Defamation Poster

Film-Seite zu Defamation
Trailer zu Defamation
Poster zu Defamation
Offizielle Seite
PDF zu Defamation

Defamation

(Hashmatsa, 2009)

Dt.Start: 26. August 2010 Premiere: 05. Februar 2009 (Berlinale, Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 91 min Land: Israel, Dänemark
Darsteller: n/a
Regie: Yoav Shamir
Drehbuch: Yoav Shamir


Inhalt

Was ist Antisemitismus? Und wie äußert er sich heutzutage? Der israelische Regisseur Yoav Shamir, der nach eigener Aussage selbst nie unter Antisemitismus zu leiden hatte, geht diesen Fragen nach. Er reist quer über den Erdball, trifft u.a. in Amerika Vertreter der Anti-Defamation-League sowie deren Gegner und schließt sich in Auschwitz einer Gruppe Jugendlicher an, die das ehemalige Konzentrationslager besuchen.
Shopping-Box
DVDs zu Defamation Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Defamation Poster & Merchandise
zum Film
Defamation bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Defamation bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

Defamation hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 86%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Defamation hat eine Wertung von 86%
Kein Volk musste derart viel während der Naziherrschaft erdulden, wie das jüdische. Es existiert vermutlich keine einzige Familie in Israel, die keine Holocaustopfer beklagt. Es wundert also nicht, wenn der Staat Israel und die zionistischen Organisationen weltweit stets ein kritisches Auge auf jede antisemitische Regung werfen. Wie antisemitisch ist die westliche Welt aber wirklich? Haben Diskriminierung und Diffamierung von Juden nie aufgehört? Sind die Feinde des jüdischen Volkes immer noch in der Mehrheit? In Defamation sucht der Filmemacher Yoav Shamir Antworten auf diese Fragen und gelangt zu erstaunlichen Ergebnissen.

Bild aus Defamation 55 Millionen Menschenleben: Das ist die bittere Bilanz des furchtbarsten und verheerendsten Krieges, den die Menschheit jemals erlebte. Von 1939 - 1945 stürzten Adolf Hitler und seine Schergen die Menschheit in ihrem Ringen um die Weltherrschaft ins Chaos und Verderben. Der Wahnsinn dieses Tyrannen begnügte sich aber nicht, andere Völker zu unterwerfen, um für die sogenannte "Arische Rasse" (etwas, das nur in der verqueren "Bioethik" dieses Regimes existiert) Raum zu schaffen. Aus diesem Grund steht noch eine weitere kaum vorstellbare Zahl in den Geschichtsbüchern: sechs Millionen Juden vielen weltweit dem Streben einer Ideologie zum Opfer, die in ihrer Abartigkeit in allem Jüdischen etwas Dekadentes und in den Juden eine Art Untermenschen sah, die obendrein Schuld an dem Desaster des I. Weltkrieges trugen; obwohl deutsche Juden im Schlamm der Schützengräben von 1914 - 1918 gemeinsam mit ihren nichtjüdischen Kameraden ihr Blut vergossen hatten.

Wenn man heute vom II. Weltkrieg oder von der Zeit der Naziherrschaft spricht, ist es demnach unmöglich diese Periode vom widerwärtigsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit zu trennen. Der Holocaust oder die Shoah, wie dieser Genozid in Israel genannt wird, hat sich unauslöschbar in das kollektive Gedächtnis des jüdischen Volkes gegraben. Nur knapp entging es damals der totalen Vernichtung; umso mehr ist es seit der Gründung Israels im Jahr 1948 bedacht, dass sich solch eine Gräueltat nicht mal im Ansatz wiederholen kann. Zuweilen wirft das Verhalten Israels aber auch starke Irritationen hervor: Die Aktionen gegenüber den Palästinensern im Gaza-Streifen und dem Westjordan-Land sind alles andere als zimperlich. Im Bestreben, das eigene Land und Leute zu schützen, müssen da zuweilen für die Jagd auf Spatzen Kanonen herhalten. International ruft das zwar keine ausgesprochene Begeisterung hervor, mehr als Protestnoten werden allerdings selten verfasst. Zu sehr musste das jüdische Volk in der Vergangenheit bluten, als dass man jetzt ernstlich politisch mit Restriktionen drohen würde. Selbst wenn offene Kritik laut wird, wachen diverse jüdische Organisationen mit Argusaugen, ob nicht irgendwo der Keim des Antisemitismus darin enthalten ist. Zuweilen entsteht dabei aber der Eindruck, dass eine Paranoia grassiert, die, sobald ein Jude in "Mitleidenschaft" gezogen wurde, gleich eine antizionistische Verschwörung wittert.

Was ist aber mit dem real existierenden Antisemitismus (die Rede ist nicht vom unverhohlenen Neofaschismus, der leider in vielen Ländern existiert, sondern von der alltäglichen Diskriminierung, Benachteiligung und Ablehnung)? Wie ausgeprägt sind diese Tendenzen und existieren sie überhaupt wirklich? Laut Organisationen wie der Anti Defamation League (ADL), der weltgrößten Organisation mit Hauptsitz in den USA (Washington D.C.), die sich dem Kampf gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden verschrieben hat, findet man sie überall; und sie sind in der zweiten Generation nach dem Holocaust immer noch sehr ausgeprägt. Der Filmemacher Yoav Shamir, selbst Jude, hat sich in seinem Dokumentarfilm Defamation auf den Weg begeben, zu überprüfen, inwieweit tatsächlich Belege für den gegenwärtigen Antisemitismus zu finden sind. Dazu reiste er nicht nur in die USA und sprach mit führenden Persönlichkeiten der ADL, wie dem Holocaustüberlebenden Abraham Foxman. Dieser hat es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht, jede Form von aufkeimendem Antisemitismus dort, wo er ihn vorfindet, zu bekämpfen und dort wo er nicht offen zutage tritt, mit der Begrifflichkeit vielleicht großzügiger als unbedingt nötig, jede "antijüdische Aktion" als antisemitisch zu etikettieren.

Es existieren dem entgegen aber auch unpopuläre Meinungen unter jüdischen Wissenschaftlern, wie dem Historiker Norman Finkelstein, der die kontroverse Ansicht vertritt, dass der Antisemitismus von der jüdischen Gemeinschaft, im Besonderen von der politischen und religiösen Führung in Israel, regelrecht dazu benutzt wird, sich dahinter zu verstecken, um eigene (fragwürdige) Aktionen zu legitimieren. Es fällt selbstverständlich wesentlich leichter, politische Kritiker anderer Nationen zum Schweigen zu bringen, wenn man ihnen vorwirft, dass in ihrem Heimatland immer noch antisemitische Strömungen existieren. Ähnliche Thesen vertreten auch die Gelehrten Stephen M. Walt und John J. Mearsheimer, die ein Buch mit dem Titel Die Israel-Lobby und die amerikanische Außenpolitik verfassten. Der Regisseur begleitete beide zu einem Vortrag nach Israel, in dem die Autoren über den immensen Einfluss sprachen, den die Lobby Israels in Washington genießt.

Defamation ist ein äußerst interessanter Dokumentarfilm, bei dem man sinniger Weise so wenig wie möglich in der Besprechung vorweg nehmen sollte. Er hat sich dem Ziel verschrieben, den gegenwärtigen Antisemitismus in den westlichen Gesellschaften aufzuspüren, in Wahrheit aber entlarvt er eher die Schwierigkeit, diesen aufzufinden. In dezentem Michael-Moore-Stil, ohne aber sich selbst zu inszenieren, sucht Shamir auf der ganzen Welt nach Beweisen für die offene Diffamierung und Diskriminierung von Juden. Meistens stößt er aber (auf selbst produzierte) Paranoia, die nicht nur instrumentalisiert wird, sondern gezielt dazu eingesetzt, Generation über Generation in einer Weise zu impfen, dass sie in jeder kritischen Äußerung gleich eine antisemitische oder antizionistische Tat sieht. Den Beweis für diese These soll eine Reisegruppe jüdischer Jugendlicher liefern, die quer durch Europa Gedenkstätten des Holocausts besucht. Ihr Lehrer und ein eigens mitgeschickter Sicherheitsmann lassen keine Gelegenheit aus, den Jugendlichen einzutrichtern, dass die Welt immer noch voll von "Judenhassern" sei und überall Gefahr lauere. Ausgehend von diesem Exempel, würde der Schluss nahe liegen, dass dieses Volk nicht nur nicht vergessen, sondern kontinuierlich im geistigen Prozess der Vernichtung verharren will. Eine endgültige Heilung und Aussöhnung ist auf diesem Wege niemals möglich.

Die Frage und gleichermaßen die Kritik, die hier an den Regisseur gerichtet werden muss, lautet aber, wie repräsentativ die eine Reisegruppe wirklich ist? So lebendig und eingängig das Anschauungsbeispiel sein mag, reicht es nicht aus, um die allgemeine These aufzustellen, dass alle heranwachsenden Juden solcherart indoktriniert werden, dass der Holocaust zwar vorbei sein mag, die weltweite Verfolgung der Juden aber andauere. Spannend wäre in diesem Zusammenhang der Blick in ein paar jüdische Familien mit Kindern, sowohl in Israel als auch in anderen Ländern gewesen, um einen Einblick zu bekommen, wie die Kinder in puncto Vergangenheit und dem Umgang mit ihrem bitteren Erbe erzogen werden. So sehr Defamation also geschickt und sinnvoll den Fokus auf einige Dinge richtet, die offensichtlich verkehrt laufen, fehlt es an anderen Stellen an etwas mehr Substanz, um die formulierte These endgültiger zu untermauern. Trotzdem gehört diese Doku zu einigen der ehrlichsten journalistischen Arbeiten, die sich niemand entgehen lassen sollte, der sich für Israel und seine internationalen gesellschaftspolitische Verflechtungen interessiert.



Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
Religulous
Dt. Start: 02. Apr 2009
Vorschlag entfernen
 
 
 
 
 

© 2012 MovieMaze.de