Zwei Babys - eine Kampfansage: "Wer im Rennen weiter kommt, gewinnt." Kann man der Einleitungssequenz von Werner - Eiskalt zumindest noch kurzzeitig Unterhaltungswert zusprechen, vermag die vulgäre Laiendarstellung als seltsame Mischung aus Realfilm und Animation ansonsten zu keiner Zeit überzeugen. Wenn Kotze die Hauptrolle spielt, und das besser als manch einer der Darsteller, ist das Niveau längst zu tief gesunken, als dass man noch von Kult oder gar Kultur sprechen könnte.
Rötger Feldmann skizziert mit Werner Aspekte seines eigenen Lebens, jedoch auf ebenso drastische wie stark überzeichnete Weise. Vermochte er mit seinen Comics Erfolge zu verbuchen und stellenweise sogar Kultstatus zu erlangen, ist der mittlerweile fünfte Film der Reihe ein einziges Meisterwerk des Fremdschämens.
Das beginnt bereits bei der durchweg schlechten technischen Ebene der realen Aufnahmen und geht bis zu den unsympathisch gezeichneten Figuren samt ihrer fäkalen Wortwahl. Insgesamt vermag der Film damit beinahe das Niveau etwaiger Superbullen zu unterbieten. Die Erfahrungen des Ko-Regisseurs und Kameramanns Gernot Rolls, der bereits für Nirgendwo in Afrika und Kleine Haie hinter der Linse stand und technisch selbst bei den Fortsetzungen von Voll Normaaal überzeugen konnte, scheinen wie in den Wind geblasen. So wirken die Bilder, in denen der Autor der Werner-Bände am Strand oder in seinem Schuppen zu sehen ist, allzu amateurhaft abgedreht. Wo viele andere Filme schon an einem überzeugenden Handlungsstrang scheitern, geht dieser hier sogar nahezu komplett verloren. Das Szenario um ein erneutes Wettrennen zwischen dem Protagonisten und seinem Widersacher hätte an sich kaum das Potenzial für einen Kinofilm gehabt, und wird hier mehr künstlich denn künstlerisch durch Nebenschauplätze und Zeitsprünge in die Vergangenheit Werners aufgebläht. Der Zuschauer erfährt, wie Werner ein ganzes Polizeifest dem Boden gleichmacht, ohne überhaupt vor Ort zu sein, wie er den "Bremskraftverstärker" in einer Szene von gefühlten zwei Stunden zusammengeklaubt hat, und viele andere weitgehend zusammenhanglose Fetzen aus seinem Leben.
Bezeichnend ist auch die Tatsache, dass Feldmann angeblich seine eigenen Erfahrungen im Hinblick auf seine Zeichenarbeiten in diesem Film verarbeitet. Beim Versuch, den eigenen Comics aber nostalgischen Charme zu verleihen, zieht man eine unnötige und schlechte Parodie auf asiatischen Zeichnungen an Land, die Fans japanischer Mangas und Animes zu Recht als beleidigend empfinden könnten. Hingestellt als oberflächlicher Aufmarsch großbusiger Frauen und kleiner, nerviger Tierchen, wird versucht, die eigene Quantität als Qualität auszugeben. Ironischerweise erkennt der Brösel genannte Künstler im Laufe des Films selbst, dass seine Figuren längst veraltet sind und die heutige Jugend damit kaum hinterm Ofen hervor gelockt werden kann. Dass sich aber mit plump "dahin gerotztem" Brei dem nicht entsprechend entgegenwirken lässt, dürfte sich wohl von allein erschließen.
Als einziger Lichtblick bietet sich die Tatsache, dass hier ein Held der Kindheit nach langer Zeit und zur Freude Vieler, kurzzeitig wieder zum Leben erweckt wird. Dabei handelt es sich aber nicht um Werner, sondern die allseits beliebte Biene Maja, welche, vom Zeichner vergleichswiese sympathisch entstellt, den einzig nennenswerten Auftritt an den Tag legt - zumindest solange, bis dieser durch verbale Ausgüsse und Ergüsse zunichte gemacht wird.
Letzten Endes entspricht der Film geschmacklich seinem Hauptmotiv und seinen vielen Vorgängern: alt, durchgekaut und wieder hochgewürgt. Ein übler Brei, welchen sich der Großteil der Kinobesucher mit Sicherheit eher ungern ein weiteres Mal durch den Kopf gehen lassen möchte. Nervt der Film mit seiner dummen Albernheit gerade gegen Ende gewaltig, möchte man nicht mehr, als nur noch fluchtartig das Kino verlassen.