Furchteinflößende U-Bahn-Röhren, eine düstere Atmosphäre und brutal hingerichtete Opfer: Nein, wir reden nicht von Creep, sondern von Stag Night, in welchem New Yorks Underground-Schächte als Schauplatz dienen. Eine kleine Gruppe von Partygängern steigt an der falschen Haltestelle aus, um bald festzustellen, dass weit unter dem Boden ganz andere Gefahren lauern, als Ratten und sonstiges Getier. Zwar kann man sich auch bei diesem Slasher den Großteil der Handlung im Voraus ausmalen, doch dank der harten Gangart und den meist sehr gelungenen Kills werden Genrefans hier solide unterhalten.
So manch einer, der sich nicht mehr an seinen ganzen Junggesellenabschied erinnern kann, würde diese "letzte große Party vor der Hochzeit" gerne noch einmal erleben können. Dieses Verlangen verspüren die Protagonisten in Stag Night mit Sicherheit nicht! Vielmehr wünschen die sich wohl, sie könnten ihre komplette Stag Party (ein englischer Hochzeitsbrauch, aus welchem die heute weit verbreiteten Stag Nights entstanden sind) wieder aus ihrem Gedächtnis streichen... sofern sie den nächsten Tag überhaupt erleben werden.
Mikes (Kip Pardue - The Wizard of Gore) Polterabend verläuft nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte: Nachdem sein Bruder Tony (Breckin Meyer - Road Trip, Rat Race - Der nackte Wahnsinn, Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen) dafür gesorgt hat, dass sie aus einem Stripclub rausgeworfen wurden, beschließen sie mit der New Yorker U-Bahn zu einem anderen Club zu fahren. Zusammen mit ihren Freunden Carl (Scott Adkins - Unleashed - Entfesselt, The Tournament, Ninja) und Joe (Karl Geary - Mimic 3) machen sie sich auf den Weg und treffen in der Bahn auf die Stripperin Michelle (Sarah Barrand - Caught in the Act) und deren Freundin Brita (Vinessa Shaw - 40 Tage und 40 Nächte, The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen, Todeszug nach Yuma). Nach einem kurzfristig eskalierten Disput steigt die Gruppe unglücklicherweise an einer stillgelegten Haltestelle aus und muss zu Fuß weiter durch die dunklen Gänge, um zur nächsten Haltestelle zu gelangen. Bald werden sie tief unter der Erde jedoch Zeuge eines Mordes an einem Sicherheitsbeamten, und der Albtraum kann beginnen.
Regisseur Peter A. Dowling (Co-Autor von Flightplan - Ohne jede Spur) - welcher ebenfalls für das Drehbuch verantwortlich ist - liefert mit Stag Night ein überraschend solides und atmosphärisch dichtes Erstlingswerk ab. Die düstere Inszenierung und die rabiate Gangart wissen zu überzeugen, und obwohl die Handlung an sich nur wenige Überraschungen bereit hält, wird man beinahe konstant gut unterhalten. Des Weiteren läuft der Film beinahe in Echtzeit ab und erinnert so an die frühen Werke eines John Carpenter. Würde die Kamera nicht immer wieder in zu hektische Wackelmuster verfallen, und hätte man die vereinzelt auftretenden Schnitt-Staccati vermieden, so gäbe es auf der technischen Seite - abgesehen von ein paar vereinzelt sichtbaren Budget-Problemen - kaum etwas auszusetzen.
Die Darsteller können allesamt als solide bezeichnet werden, wirken aber mit ihren teilweise plumpen Dialogzeilen immer wieder etwas unterfordert. Positiv hervorstechen können Breckin Meyer, dem seine Rolle sichtlich Spaß gemacht hat, sowie Scott Adkins, der hier viel überzeugender agiert als in seinem späteren Film Ninja (wo er aber zugegebenermaßen mit der Hauptrolle auch mehr zu tun hatte). Ansonsten bleiben die Figuren relativ blass und Charaktertiefe muss man hier ebenfalls nicht erwarten, denn Stag Night steht zu dem, was er ist: Ein waschechter und dazu sogar fieser, kleiner Slasher!
Natürlich ist so gut wie nichts in diesem Film wirklich neu, doch wer mit seinem ersten Film schon dermaßen solide seine eigene Version des klassischen Slashers auf die Leinwand bringt, von dem dürfen wir in Zukunft hoffentlich noch Einiges erwarten! Wer sich zu sehr an fehlender Innovation und hölzernen Dialogen stört, muss Stag Night wohl eher nicht gesehen haben. Alle anderen können jedoch ohne größere Sorge zugreifen und zusammen mit diesem spannenden Streifen in die dunkelsten Tunnel New Yorks hinabsteigen. Aber nicht vergessen: Nur aussteigen, wenn die Türen von alleine aufgehen!