Die Sucht ist sie für Junkies das allein bestimmende Element. Für viele ist dieser Werdegang sogar mit dem Tod durch eine Überdosis verbunden. Mousse entging diesem Schicksal knapp, ihre große Liebe nicht. In ihrem Körper wächst nun das gemeinsame Kind heran, ob sie es aber als einen Teil von sich empfindet, bleibt fraglich. Rückkehr ans Meer fängt den Versuch der ehemals drogenabhängigen Mousse ein, eine Beziehung zum Ungeborenen aufzubauen. Der sinnliche visuelle Stil bildet dabei den Kontrast zu der Distanz der Protagonistin, das allein erzeugt, trotz des künstlerischen Ansatzes, aber keine echte Anziehungskraft oder einen starken Erinnerungswert.
Irgendwo in Paris haben sich Mousse (Isabelle Carré) und Louis (Melville Poupaud) in einem scheinbar unbewohnten Haus niedergelassen. Zum Schlafen reicht ihnen eine Matratze auf dem Boden; Bedürfnisse haben sie ohnehin - außer einem übermächtigen - kaum welche. Das einzige was ihren Lebensrhythmus dominiert, ist die Frage nach dem nächsten Schuss, der für sie ebenso überlebenswichtig ist, wie für andere das täglich Brot. Als Louis' Mutter, eine Immobilienmaklerin, eines Morgens plötzlich in das Haus kommt, das zu den Objekten gehört, die sie betreut, findet sie beide regungslos vor. Eine Überdosis Heroin ist ihnen zum Verhängnis geworden.
Im Krankenhaus können die Ärzte zwar Mousses Leben gerade noch retten, für Louis kommt aber jede Hilfe zu spät. Als Mousse auch noch erfährt, dass sie schwanger ist, gerät der Schock noch größer. Die Zukunft des Ungeborenen ist zudem ungewiss: obwohl es regelrecht das einzige Vermächtnis darstellt, das ihr Sohn hinterließ, legt Louis' Mutter, die um den guten Ruf der Familie und ihre eigene Reputation fürchtet, Mousse nahe, das Kind abzutreiben. Mousse entscheidet sich aber, das einzige was ihr von ihrer großen Liebe blieb, zu behalten. Sie zieht sich in ein altes Landhaus an der Côte d'Azur zurück, um ganz für sich die Schwangerschaft zu erleben und um überhaupt eine emotionale Beziehung zum Kind in ihrem Leibe aufzubauen. Monate später taucht Louis' schwuler Bruder auf, der auf dem Weg nach Spanien ist und leistet ihr eine Weile Gesellschaft.
Nicht alles, was in Rückkehr ans Meer passiert, wirkt auf den ersten oder sogar zweiten Blick zwingend logisch. Doch was ist bei einer "Junkiekarriere" schon logisch? Das Überleben an sich ist bereits Glückssache und eine Empfängnis obendrein, wenn auch die werdende Mutter das nicht unbedingt derart empfinden mag; womit man ohne Umschweife beim Thema angekommen ist, das zwischen Tod und Geburt, Zeugung und Untergang kreist. Die Protagonistin schwebt als Ex-Junkie auf Methadon zwischen diesen Zuständen und damit automatisch das Ungeborene mit ihr.
Diese Ambivalenz einzufangen, müht sich Regisseur François Ozon zwischen malerischen Landschaftsbildern, die ein hohes Maß an Poesie entfalten und dem Prozess der Schwangerschaft, den Mousse regelrecht nivelliert gefühlsarm und distanziert durchläuft. Offensichtlich ist, dass das Leben, welches sie als Drogenabhängige führte, viel an Emotion abgetötet hat. Leider aber reicht es nicht als tragendes Spannungsmoment aus, eine innerlich gespaltene Schwangere beim Fortschreiten ihrer Schwangerschaft zu beobachten, die sich scheinbar gar keine Gedanken über das Danach macht: dass dies sogar einen anderthalb Stunden langen Film langatmig werden lassen kann, war den Machern durchaus bewusst, also taucht irgendwann eine männliche (Retter)Figur auf. In diesem Falle Paul (Lois-Ronan Choisy), der großgewachsene, athletische und dunkelhaarige Bruder von Louis. Ein Typ, in den sich Frauen gerne verlieben, der hier aber offenkundig schwul ist.
Ganz plakativ wird, um die Spannung irgendwie am Leben zu erhalten, dieser Charakter eingebracht, der optisch wie innerlich einen ausgezeichneten (Ersatz)Partner und potenziellen Ziehvater abgeben würde; damit aber eigentlich nicht passieren kann, bekommt er ein "Handicap" angedichtet und schwebt fortan - ähnlich der Protagonistin - zwischen zwei Zuständen. Trotz des einen oder anderen Spannungskniffs sind die Wege aber in puncto Romanze, wie auch dem eigentlichen Finale, vorgezeichnet, das zwar ein wenig überrascht - jedoch nur insoweit, wie man die (mangelnde) Entwicklung der Protagonistin außen vor ließ. Rückkehr ans Meer präsentiert sich damit als ein handwerklich und künstlerisch gut kreierter Film, der aber einfach viel zu wenig zu erzählen vermag und sich in diesem Purismus gelegentlich auch über Hilfskonstruktionen über die Zeit hangeln muss.