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Gosford Park

(Gosford Park, 2001)

Dt.Start: 13. Juni 2002
DVD: 22. Mai 2003
Premiere: 07. November 2001 (London Film Festival, UK)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 137 min Land: Italien, UK, USA, Deutschland
Darsteller: Michael Gambon (Sir William McCordle), Kristin Scott Thomas (Lady Sylvia McCordle), Camilla Rutherford (Isobel McCordle), Maggie Smith (Constance Countess of Trentham), Charles Dance (Raymond Lord Stockbridge), Geraldine Somerville (Louisa Lady Stockbridge), Tom Hollander (Lt. Comm. Anthony Meredith), Natasha Wightman (Lady Lavinia Meredith), James Wilby (Freddie Nesbitt), Claudie Blakley (Mabel Nesbitt), Laurence Fox (Lord Rupert Standish), Trent Ford (Jeremy Blond), Jeremy Northam (Ivor Novello), Bob Balaban (Morris Weissman), Alan Bates (Jennings), Helen Mirren (Mrs. Wilson), Eileen Atkins (Mrs. Croft), Emily Watson (Elsie), Richard E. Grant (George), Jeremy Swift (Arthur), Derek Jacobi (Probert), Sophie Thompson (Dorothy), Meg Wynn Owen (Lewis), Teresa Churcher (Bertha), Sarah Flind (Ellen), Finty Williams (Janet), Emma Buckley (May), Kelly Macdonald (Mary Maceachran), Ryan Phillippe (Henry Denton), Clive Owen (Robert Parks), Adrian Scarborough (Barnes), Joanna Maude (Renee), Frances Low (Sarah), John Atterbury (Merriman), Stephen Fry (Inspektor Thompson), Ron Webster (Constable Dexter)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes


Inhalt

Im Jahre 1932 trifft sich der britische Adel für ein Wochenende auf dem Landsitz Gosford Park, um sich beim Jagen die Zeit zu vertreiben. Die Oberschicht klammert sich nach außen hin noch fest an die alten Umgangsform und Verhaltensregeln, obwohl man beobachten kann, dass die strikte Trennung zwischen Bediensteten und Arbeitgebern immer mehr aufzuweichen beginnt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Gosford Park hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 87%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Straßer
Gosford Park hat eine Wertung von 87%

Regisseur Robert Altman wagte sich für den Film Gosford Park erstmals in seiner Karriere nach England und verfilmte dort das Oscarprämierte Drehbuch von Julian Fellowes. Zusammen mit seinem Ensemble aus überwiegend britischen Schauspielern entführt er uns ins Jahre 1932 und wirft einen Blick auf die Umgangsformen und Gepflogenheiten der englischen Gesellschaft. Als Rahmen für die humorvolle und tragische Studie dient ein Wochenende, das ein paar Blaublüter zusammen ihren Bediensteten auf einen luxuriösen Landsitz verbringen. Dabei erleben wir eine krampfhaft auf Etikette bedachte Oberschicht, die um jeden Preis ihr Gesicht wahren will und versucht sich keine Blöße zu geben. Gleichzeitig nehmen wir am Alltag der Bediensteten teil, die zwar auch einer strickten Hackordnung unterworfen sind, aber einen deutlich entspannteren Umgangston pflegen und vor allem ein nicht mehr allzu distanziertes Verhältnis zu ihren Arbeitgebern unterhalten.

Zu Beginn des Films Gosford Park fällt es dem Betrachter sehr schwer, alle Charaktere einzuordnen und sich vor allem den Namen jeder einzelnen Person zu merken. Robert Altman gibt anfangs auch wenig Hilfestellung und lässt alle Gäste des Wochenendes gleichzeitig ankommen, so dass man bis auf wenige Ausnahmen fast chancenlos ist, den Überblick zu behalten. Auf Grund dessen muss man sich damit begnügen, nach und nach das Puzzle zusammenzufügen, um alle Personen miteinander in Verbindung bringen zu können. In der Anfangsphase heftet man sich somit unweigerlich an die Fersen bekannter Schauspieler und Gesichter wie Kristin Scott Thomas, Maggie Smith, Emily Watson, Jeremy Northam oder Ryan Phillippe.

Geschickt werden im Verlauf des Films die verschiedenen Verhältnisse und Abhängigkeiten der einzelnen Personen aufgedeckt, so dass dem Betrachter fast in jeder Szene eine neue Information dargeboten wird. Ein besonderes Augenmerk legt das Drehbuch von Julian Fellowes auf die gesellschaftliche Schnittstelle zwischen Adel und Dienstpersonal. Hierbei werden verschiedene Konstellationen unter die Lupe genommen, um aufzeigen, wie brüchig diese gesellschaftliche Struktur geworden ist. Einerseits wird beleuchtet wie sich der Adel im Kreise Gleichgestellter gegenüber den Bediensteten verhält und anderseits wird gezeigt, welch freundschaftliches und teilweise intimes Verhältnis vorherrscht, sobald der gesellschaftliche Zwang der Oberschicht abfällt. Beispielsweise sind die Adeligen sehr am Tratsch der Bediensteten interessiert, da sie auf diesem Wege Dinge erfahren, die in ihrem gesellschaftlichen Kreise nie zur Sprache kämen. Anders als viele Krimis geschieht der Mord in Gosford Park erst gegen Ende des Films. Dies ist insofern logisch, da sich Robert Altman Zeit nehmen muss, um sein Ensemble vorzustellen und um mehrere Motive zu konstruieren. Die Aufklärung des Mordes ist dann der Schlussakt des Films und bringt nochmals einiges an schmutziger Wäsche an Tageslicht.

International wurde Gosford Park als Robert Altmans beste Arbeit seit langem gefeiert und brachte ihm einen Golden Globe als bester Regisseur und eine Nominierung bei den Academy Awards ein. Dank Altmans perfekt gewähltem Erzählrhythmus und seinem Gespür für den richtigen Moment gelang es, aus dem komplexen und vielschichtigen Drehbuch von Julian Fellowes einen äußerst sehenswerten und anspruchsvollen Film zu kreieren. Robert Altman lies übrigens jede Szene mit zwei Kameras gleichzeitig aufnehmen, was für Kameramann Andrew Dunn ein schwieriges Unterfangen war, da er das Licht für zwei unterschiedliche Blickwinkel aufbauen musste. Auch seinen Mut zu Improvisation kam bei den Schauspielern an, die durch die Bank eine perfekte Performance boten.

Zum guten Schluss sollte unbedingt noch mal unterstrichen werden, dass man ein Freund des anspruchsvollen und mit einem Augenzwinkern erzählten Dramas sein muss, um Gosford Park wirklich genießen zu können. Wer hier einen hochspannenden Krimi mit vielen Wendungen und einer hochinteressanten Auflösung erwartet, der irrt. Robert Altman und Julian Fellowes geht es mehr um die gesellschaftlichen Aspekte, als um irgendwelche Möderstories. Man sollte sich dessen unbedingt bewusst sein, sonst könnten einem lange und langweilige 137 Minuten blühen. Für alle Freunde dieses Genres gehört der Film zweifellos zum Pflichtprogramm und wird absolut keine Wünsche offen lassen.



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