Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume Poster

Film-Seite zu Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume
Trailer zu Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume
Poster zu Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume
Offizielle Seite
Deutsche offizielle Seite
PDF zu Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume

Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume

(You Will Meet a Tall Dark Stranger, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

70%



Inhalt

Rentner Alfie will einfach nicht wahrhaben, dass auch er alt wird. Um sich wieder jung zu fühlen, verlässt er seine Frau Helena nach 40 Jahren Ehe für das junge Callgirl Charmaine. Aus Verzweiflung begibt sich Helena in die Obhut einer reichlich zweifelhaften Wahrsagerin, die fortan ihr Leben leitet. Auch die gemeinsame Tochter, Sally, hat es nicht einfacher in Sachen Liebe. Es scheint ein ewiger Kreislauf, der nur von der harten Realität gebrochen werden kann.

Shopping zu

Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

70%

Einen großen dunklen Unbekannten, heißt es, wünschen sich die Frauen in ihren erotischen Phantasien. Woody Allen, der Meister der feinsinnigen Satire, macht daraus einen Film, wobei der Titel nicht wirklich Programm ist. Wieder mal sind Mann und Frau im Hamsterrad der Liebe gefangen und strampeln sich ab, was das Zeug hält. Neu hinzu gekommen ist das Motiv der Angst vor dem Tod und der Irrglaube, man könne ihm entkommen. Allen webt damit eine weitere Illusion in seinen neuesten Film ein. Trotz allem gelingt es Tall Dark Stranger aber nur streckenweise gut zu unterhalten. Gemessen am üblichen Woody-Allen-Standard ist es eher Durchschnittsware.

Bild aus Tall Dark Stranger - Ich sehe den Mann Deiner Träume Über 40 Filme, und der Altmeister der filmischen Satire ist das Thema um die Liebeswirren und Irrungen zwischen den Geschlechtern immer noch nicht leid. Wieder mal konstatiert der alte Zyniker, wie schon oft zuvor, dass Mann und Frau im Grunde nicht füreinander geschaffen sind, doch wiederum nicht ohne einander auf Dauer können. Die Liebe ist in seinem Universum eine Illusion, der sich alle bereitwillig hingeben; denn das, was Mann und Frau zusammenbringt, spielt sich meist in mittleren Körperregionen ab; während das, was sie wieder entzweit, mehr dem Körperteil entspringt, das in Normalposition vom Boden am weitesten entfernt ist.

Blondinen sind auch diesmal wieder bevorzugt. Woody Allen bleibt seinem Credo diesbezüglich ebenfalls treu. Die weibliche Hauptrolle in Tall Dark Stranger nimmt die zarte Naomi Watts (The International) ein. Gemeinsam mit ihr sind in diesem gut besetzten Streifen Sir Anthony Hopkins (The Wolfman), Freida Pinto (Slumdog Millionär), Josh Brolin (Wall Street) und Antonio Banderas (Der Andere) zu sehen. Die Protagonisten bilden mit ihren Filmfiguren hierin einen illustren Reigen der alltäglichen Beziehungsniederungen: Da ist beispielsweise Alfie (Anthony Hopkins), der eines Morgens aufwacht und vor lauter Angst vor dem Altwerden und Sterben dem Jugendwahn verfällt und sich prompt von allen Altlasten trennt; beispielsweise von Helena (Gemma Jones), seiner Frau.

Die findet das überhaupt nicht witzig und flüchtet sich in eine Art Lebenshilfe bei einer Wahrsagerin und greift zusätzlich noch zum Seelentröster Alkohol. Ganz nebenbei geht sie noch ihrer Tochter Sally (Naomi Watts) und ihrem Schwiegersohn Roy (Josh Brolin) mächtig auf die Nerven. Roy galt einst als talentierter Autor: Er landete als junger Mann mit seinem Erstling ein literarisches One-Hit-Wonder; inzwischen nicht mehr ganz jung, arbeitet er verzweifelt an seinem zweiten Roman, der aber einfach nicht fertig werden will. Die finanzielle Situation ist somit überaus angespannt und Roy, der ausschließlich sein Buch im Kopf hat, versemmelt überdies einen Brotjob nach dem anderen. Das führt dazu, dass Sally sich entschließt, wieder arbeiten zu gehen. Sie bewirbt sich auf eine Assistentenstelle und bekommt den Job. Ihr Boss ist der reiche und gutaussehende Galerist Greg (Antonio Banderas), der zwar verheiratet ist, aber im Gegensatz zu Sallys Mann felsenfest im Leben steht.

Der Beziehungstwist nimmt seinen Lauf; auch Roy ist sich seiner Sache mit Sally nicht mehr sicher: Ihm hat es seine schoko-samthäutige Nachbarin Dia (Freida Pinto) angetan. Den Vogel schießt aber Alfie ab, als er plötzlich mit einer nuttigen Blondine aufkreuzt, die nicht mal halb so alt ist wie er, der er offenbar sexuell verfallen ist und die er überdies ehelichen möchte. Woody Allen lässt seine Figuren aus dem vollen amourösen Füllkorb des Lebens schöpfen. Genau betrachtet, ist dieses Liebes-Potpourri im Grunde genommen aber ziemlich trivial. Es wird ein großes Bohai um leidlich wenig gemacht. Und deshalb zitiert Allen in seinem neuesten Film, dessen Handlung in London angesiedelt ist, auch immer wieder aus Shakespeares Viel Lärm um nichts, um zu seinem finalen Resümee zu gelangen.

Auf dem Weg dahin ist dieses tragik-komische Mann-Frau-Tohuwabohu bis zur Halbzeit durchaus unterhaltsam, beginnt sich aber alsbald mit den immer gleichen Attitüden zu wiederholen, ohne dabei nennenswert neue kreative Wendungen in Petto zu haben. Ein einziges Mal weicht dann doch die Geschichte von den Pfaden des romantischen Geschicks ab - und es böte sich an dieser Stelle die Möglichkeit, neue Elemente in die Story zu integrieren; doch wird dieser neue Erzählstrang dermaßen inkonsequent abgehandelt, dass es auch kaum gestört hätte, ihn ganz wegzulassen.

Überraschen muss im hochkarätigen Cast Josh Brolin. Dem kernigen Darsteller, der gerne auf die Rollen von egozentrischen Drecksäcken, Alphamännchen und aalglatten Fieslingen besetzt wird, will man den gescheiterten Künstler nicht so recht abnehmen. Ihm fehlt es dazu eindeutig an Jammerlappen- und Loser-Aura. Die anderen Darsteller liefern dafür eine sehr überzeugende Performance. Darstellerisch brilliert dabei vor allem Gemma Jones, als schrille, überdrehte und der Flasche zuneigende (verlassene) Ehefrau.

Alles in Allem kann man mit Tall Dark Stranger seinen Spaß haben. Es steckt ein echter Woody Allen drin und am Ende steht unsichtbar in der Endabrechnung: Liebe ist Lug und Trug: Wir betrügen, werden betrogen, belügen uns selbst und lassen zu, dass man uns belügt - alles des lieben Friedens willen. Diese Erkenntnis ist zynisch, wie gewohnt, trotzdem ermangelt es dem Film insgesamt an Biss. Ob das daran liegt, dass sich das Thema doch erschöpft hat oder der Meister zwischendurch einen kleinen Entspannungsfilm einschieben wollte, sei dahingestellt. Woody-Allen-Fans sollten passabel auf ihre Kosten kommen, für alle anderen reicht auch der nachträgliche Gang in die Videothek.

Keine weitere Wertung


Weitere interessante Filme


Leider haben wir derzeit keine Vorschläge zu diesem Film.
Film vorschlagen

 

© 2014 MovieMaze.de