Jedem Psychopathen sein Werkzeug. Das scheint das Motto vieler Horrorfilme. Ob Messerklauenhand, Machete oder Spitzhacke, im Grunde ist es immer das gleiche Strickmuster. Auch Scar verhält sich diesbezüglich nicht anders. Der Killer bemüht sich zwar keines charakteristischen Handwerkzeugs, besitzt dafür aber die schräge Marotte, die Opfer zu fragen, ob er einen anderen Menschen töten darf, um von ihnen abzulassen. Scar bemüht sich damit um Originalität, landet aber in der gleichen Falle wie die meisten Produktionen; bis schlussendlich alles auf eingefahrenen Pfaden abläuft, die den Adrenalinspiegel nur selten hochkitzeln.
Bei kaum einem Genre gehen die Meinungen derart weit auseinander, wie bei dem des Horrors. Manch einer lehnt das lustvolle Schaudern gar ganz ab; durchaus begründet, wenn es das Nervenkostüm einfach nicht mitmacht - manch ein "Kostverächter" aber sieht im Genre an sich nichts als Infantilität und weigert sich in manch einer Blutorgie das Künstlerische zu erkennen. Die Kritikermeinungen gehen dementsprechend ebenso weit auseinander. Einig ist sich die Gemeinde höchstens in dem Punkt, dass der gutgemachte Horror eigentlich auf viel Effekthascherei verzichten kann und in dem Nichtgezeigten, das erst im Kopf vervollständigt wird, oft mehr Angsteinflößendes liegt, als die explizite Zurschaustellung von Gewaltmomenten zu leisten vermag.
Für die Fans von Slasher- oder Torture-Movies ist aber jener Gorefaktor eben durchaus entscheidend. Scar, der nun in einer 3D-Fassung in die Kinos gelangt, ist eine wenig originelle Mischung aus diesen beiden Subgenres. Der Film erinnert entfernt an Klassiker wie Halloween - Die Nacht des Grauens, insbesondere an seine Fortsetzung Halloween: H20. Wie in diesem dreht sich alles um einen psychopathischen Serienkiller, der nach langer Zeit scheinbar wieder aktiv wird, was aber grundsätzlich nicht möglich sein kann, da er schon lange nicht mehr unter den Lebenden weilt.
13 Jahre sind vergangen, seit Joan (Angela Bettis) Opfer eines Irren war, der sie und ihre Freundin gefangen hielt und in einem endlosen Foltermartyrium quälte. Die einzige Möglichkeit, sich dem Grauen zu entziehen, bestand darin, dem Folterer einen Dienst zu erweisen: dieser fragte abwechselnd seine Opfer, ob er die jeweils andere töten dürfe; dann würde die Folter für die Überlebende zumindest eine Zeitlang aussetzen; solange bis ein neues Opfer für die Fortsetzung des makaberen Spiels "gefunden wird".
Joan konnte sich damals nur retten, indem sie schlussendlich, als sie die Qualen nicht mehr ertrug, nachgab und dem Killer gestattete, ihre Freundin zu töten. Anschließend gelang es ihr sich zu befreien und ihren Peiniger gleichsam zu töten. Von dem damaligen Geschehen ist sie bis heute tief traumatisiert; physisch wie psychisch gezeichnet, erlebt sie die grauenvollen Ereignisse in Träumen und Flashbacks immer wieder. Als Joan zum Ort zurückkehrt, in dem alles stattfand, um ihre Nichte Olympia (Kirby Bliss Blanton) zu besuchen, beginnt prompt eine neue Mordserie. Als dann Olympia verschwindet, verdächtigt die Polizei Joan, während diese verzweifelt versucht, den Behörden klarzumachen, dass sich die Geschehnisse aus der Zeit vor 13 Jahren wiederholen.
Einen allzu knackigen Einstieg kann man Scar nicht vorwerfen. Der Film braucht tatsächlich Anlauf, bis es halbwegs zupackt. Überdies gestalten die Flashbacks der Protagonistin und das Springen zwischen verschiedenen Zeitebenen den Einstieg etwas zerfahren und holprig. Eine großartige Handlung findet sich zudem auch nicht. Der Plot beschränkt sich im Wesentlichen auf einige schaurige Morde und zwei ausgedehnte Foltersequenzen, die dem wirklichen Gorefan vermutlich viel zu zahm sein werden (obendrein stellt sich das Gefühl ein, dass in einigen Szenen zu früh geschnitten, abgeblendet oder schlicht weggedreht wurde) und diejenigen, welche in Folterhorror-Filmen nicht mehr als Gewaltpornos sehen, werden solcherart Film ohnehin strikt ablehnen.
Das eigentlich Kuriose bei diesem Streifen ist aber, dass er im Grunde schon seit zwei Jahren als ausländische DVD erhältlich ist; beispielsweise als UK-Import. Nun gelangt dieses Allerweltshorror-Schaustück in die deutschen Kinos, und das einzig nennenswert neue Element ist die 3D-Optik, welche hinzugefügt wurde. Angesichts einer zuweilen langatmigen Inszenierung, mit nicht immer überzeugender Dramaturgie und nur selten packender Atmosphäre sowie dem Mangel an ironisch-makaberen Augenzwinkern wie in My Bloody Valentine 3-D, erscheint es durchaus fragwürdig, ob das ausreicht, den Gang ins Kino zu rechtfertigen.