Carlos - Der Schakal Poster

Film-Seite zu Carlos - Der Schakal
Trailer zu Carlos - Der Schakal
Poster zu Carlos - Der Schakal
Offizielle Seite
PDF zu Carlos - Der Schakal

Carlos - Der Schakal

(Carlos, 2010)

Dt.Start: 04. November 2010 Premiere: 03. Juli 2010 (Deutschland)
FSK: ab 16 Genre: Drama, Biografie
Länge: 180 min Land: Frankreich, Deutschland
Darsteller: Edgar Ramirez (Carlos), Alexander Scheer (Johannes Weinrich), Alejandro Arroyo (Dr. Valentin Hernandez), Ahmad Kaabour (Wadie Haddad), Talal El-Jordi (Kamal al-Issawi), Juana Acosta (Amie de Carlos), Nora von Waldstätten (Magdalena Kopp), Christoph Bach (Hans-Joachim Klein ), Rodney El Haddad (Anis Naccache), Julia Hummer (Gabriele Kröcher-Tiedemann), Antoine Balabane (General al-Khouly), Rami Farah (Joseph), Aljoscha Stadelmann (Wilfred Böse), Zeid Hamdan (Youssef), Fadi Yanni Turk (Colonel Haitham Said), Katharina Schüttler (Brigitte Kuhlmann), Badih Abou Chakra (Cheikh Yamani), Basim Kahar (Riyadh el-Azzawi), Cem Sultan Ungan (Agent irakien)
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas, Dan Franck


Inhalt

Ilich Ramirez Sánchez, genannt Carlos - der Schakal, ist ein Söldner, der seine Bluttaten für den meistbietenden durchführt. Nach seinem Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien und zahlreichen weiteren Aktionen ist er der meistgesuchte Terrorist der Welt. Immer wieder schafft er es, seinen Jägern zu entkommen und lebt das Leben eines Playboys in Luxushotel mit vielen schönen Frauen bis ihn eines Tage seine Unterstützer verlassen, die ihn als Relikt des kalten Krieges loswerden möchten.
Shopping-Box
DVDs zu Carlos - Der Schakal Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Carlos - Der Schakal Poster & Merchandise
zum Film
Carlos - Der Schakal bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Carlos - Der Schakal bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

Carlos - Der Schakal hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Carlos - Der Schakal hat eine Wertung von 82%
Kein anderer Terrorist dominierte diese Zeit derart, in der die Welt noch in klar abgegrenzte politische Blöcke geteilt war. Er prägte und erschütterte ein Jahrzehnt in seinen Grundfesten, in dem der Terrorismus noch ein junges Phänomen war. Carlos, der Schakal war ein selbstverliebter egomanischer Superstar über den vieles nicht bekannt ist. Regisseur Olivier Assayas versucht in seinem Epos, sich dem Mythos wie dem Mensch zu nähern. Über die schier unglaubliche Vielfalt an Information und dem Gewirr an politischen Verwebungen entwickelt sich aber mehr eine unvollkommene Chronik als ein konsequentes Psychogramm. Dennoch durchaus fesselnd bis zum Schluss.

Bild aus Carlos - Der Schakal Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehört die zweifelhafte Ehre, den internationalen Top-Terrorismus anzuführen, Gestalten wie Osama bin Laden und seinen Stellvertretern. In der Dekade der 1970er, inmitten des Kalten Krieges, als die Terroristen noch klare politische Ziele verfolgten, wie die Errichtung eines palästinensischen Staates oder das Ende des als imperialistisch empfundenen Engagements der USA in Vietnam, genossen diese Gruppierungen einiges an Rückhalt in der Gesellschaft. Zwar lehnte die Mehrheit richtigerweise die Mittel ab, die Organisationen wie die RAF einsetzte, viele sympathisierten aber mit den generellen Anliegen.

Der internationale Terrorismus der Vergangenheit grenzt sich ideologisch somit stark vom islamistischen Terror unserer Epoche ab, dessen simples Anliegen die Vernichtung der westlichen Welt - insbesondere der USA - ist, die als ungläubig, dekadent und schmutzig angesehen wird. In der Unmenschlichkeit der Ausführung gibt es hingegen keine Unterschiede, was jede Form von Terrorismus am Ende als verdammenswerten Aktionismus brandmarkt. Dennoch genossen manche Figuren in den 1970ern einen Status, der beinahe dem eines Rock-Stars gleichkam. Allen voran Carlos, der Schakal genannt.

Mit bürgerlichem Namen Ilich Ramirez Sánchez und aus Caracas in Venezuela stammend, stieg der Mann, der mit Dreitagebart, Baskenmütze, Lederjacke und provozierend lässig umgehangener Maschinenpistole entfernt an Che Guevara erinnert, innerhalb von wenigen Jahren zu einem Mythos auf. Sein "Durchbruch" beginnt 1975, als er gemeinsam mit seinen Mitverschwörern die OPEC-Konferenz in Wien stürmt und alle anwesenden Minister der beteiligten Länder als Geisel nimmt. Ein Blutbad wird nur dadurch vermieden, dass die österreichische Regierung nachgibt und ihm das geforderte Flugzeug als Fluchtmittel stellt. Mit den Geiseln als Druckmittel versucht sich Carlos (Edgar Ramirez) in die islamische Welt abzusetzen, doch kein Land will ihn offiziell aufnehmen. Am Ende kann er sich sogar nur mit einem Deal freikaufen und seine Haut retten.

Eine Schlacht verloren, der Krieg geht weiter: Carlos gewinnt wegen seiner rücksichtslosen Entschlossenheit das Vertrauen der Führung vieler kommunistischer Staaten, die ihn im Kampf gegen den imperialistischen Westen als nützlich ansehen und die Sympathie all jener, die in der islamischen Welt in ihm jemanden sehen, der für ihre Sache eintritt. Er ist gerade mal 30 Jahre alt, als er zum meistgesuchten Mann weltweit avanciert. Von jetzt an ist er fest im Fokus, sowohl der internationalen Presse als auch der Geheimdienste in aller Welt.

Zwei Jahre nach Der Baader Meinhof Komplex kommt ein Epos in die Kinos, das versucht die legendenumwobene Gestalt des Carlos, aus der Ära des Kalten Krieges, zu porträtieren. Trotz der beeindruckenden Spieldauer von 330 Minuten (Extendend Version), gelingt aber nicht mehr als eine Annäherung. Das liegt vor allem daran, dass viele Kapitel im Leben von Carlos komplett im Dunkeln liegen und somit im Film nicht mehr als Interpretationen darstellen können. Politische Verwicklungen, Geheimdienstgeplänkel, wild wechselnde Schauplätze, Anschläge, Schicksale der Nebencharaktere, private Entwicklungen, fiktionale Ergänzungen und dokumentarische Einschübe, nötigen überdies nicht nur politischen Sachverstand und neuzeitliche Geschichtskenntnisse ab, sondern machen es durch die schiere Fülle zuweilen unheimlich schwer, Bedeutsames von weniger Gewichtigem zu scheiden.

Die Macher sind sich dieser Schwierigkeiten durchaus bewusst. Und so gelangt als mainstreamigere Fassung eine lediglich 190 Minuten lange Version in die deutschen Kinos. Die längere, die ursprünglich als Dreiteiler fürs französische Fernsehen produziert wurde, ist hingegen als Festivalversion vorgesehen und wird darüber hinaus nur in ausgewählten Kinos laufen. Für die Langfassung spricht aber eindeutig die Vollständigkeit der Vision von Regisseur Oliver Assayas, die in jahrelangen Recherchen entstand und auf Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen und Polizeiakten basiert - allerdings vervollständigt durch fiktionale Anteile der Lebenspassagen, über die keinerlei Informationen vorliegen.

Die Langfassung bietet zudem den Vorteil, alle beteiligten in ihrer Muttersprache erleben zu können, abgesehen natürlich von Carlos selbst, der zwischen Spanisch, Französisch, Englisch, Arabisch und Deutsch fließend hin und her wechselt. Die Dreistunden-Fassung hingegen ist synchronisiert, was dem Film einiges an Charme, Einzigartigkeit und Authentizität nehmen sollte. Für die Straffung spricht andererseits, dass man irgendwann nach drei, vier oder mehr Stunden mitunter Gefahr läuft, den Faden zu verlieren. Außerdem stellt sich das Gefühl ein, Assayas selbst hat längst jegliche Begrenzung seiner ursprünglichen Filmvision aus den Augen verloren, irrlichtert in einer Story, die sich ihm zu entziehen droht und hofft die Hauptfigur noch irgendwie dem erlösenden Finale entgegenstolpern lassen zu können.

Carlos - Der Schakal fesselt wegen seines charismatischen Hauptdarstellers, der den narzistisch-egomanischen Charakter der Vorlage gut wiedergibt und ihn beim Aufstieg wie Verfall ein überzeugendes Gesicht verleiht. Für die Faszination der Geschichte trägt aber besonders der atemlose Erzählrhythmus Verantwortung, der kaum Langeweile aufkommen lässt. Als Biopic kann der Film aber dennoch nicht angesehen werden. Zu kurz ist der Ausschnitt aus dem Leben des Top-Terroristen, zu stakkatoartig folgt Sequenz auf Sequenz und zu sehr löst sich im Verlauf die Distanz der Erzählperspektive eines neutralen Berichterstatters auf. Fast meint man, Carlos wäre Assayas sogar ein wenig ans Herz gewachsen. Als Chronik der Ereignisse, als Epos und als fulminantes politisches Porträt eines geschichtsträchtigen Jahrzehnts ist der Film aber absolut zu empfehlen.



Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
Che - Revolucion
Dt. Start: 11. Juni 2009
Vorschlag entfernen
Public Enemy No. 1 - Todestrieb
Dt. Start: 21. Mai 2009
Vorschlag entfernen
Che - Guerrilla
Dt. Start: 23. Juli 2009
Vorschlag entfernen
Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt
Dt. Start: 23. Apr 2009
Vorschlag entfernen

 

© 2012 MovieMaze.de