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Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung

(Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung, 2010)

Dt.Start: 23. September 2010 Premiere: 21. Januar 2010 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 16 Genre: Krimi, Drama
Länge: 113 min Land: Deutschland
Darsteller: Jacob Matschenz (Tommy), Burak Yigit (Sule), Balder Beyer (Keiler), Manuellsen (Clay), Aylin Tezel (Sina), Liv Lisa Fries (Caro), Peter Lohmeyer (Schuldirektor), Simone Thomalla (Tommys Mutter Sylvia), Lennart Betzgen (Tommy als Schulkind), Wolfgang Edelmayer (Caros Vater), Konstantin Frolov (Lesha), Tan Ipekkaya (Sule als Schulkind), Anja Klawun (Caros Mutter), Tankred Walz (Schneider), Michael Wenzlaff (Gecko)
Regie: Oliver Kienle
Drehbuch: Oliver Kienle


Inhalt

Tommy und Sule wachsen wie Brüder auf. Sie teilen die gleichen Interessen und Träume. Eine gemeinsame Tuning-Werkstatt ist das große Ziel. Als Tommy jedoch verraten wird und wegen Drogenhandels sechs Monate ins Gefängnis muss, ist der große Traum erst mal vergessen. Im Jugendknast erlebt er die Hölle auf Erden. Wieder auf freiem Fuß steht Tommy nun ohne Freundin da und seine Mutter droht ihm mit dem Rausschmiss. Rückhalt findet er nur noch bei Sule und seiner Clique. Um doch noch eine Tuning-Werkstatt zu bekommen, plant dieser einen letzten großen Deal und riskiert somit seine Zukunft.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 39%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung hat eine Wertung von 39%
Alles was selbst erlebt wurde, entfaltet, wenn man darüber berichtet, eine besondere Kraft und Authentizität. Oliver Kienles Spielfilmdebüt siedelt sich in einem Milieu an, das er selbst ähnlich in Würzburg und Umgebung erlebte. Zuweilen wirkt Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung, der sich zwischen Sozialstudie, Jugenddrama und Buddy-Movie bewegt, reichlich freakig. Mit zu vielen Klischees, vorhersehbaren Wendungen, einer Form comichaften Realismus und Hauptfiguren, die deutlich überzeichnet anmuten, gelingt es dem Film somit kein eindeutiges Statement zu formulieren.

Bild aus Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung Vor nicht allzu langer Zeit "beglückte" der deutsch-türkische Skandal-Rapper Bushido die Filmwelt und seine Fans mit seiner durch Bernd Eichinger produzierten Filmbiographie Zeiten Ändern Dich. Darin skizzierte er seinen Weg vom Kleinkriminellen zum Musik-Star. Die Diplom-Abschlussarbeit von Oliver Kienle Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung bewegt sich in einem ähnlichen Milieu und besitzt überdies in Sprache, Stil und Skizzierung der Charaktere weitere Ähnlichkeiten. Es ist eine Welt, in der Loyalität mehr zählt als Titel oder Schulabschlüsse. In dieser sind Tommy (Jacob Matschenz) und Sule (Burak Yigit) unzertrennlich. Der Deutsche Tommy entstammt einem One-Night-Stand seiner Mutter Silvia (Simone Thomalla) mit einem US-G.I., der sich danach dünne machte; Sule mit türkischer Herkunft ist ein Geschöpf der Straße, immer bereit, ums Überleben zu kämpfen.

Die beiden lernen sich bereits als Kinder kennen. Damals stand Sule Tommy bei, als Jugendliche ihn verprügeln wollten. Seither sind die beiden wie Brüder. Nicht einmal die Tatsache, dass Tommy aufs Gymnasium und Sule auf die Hauptschule geht, vermag sie zu trennen. Geld verdienen die beiden mit dem Verkauf von Drogen und lassen es sich gutgehen. Eine Vorstellung von ihrer Zukunft haben beide nicht - abgesehen von Sules Traumschloss, dem utopischen Plan einen großen Autotuning-Laden zu eröffnen. Eines Tages bekommt die Polizei einen Tipp und verhaftet Tommy. Die Drogen, die sie bei ihm finden, reichen aus, ihn in den Jugendknast zu befördern. Als "Frischfleisch" wird diese Zeit zur Hölle für ihn. Sechs Monate später kommt er auf Bewährung auf freien Fuß. Doch jetzt ist vieles komplizierter: Tommy weiß, dass jemand ihn verpfiffen haben muss und möchte herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Ertappt ihn die Polizei aber bei einer illegalen Aktion, fährt er gleich wieder ein.

Überdies hat sich seine Freundin Sina (Aylin Tezel) von ihm getrennt, und das ohnehin gespannte Verhältnis zu seiner Mutter hat sich durch seinen Knastaufenthalt nicht gerade gebessert. Nach einem üblen Streit, beschließt sie sogar ihn rauszuschmeißen. Rückhalt findet er nur bei Sule und der alten Clique, aber das ist der Umgang, der ihn erst in Schwierigkeiten brachte. Und nach seinen Erlebnissen im Gefängnis wollte er von Drogen für immer die Finger lassen. Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung liefert einen ungeschminkten Blick in eine Lebewelt, die von Drogen, Kriminalität, Gewalt, aber auch Hip-Hop, Streetstyle und einem seltsamen Kodex dominiert wird.

Regisseur Oliver Kienle baut sein Coming-of-Age-Drama, das gleichermaßen Buddy-Movie ist, auf eigenen Erfahrung und Motiven auf, die er über die Jahre in Würzburg und Umgebung sammelte. Trotz des Lokalkolorits könnte die Geschichte aber grundsätzlich überall spielen. Die Hauptfiguren wirken schrill überzeichnet und unbeholfen. Sie reden und benehmen sich, als wären es schlechte MTV-Gangsta-Rap-Abziehbilder. Ihre Sprache ist eine Mischung aus pseudocoolem und comichaft-stylischem Fäkal- und Gossenjargon. Ein älteres Publikum, dem solche Milieus nicht in irgendeiner Form geläufig sind, wird diesen Film womöglich als andauernden Karikaturen-Filmstrip erleben.

In der Groteske steckt allerdings auch Wahrheit. Es gibt diese verschrobene Jugendkultur, die einer Zirkusshow gleicht, mit Protagonisten, die allesamt an Clowns erinnern, deren Äußeres darüber hinwegtäuscht, dass es darunter nicht wenige gewaltbereite Kriminelle und Dealer gibt. Wollte Kienle lediglich eine klischeelastige Milieustudie liefern, ohne ein Urteil über seine Filmfiguren zu formulieren, so mag ihm das größtenteils gelungen sein. Offensichtlich richtet sich sein Film an ein jüngeres Zielpublikum, das mit den popkulturellen Bezügen einiges wird anzufangen wissen. Allein aber, den anheimelnden Charakter des Streifens und die Dynamik der beiden brüderlichen Freunde in den Mittelpunkt zu stellen, ohne einen eindeutigen Appell zu formulieren, erscheint wie Verschwendung.

Es verhält sich zwar nicht gerade so, dass es in Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung keine Entwicklungen gäbe, die dafür herhalten könnten, eindeutige Botschaften zu vermitteln. Der Film bleibt aber in seiner Tendenz unscharf: Einerseits wird nicht ausgeklammert, wie grausam es einem Neuling im Knast ergehen kann, andererseits gibt es aber kaum eine spürbare Relativierung der Loyalität zwischen Kriminellen, die erst zum Knastaufenthalt führt. Der eigentliche Kodex dieser Welt wird nicht in Frage gestellt, andererseits auch nicht glorifiziert. Beide Protagonisten kämpfen mit ihren Mitteln, um sich aus dem Morast heraus zu emanzipieren, die Krisen, Konflikte und Eskalationen auf diesem Weg wirken aber vorhersehbar oder sogar konstruiert. Besonders das Verhältnis Tommys zu seiner Mutter entpuppt sich als dramaturgische Seifenblase. Simone Thomalla wirkt in dieser Rolle mehr als deplatziert - nahezu die gesamte Story wäre auch ohne sie gut ausgekommen.

Außerhalb seiner zuweilen sehr programmatischen Wendungen, immer dann wenn die beiden Hauptcharaktere wieder mal einen brachialen Stubs vom Schicksal brauchen, um in die eine oder andere Richtung zu stolpern, wirkt die Story extrem zäh. Behelfsweise, um dem sirupartigen Voranschreiten der Handlung entgegenzuwirken, wird sich zur Auflockerung einer MTV-Clip-Ästhetik bemüht, die aber wiederum das comichaft Verzerrte verstärkt. Und auch die finale Wendung, die den Beginn einer Auseinanderentwicklung der Protagonisten enthält, wirkt plakativ übergestülpt und nicht vollends glaubwürdig, da beide nicht aus dem heraus können, was sie über die Jahre und dem Erlebten geworden sind.



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