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7 Days

(Les 7 jours du talion, 2010)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 27. August 2010
Premiere: 22. Januar 2010 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 18 Genre: Horror
Länge: 105 min Land: Kanada
Darsteller: Claude Legault (Bruno Hamel), Remy Girard (Herve Mercure), Martin Dubreuil (Anthony Lemaire), Fanny Mallette (Sylvie Hamel), Rose-Marie Coallier (Jasmine Hamel), Alexandre Goyette (Boisevert), Dominiqu Quesnel (Maryse Pleau), Pascale Delhaes (Diane Masson)
Regie: Daniel Grou
Drehbuch: Patrick Senecal


Inhalt

7 Tage. Genau so lange lässt Bruno den Täter leiden. Den Mann, der seine kleine Tochter vergewaltigt und ermordet hat. Obwohl dieser von der Polizei bereits gefasst war, sinnt Bruno so sehr auf Rache, dass er den Mörder kurzerhand während eines Transports entführt, um ihn für seine Taten leiden zu lassen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

7 Days hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 86%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
7 Days hat eine Wertung von 86%
Wenn Rachethriller auf Torture-Porn stößt, ist das Ergebnis meist weit entfernt von großer Filmkunst. Dass das Ganze auch mit Hirn geht, beweist der kanadische Regisseur Daniel Grou. Sein kompromisslos deprimierender und schonungslos brutaler Selbstjustizstreifen erweist sich als geschickt ausgelotete Charakterstudie, die den Zuschauer auch im Nachhinein noch lange beschäftigt und dem Rachethriller-Genre tatsächlich noch etwas hinzufügen kann.

Bild aus 7 Days Der Selbstjustizfilm hat eine lange Geschichte und eine inzwischen recht umfangreiche Liste an Filmen unterschiedlichster Qualität vorzuweisen. Neben großen Klassikern wie Ein Mann sieht rot, Taxi Driver oder anderen gelungenen Werken, wie beispielsweise 96 Hours oder zumindest recht populären Werken wie Der blutige Pfad Gottes, steht eine nahezu endlose Palette mäßiger bis unerträglicher Schrottfilme gegenüber. Diese oft eigens für den Videomarkt produzierten Low-Budget-Filme nehmen das Rachemotiv ihrer Protagonisten meist nur zum Anlass unsinniger Gewaltorgien und haben darüber hinaus oft nichts zu erzählen. Bei einem immer populärer werdenden Subgenre des klassischen Horrorfilms, dem "Torture-Porn", fällt die Bilanz noch weitaus schlechter aus. Hier gehören Hostel oder Saw noch zu den besten Filmen, gefolgt von zahllosen filmischen Perversitäten, die eigentlich keine Erwähnung verdient haben.

Mit 7 Days kombinierte der kanadische (bisherige) TV-Regisseur Daniel Grou beide Genres und schafft dabei das beinah Unmögliche: Einen guten, ergreifenden und intelligenten Film, der die richtigen Fragen aufwirft und nur wenige klare Antworten offensichtlich präsentiert. Die extrem dichte Atmosphäre und die kompromisslos düstere Wirkung der farbarmen Bilder, zu denen in keinem Moment Musik zu hören ist, ziehen den Zuschauer in eine 100-minütige Depression und machen ihn so zum Leidensgenossen der Protagonisten. Die gezeigte Gewalt ist dabei im Gesamtkontext unabdingbar und für die Wirkungsmöglichkeit des Films unausweichlich.

Hamel dürstet nach Rache, er beschließt, den Kindermörder zu finden und ihn selbst zu bestrafen. Wie es ihm schließlich gelingt, den bereits von der Polizei inhaftierten Hauptverdächtigen während eines Gefangenentransports zu kidnappen, mag man für glaubhaft halten oder nicht, letztlich spielt es aber auch keine Rolle für die Intention des Films. Der Handlungsstrang spaltet sich in das Geschehen in der Waldhütte, in die Hamel den Mörder seiner Tochter verschleppt, und in die Ermittlungen der Polizei, die versucht den rachedurstigen Arzt zu finden und ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Dabei erinnert das Rätselraten der Polizei sehr an einen klassischen Serienmörder-Thriller. Auch wenn so Abwechslung ins Geschehen kommt, kann dieser Handlungsstrang nicht vollkommen als gelungen bezeichnet werden, denn leider ist dieser nicht ganz so spannend, wie er wohl sein soll. Interessant ist jedoch, wie so auch deutlich wird, dass Hamel auch auf Seiten der Polizei überwiegend Sympathisanten hat. Ebenfalls etwas schwierig ist sicherlich eine kleine Storyentwicklung gegen Ende. Hier gibt es eine kleine Wendung, die es sicherlich nicht gebraucht hätte und die leider ein wenig konstruiert wirkt.

Ansonsten ist 7 Days dramaturgisch recht geschickt aufgebaut. Der Film verschwendet keine Zeit, seine Figuren übermäßig zu etablieren. Der Zuschauer sieht ein relativ wohlhabendes Paar, die Hamels, mit einer Tochter. Man erfährt, dass der Vater Arzt und die Mutter wohl Künstlerin ist und dass sie ihre Tochter lieben. Viel mehr braucht es auch gar nicht, um dem Zuschauer zu erklären, welchen Schmerz sie spüren, als die achtjährige Tochter eines Nachmittags nicht nach Hause kommt. Um das Handeln von Bruno Hamel im weiteren Filmverlauf nachvollziehbar zu machen, setzt 7 Days schon zu Beginn auf richtig dosierten Schock. Wenn Hamel fassungslos den leblosen, vergewaltigten Körper seines Töchterchens im Arm hält, wird keiner mehr in Frage stellen, dass, wer immer dazu im Stande war, das Schlimmstmögliche verdient hat.

In Struktur, Atmosphäre und dem Motiv der einsamen Waldhütte fühlt man sich bei 7 Days an Lars von Triers Antichrist erinnert. Sowohl struktureller Aufbau der Narration mit dem handlungsweißenden Prolog, in dem der Verlust des Kindes geschildert wird, als auch im Rückzug in die Waldhütte gehen beide Filme sehr ähnliche Wege. Allerdings muss man zugeben, dass Grous Film nicht die Genialität des Von Trier-Werks erreicht. Das kann man ihm bei einer derart hoch hängenden Messlatte jedoch kaum anrechnen.

Alles in Allem sei 7 Days allen ans Herz gelegt, die sich für belastbar genug halten, diesen Magenumdreher bis zum Ende durch zu halten und keine Angst vor den Nachwehen haben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rachethrillern wird man dafür auch mit einer gut überlegten Gesamtaussage belohnt, die durchaus nachdenklich stimmt.



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