Mit Die Zeit nach Mitternacht schuf Martin Scorsese das unterhaltsame Portrait einer merkwürdigen Nacht in New York. Seine Hauptfigur, ein harmloser Programmierer, durchlebt dabei eine Odyssee aus skurrilen Ereignissen und wird Spielball schicksalhafter Fügungen, die wie so oft für ihn selbst zum Heulen, für den Zuschauer jedoch definitiv eher zum Lachen sind. Kein großer Klassiker und ein ganzes Stück von den Meisterwerken Scorseses entfernt, aber dennoch ein guter und durchgehend unterhaltsamer Film, den man wirklich jedem empfehlen kann.
In Die Zeit nach Mitternacht beschäftigt sich Kultregisseur Martin Scorsese mit seinem, abgesehen vom organisierten Verbrechen, liebsten Thema: Dem Leben in New York. Dabei nimmt er in diesem Film jedoch seinen Helden und die Geschichte, in die dieser unfreiwillig hineingezogen wird, nicht so ernst wie sonst, wenn er sich der legendären Stadt widmet. Doch eine klassische Komödie ist Die Zeit nach Mitternacht keinesfalls, viel mehr ein tragikomischer Mitschnitt einer außergewöhnlichen Nacht.
Nach The King of Comedy war Die Zeit nach Mitternacht der zweite Film, in dem Scorsese einen auffälligen Anteil an Humor an den Tag legte. Waren seine früheren Werke eher ernster Natur, zieht Die Zeit nach Mitternacht doch das ein oder andere Mal die Mundwinkel in Richtung Augen. Dass sein Film so gut funktioniert, verdankt Scorsese vor allem seinem bis dahin noch eher unbekannten Hauptdarsteller Griffin Dunne. Der gebürtige New Yorker, der denen, die ihn vor Erscheinen von Die Zeit nach Mitternacht kannten am ehesten durch American Werewolf ein Begriff sein dürfte, spielt den Programmierer Paul mit aller nötigen Leidenschaft und der richtigen Naivität und Verzweiflung, um das Abenteuer glaubhaft zu machen.
Die Geschehnisse, die Paul widerfahren, sind durchaus eigenartig, doch leider fehlt ein gewisses Maß an offensichtlicher Zufälligkeit und glaubwürdiger Spontanität. Zu kalkuliert wirkt der Plot und zu unspontan die einzelnen Geschehnisse. Man bekommt das Gefühl, dass der ahnungslose Programmierer an einem roten Faden durch ein Labyrinth gezogen und so unweigerlich von einer Situation zur nächsten transportiert wird. Diese sind dann teilweise recht amüsant und einiges hat man vielleicht so oder so ähnlich selbst schon erlebt. Leider fehlt es jedoch an einer endgültigen Spitze, an einprägsamer Absurdität oder einer bewussten Ausuferung des in Ansätzen vorhandenen schwarzen Humors.
Man hätte insgesamt ein wenig mehr aufdrehen müssen um einen Klassiker zu schaffen. So ist Die Zeit nach Mitternacht "nur" ein guter und unterhaltsamer Film. Wenn man sich nicht vor Augen hält, dass eigentlich noch einiges mehr unangetastetes Potential in dem Stoff steckt, wird man sicherlich seine Freude haben.