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Ein Mann von Welt

(En ganske snill mann, 2010)

Dt.Start: 09. Dezember 2010 Premiere: 15. Februar 2010 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Komödie
Länge: 107 min Land: Norwegen
Darsteller: Stellan Skarsgard (Ulrik), Bjorn Floberg (Rune Jensen), Gard B. Eidsvold (Rolf), Jorunn Kjellsby (Karen Margrethe), Jan Gunnar Roise (Geir), Jannike Kruse (Merete), Bjorn Sundquist (Sven), Jon Oigarden (Kristian)
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson


Inhalt

Nach zwölf Jahren Gefängnis ist der ehemalige Gangster Ulrik wieder frei. Er beschließt ein normales Leben zu führen, sucht sich einen Job in einer Autowerkstatt, findet eine Unterkunft und verliebt sich in eine Kollegin. Außerdem bemüht er sich um Kontakt zu seinem Sohn und dem Enkel. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los: Sein alter Gangsterfreund Jensen bedrängt ihn, sich am einstigen Verräter Kenny zu rächen. Aber ist es das wert, um sein jetziges Leben aufs Spiel zu setzen?
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Ein Mann von Welt hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 87%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Ein Mann von Welt hat eine Wertung von 87%
Wer es nicht unbedingt hollywoodlike krachend und laut braucht, sich zuweilen gerne europäisches Kino gönnt und Liebhaber kleiner böser Filme ist, die nicht mit den immergleichen Stereotypen von Gut und Böse aufwarten, der ist mit Ein Mann von Welt gut beraten. Der norwegische Film liefert ein kleines, zuweilen groteskes Gangsterepos, das sich auf ein Milieu einschießt, dem jeglicher Glanz abgeht. Eine Geschichte dominiert von Rachemotiven, schmierigen Loyalitäten und dem Wunsch, ein normales Leben aufzubauen. Abseits des Mainstreams mal ganz was anderes, aber wirklich sehenswert.

Bild aus Ein Mann von Welt Die gute alte Filmwelt ist in den letzten Jahren ordentlich durcheinander geraten. Früher konnte man sich sicher sein, dass die Blockbuster immer aus Übersee kommen, den englischen Filmen wurde eine schwarzhumorige wie trockene Note nachgesagt, und die französischen Produktionen hatten oft einen überaus makaberen Charme. Britischer als britisch und zuweilen auch makaber präsentiert sich in letzter Zeit aber auch das Kino aus Skandinavien.

Zwar ist Ein Mann von Welt nicht gerade blockbusterformatverdächtig, dafür handelt es sich um ein cineastisches Kleinod, das stilistisch durchaus an ältere Coen-Werke erinnert. Die Story kreist um den im Grunde gutherzigen Ulrik (Stellan Skarsgard), der einfach schlecht nein sagen kann. So wie vor zwölf Jahren, als er im Auftrag von Jensen (Björn Floberg), einem schmierigen kleinen Unterweltboss, einen Mord beging und nachdem ihn jemand verpfiffen hatte, im Gefängnis landete. Jetzt, da er entlassen wird, ruft ihm noch einer der Wärter hinterher, er solle nur noch nach vorne blicken. Ulrik hegt aber eine Menge Groll in sich und ist fest entschlossen, den Mann ausfindig zu machen, der ihn einst an die Polizei verriet.

Es ist Winter als er vor die Mauern des Gefängnisses tritt und niemand wartet auf ihn. Einen Tag später trifft er sich mit Jensen und einem seiner halbgescheiten Handlanger. Für Ulrik ist immer noch Platz in der Organisation und Jensen vergisst seine Getreuen nicht. Ulrik hat die lange Haftzeit indes verändert. Er dürstet zwar nach Rache, würde sich aber gerne auch ein normales Leben aufbauen. Dazu gehört, dass er Verbindung zu seinem Sohn herstellt, mit dem schon seit vielen Jahren kein Kontakt mehr besteht. Zunächst mal braucht er aber einen Platz zum Schlafen. Bei Jensens Schwester findet sich ein Zimmer im Keller, das stark an seine Gefängniszelle erinnert. Für Ulrik allemal genug. Und selbst ein Job als Mechaniker in einer Autowerkstatt findet sich bald darauf.

Richtig schlecht läuft es für Ulrik zunächst nicht. Zwar muss er jede Freundlichkeit seiner bereits leicht verwelkten Vermieterin, wie ein warmes Abendessen, mit sexuellen Frondiensten abarbeiten, doch Ulrik nimmt das alles mit stoischer Gemütsruhe hin. Es dauert zudem nicht lange, bis er auch bei der weitaus attraktiveren Sekretärin aus der Werkstatt punktet. Die Herzen enttäuschter und einsamer Frauen fliegen dem großgewachsenen, kräftigen Mann mit dem angegrautem Haar und dem Pferdeschwanz regelrecht zu. Jede Glückssträhne endet aber irgendwann: Für Ulrik wird der Countdown eingeläutet, als ihm sein Sohn, zu dem er gerade einen fragilen Kontakt aufgebaut hat, offenbart, dass es besser wäre, Ulrik würde sich in Zukunft komplett fernhalten. Seine schwangere Frau möchte keinen Großvater für ihre Kinder haben, der ein ehemaliger Mörder ist.

Das Leben ist ein einziger Trip, der einen ewig auf-und-ab befördert. Ganz diesem Motto scheint sich die norwegische Produktion Ein Mann von Welt verschrieben zu haben. Zwar bleiben ultrakrachige Pointen meist aus, da die Handlung überwiegend eine gleichmäßig sarkastisch-zynische Tonlage beibehält, doch ist der knochentrockene hintergründige Anteil an kleinen bösen Überraschungen ebenso gleichbleibend hoch, dass Fans schwarzhumoriger Streifen durchgängig auf ihre Kost kommen sollten. Zu verdanken ist dies nebst dem überragenden Stellan Skarsgard, einem insgesamt bis in die kleinsten Nebenrollen vortrefflich ausgesuchtem Cast. Das sind zwar alles keine Figuren zum Liebhaben, aber extrem authentische Typen, die perfekt die Welt widerspiegeln, der sie entstammen.

Wie immer sind solche Filme aber im besonderen Maße Geschmackssache. Und abgesehen von dem Umstand, dass diese kleine böse Gaunergroteske allein schon wegen ihrer extrem trockenen Art kein Kino für die breite Maße sein kann, wird der Film, der zuweilen wie ein leicht misanthropisches Machomovie anmutet, durchaus die Gemüter der Geschlechter spalten. Anders ausgedrückt: Das ist nicht wirklich ein Film, den Frauen mögen werden. Konzentriert man sich einzig und allein auf die Rolle der meisten Frauen darin, kann man sich zuweilen schon fragen, was für eine generelles Frauenbild die Macher hatten.

Auf der anderen Seite wächst hier zusammen, was eben zusammen gehört. In einer rauen Welt, voller Kleinganoven, am schmierigen unteren sozialen Rand der Gesellschaft, entbehren die Männer-, wie die dort befindlichen Frauenfiguren gleichermaßen, jeglichen Glanzes. Und in diesem Punkt ist Ein Mann von Welt ungeschminkt ehrlich wie ein Film nur eben sein kann. Gerne mehr davon liebe Freunde aus Skandinavien.



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