Vor 23 Jahren brachte John Hughes, Vater unter anderem von Kevin - Allein zu Haus und Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel mit der im Prinzip harmlosen aber doch sympathischen Komödie Ein Ticket für zwei zwei grundverschiedene Menschen (Steve Martin und John Candy) für eine aberwitzige Fahrt durch die USA zusammen. Todd Phillips' (Hangover) Version fürs 21. Jahrhundert ist nur noch harmlos - und lebt allein von seinen Darstellern.
Der latent aggressive Architekt Peter Highman (Robert Downey Jr., Sherlock Holmes) will nach einem Geschäftstermin in Atlanta schnell zu seiner hochschwangeren Frau nach Los Angeles zurück. Doch am Flughafen gerät er mit dem Sonderling Ethan Tremblay (Zach Galifianakis, spätestens sei Hangover ein echter Star) aneinander, der mit der Asche seines verstorbenen Vaters im Gepäck auf dem Weg nach Hollywood ist, um Schauspieler zu werden. Als eine unbedachte Bemerkung von Ethan dafür sorgt, dass Peter und er aus dem Flugzeug fliegen und auf der No-Fly-Liste landen, ist das ungleiche Duo zur Kooperation verdammt. Mit dem Mietwagen geht es in Richtung Westen. Die unterschiedlichen Lebensbilder sorgen für jede Menge Verwerfungen.
Steve Martin und John Candy fuhren 1987 rund 700 Meilen von Wichita nach Chicago, Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis sind von Atlanta nach L.A. aufgrund kleinerer und größerer Umwege deutlich mehr als 2000 Meilen unterwegs. Das ist aber auch die einzige Steigerung, die Todd Phillips' Film gegenüber der sehr ähnlich wirkenden Geschichte eines John Hughes zu bieten hat. Neue Einfälle hat Phillips, der 2009 mit Hangover noch einen wahren Schenkelklopfer auf die Beine gestellt hat, so gut wie keine zu bieten. Im Gegenteil hat man stets das Gefühl, die Dinge auf der Leinwand schon einmal woanders gesehen zu haben. Sein Buddy-Road-Movie hangelt sich von einem mühsamen Lacher zum nächsten, weiß in den seltensten Momenten zu überraschen und hat zu viele Längen für eine durchweg unterhaltsame Komödie.
Einzig die Darsteller machen wahren Spaß. Downey Jr. mimt den ewig vor dem Ausbruch stehenden wandelnden Vulkan mit viel Zynismus, Galifianakis hat eine sichtbare Freude daran, einen kiffenden Eigenbrödler zu spielen, der nach dem Tod seines Vaters Angst vor der Einsamkeit hat. Die Momente, in denen er seinen Mitfahrer davon zu überzeugen versucht, dass er ein guter Schauspieler ist, bleiben genauso in Erinnerung wie seine tuntigen "Jetzt-bin-ich-beleidigt"-Szenen. Auch die Nebenrollen überzeugen, allen voran Jamie Foxx (Gesetz der Rache) als bester Kumpel von Downey Jr., Danny McBride (Up In the Air) als Irak-Veteran und Juliette Lewis (Umständlich Verliebt) als Dealerin. Michelle Monaghans (Eagle Eye - Ausser Kontrolle) Rolle als schwangere Gattin hingegen ist eher überschaubar.
Wenn am Ende der Geschichte alles so gelaufen ist, wie man es hatte erwarten können und Ethan allen Unkenrufen zum Trotz doch einen erfolgreichen Fernsehauftritt hat - in einer zurzeit sowohl in den USA als auch in Deutschland umjubelten Comedy-Serie - verlässt man den Kinosaal trotz dieser geballten Darstellerwucht mit einem unbefriedigten Gefühl. Stichtag ist am Ende nur ein Film, dem Dynamik, Charme und Identität fehlen.