zuschauer ein augenzwinkerndes Actionfeuerwerk mit wenigen ernsten Momenten und einer gehörigen Portion Humor. So beginnt der Film damit, dass Kevin Costner in der Rolle des Mariners auf einem Trimaran über das Wasser segelt und sich in einen seltsamen Apparat erleichtert, welcher daraufhin Wasser aus dem urinierten filtert. Es ist verständlich, dass daraufhin einige kritische Stimmen fragen: "Warum"? Jedoch könnte man genauso gut fragen: "Warum nicht"? Und das ist auch die Einstellung, mit der man sich den Film ansehen sollte. "Warum recyceln die Atollbewohner Verstorbene in einer gelb-grünlichen Pampe?" - "Warum nicht?" Denn diese Kleinigkeiten sind es, die Waterworld ausmachen. Technische Spielereien wie das Hochseeurinal oder der Wandel vom Trimaran zum Rennboot aber auch Details wie Deacons nicht vorhandenes linkes Auge sind es, die dem Film eine Seele einhauchen.
So legt Waterworld, gewollt oder ungewollt, wahrlich keinen Wert auf eine tiefsinnige Story. Statt einem offensichtlich gesellschaftskritischen Endzeitepos wie 28 Days Later oder The Book of Eli handelt es sich um einen leicht naiven, jugendfreien Abenteuerfilm mit vielen Elementen des klassischen Westerns, welche schon von anderen Kritiken angesprochen wurden. Kevin Costner als einsamer Held, quasi allein gegen das Böse, lediglich eine schöne Frau an seiner Seite, und zu guter Letzt der einsame Ritt davon, zwar nicht in den Sonnenuntergang, dafür jedoch auf das weite Meer hinaus, die Wüste von Waterworld. Die Rolle des einsamen, typisch amerikanischen Westernhelden verkörpert Kevin Costner in vielen seiner Filmen, wie auch in seinem Meisterwerk Der mit dem Wolf tanzt und in dem späteren Flopp Postman, dem ebenfalls hauptsächlich negative Stimmen entgegenschlugen. Eigentlich müsste sich Costner also perfekt in die Rolle des Mariners einfinden können, im Vergleich mit Dennis Hopper wirkt er aber eher blass.
So revidiert Hopper mit seiner Darstellung des egozentrischen Bösewichts Deacon eindeutig die zweifelhafte Ehre der Goldenen Himbeere, denn von allen Akteuren spielt er seine Rolle am überzeugendsten - er besticht stets durch ein hohes Maß an Selbstironie. Auch ist er kein Bösewicht, welcher den Zuschauer in Angst und Schrecken versetzten soll, sondern repräsentiert und parodiert genretypische Schurken. Wenn er mit seinen Handlangern zur Musik von The Blues Brothers mit einem tiefer gelegten Auto durch den verschmutzten Rumpf des Steamer-Schiffes fährt und Zigaretten verteilt, oder an seiner Augenklappe rumspielt und dabei sagt, er würde die Leute im Auge behalten, so trägt er einen großen Teil des Films und verleiht ihm einen gewissen Charme. Mit Sätzen wie "Kamikaze, na mach schon" bringt er seine Rolle stets mit einem Augenzwinkern rüber und geht ab vom standardisierten Drang nach Weltherrschaft, über zum lügenden Egomanen, der ohne Rücksicht auf seine Handlanger möglichst schnell das letzte Stückchen Land erreichen möchte, um nicht auf alle Ewigkeit im Wasser zu dümpeln. Wenngleich sein Auftritt anfangs schräg und ungewohnt wirkt, zeigt sich schnell, dass Dennis Hopper seine Schurkenrolle so humorvoll und selbstironisch wie lange keiner mehr spielt. Einen solchen Charakter wünscht man sich heutzutage gern ab und zu wieder und es wird deutlich, dass es nur bedingt einer ernsten Rolle bedarf, damit ein weltklasse Schauspieler sein volles Potential entfalten kann.
Während in Amerika zusätzlich zur Kinofassung auch ein Extended Cut erschien, der an manchen Stellen noch ein paar Nebenhandlungen mit einbringt und die ein oder andere storybedingte Lücke zu stopfen vermag, ist eine solche Version in Deutschland leider bisher noch nicht erhältlich. Und so zeigt sich in der Kinoversion ein deutlicher Unterschied zu Costners sonstigen, kinofeindlichen Überlängen. Es wird vielfach vermutet, dass die Produktionsfirma Costner dazu drängte, den Film kürzer zu halten, um ihn nach dem drastischen Kostenanstieg durch setbedingte Katastrophen, wie dem Versinken einer Plattform, mehrmals am Tag in den Kinos zeigen zu können. Man spekuliert, er habe aus diesem Grund während der Dreharbeiten seinen langjährigen Freund und Regisseur Kevin Reynolds, mit dem er seither nicht mehr zusammenarbeitete, gefeuert und selbst das Ruder übernommen. Jedoch schoss er sich damit ins eigene Bein und so plätschert die Story ohne hohes Spannungsmoment oder plötzliche Wendungen naiv vor sich hin, wobei selbst der vom Studio engagierte Joss Whedon als Script Doctor dem nicht entgegenwirken konnte. Kevin Costner wurde von den Studiobossen danach lange Zeit als Kassenkiller angesehen und Whedon selbst sprach von seiner Arbeit am Drehbuch in einem Interview als "seven weeks of hell", woran sich klar erkennen lässt, dass man keine allzu hohen Erwartungen an den Handlungsstrang des Films stellen sollte, um nicht vollkommen perplex aus dem Sessel zu fallen. Erkennbar wird dies vor allem gegen Ende: Der Mariner sitzt mit der Frau auf den brennenden Überresten des Trimarans - das Mädchen wurde von den Steamern entführt - und die Beiden treiben ziellos über den Ozean. Nur gut, dass der anfangs geflohene Wissenschaftler mitsamt Balon-Heli zur Stelle ist und sie vor Schlimmerem bewahren kann. Der Realismus versinkt mitsamt Logik in den Tiefen der Meere.
Abgesehen von dem bereits angesprochenen Song der Bluesbrothers bietet Waterworld musikalisch keinen hohen Wiedererkennungswert, fällt aber auch nicht weiter negativ auf, solange man von den personaltechnischen Komplikationen absieht. So war ursprünglich Mark Isham als Komponist engagiert, welcher jedoch aufgrund des düsteren Untertons seiner Songs gefeuert wurde. Der daraufhin verpflichtete James Newton Howard musste nun unter Zeitdruck passable Tracks abliefern, was ihm weitestgehend gelungen ist. In einem Zug zu nennen sind auch Ausstattungs- und Kostümabteilung, deren Requisiten und Kostüme ebenso gut gelungen sind, für einen Endzeitfilm jedoch stellenweise zu steril erscheinen.
Letztendlich ist es abwegig, den Film als grottig abzustempeln oder ihn konträr als Meisterwerk zu bezeichnen. Wo jedoch heutzutage vielen Filmen immer wieder ein tieferer Sinn aufgezwungen wird und künstliche Effekte den Zuschauer erschlagen, entwickelt Waterworld eine gute Mischung aus leichtem Humor und vergleichbar animationsleerem Krawall. Zugegeben, es handelt sich bei im Vergleich mit Mad Max eher um jugendfreies Endzeitkino, was sowohl auf die Naivität der Story wie auch auf die wenig düstere Atmosphäre zurückzuführen ist. Wer sich jedoch auf leichte Unterhaltung und schräge Charaktere einlässt, der wird für knapp 130 Minuten in eine etwas andere Welt abtauchen können. Lediglich das Ende hinterlässt einen sehr faden Beigeschmack, denn es wirkt, als habe man den Film nach all den Katastrophen am Set schnellstmöglich zu einem glücklichen Abschluss bringen wollen.