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Geliebtes Leben

(Life, Above All, 2010)

Dt.Start: 12. Mai 2011 Premiere: 18. Mai 2010 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 100 min Land: Deutschland, Südafrika
Darsteller: Khomotso Manyaka (Chanda), Keaobaka Makanyane (Esther), Harriet Lenabe (Mrs. TAFA), Lerato Mvelase (Lillian), Tinah Mnumzana (Tante Lizbet), Audrey Poolo (Jonah), Mapaseka Mathebe (Iris), Thato Kgaladi (Soly), Kgomotso Ditshweni (Dudu), Rami Chuene (Aunty Ruth), Jerry Marobyane (Mr. Pheto), Tshepo Emmanuel Nonyane (Mr. Lesole), Johanna Refilwe Sihlangu (Mrs. Lesole), Vusi Muzi Given Nyathi (Mr. Nylo), Patrick Shai (Dr. Chilume)
Regie: Oliver Schmitz
Drehbuch: Dennis Foon, Oliver Schmitz


Inhalt

Chanda ist 12 Jahre alt und wächst in einer südafrikanischen Provinz auf. Sie hat eine liebevolle Familie und eine hoffnungsvolle Zukunft vor sich. Doch dann ändert sich alles: Kurz nachdem ihre einjährige Schwester plötzlich verstorben ist, verschwindet der Vater und die geliebte Mutter Lilian erkrankt schwer. Nicht nur dass sich Chanda plötzlich allein um die jüngeren Geschwister kümmern muss, plötzlich wird sie von den Nachbarn gemieden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Geliebtes Leben hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 78%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Geliebtes Leben hat eine Wertung von 78%
Nach Schätzungen ist jeder fünfte Südafrikaner zwischen 15 und 49 Jahren am HI-Virus erkrankt - insgesamt über fünf Millionen Menschen. Etwa 800.000 Aidswaisen sind auf sich allein gestellt. Der südafrikanische Regisseur Oliver Schmitz widmet sich mit seinem berührenden Film einer von ihnen. Und der tickenden Zeitbombe Aids.

Bild aus Geliebtes Leben Klatsch und Tratsch können gefährlich werden. Das weiß wohl niemand besser als Mrs. Tafa, die korpulente Nachbarin in Oliver Schmitz' Geliebtes Leben. Und Gerüchte spielen zumindest für das Township Elandsdoorn im Film eine große Rolle. Hier wird getuschelt, wenn der Ehemann statt zu arbeiten, betrunken mit seiner Geliebten in der Kneipe sitzt und das Geld für die Beerdigung des eigenen Kindes versäuft. Genauso wie hinter vorgehaltener Hand über die Freundschaft der 12-jährigen Chanda und dem Waisenmädchen Esther gelästert wird. Deren Röcke seien viel zu kurz und ohnehin ginge sie anschaffen.

Immer wieder wird Chanda von Mrs. Tafa darauf hingewiesen, dass die Meinung der anderen über einen wichtiger ist als die eigene. Und während über den jeweils anderen munter drauflos getratscht wird, versagt die Stimme spätestens dann, wenn es um das Thema HIV geht. Schmitz baut verschiedene Szenen ein, in denen Aids als Diagnose für einen Gesundheitszustand evident erscheint, aber es speziell bei Chanda nicht über die Lippen wandern will. In einem Land, in dem nach Indien die meisten Menschen der Welt an der tödlichen Immunkrankheit erkrankt sind, wird lieber verdrängt als akzeptiert.

Dabei legt sich der HIV-Schleier gleich zu Beginn über Chandas Welt, wenn ihre jüngste Halbschwester verstirbt und es auch um die Gesundheit der Mutter immer schlechter bestellt ist. Elandsdoorn wird zum Minenfeld, scheinen doch auch die anderen Geschwister und Esther in Gefahr, sodass es nicht von ungefähr kommt, wenn Chanda nach einer Party einen Mitschüler mit sexuellen Avancen auf später vertröstet. Bloß kein Risiko eingehen, bloß der Statistik entkommen. Sie ist eine Jugendliche in einer Welt, in der Kinder schnell erwachsen werden müssen, wenn sie überleben wollen. So wie auch Esther ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt.

Geliebtes Leben ist zweifelsohne Khomotso Manyakas Film, den sie über die gesamte Laufzeit alleine auf ihren jungen Schultern trägt. Lediglich mit den "gewalttätigen" Szenen hat Manyaka so ihre Probleme bei der physischen Darstellung, weiß ansonsten jedoch den sympathischen Charakter Chandas exzellent zu transportieren. Auch die übrigen (Jung-)Darsteller können in dieser südafrikanischen Produktion überzeugen. Selbst die kleine Mapaseka Mathebe setzt Akzente und hält mit den Großen mit. Somit ist der Film von Oliver Schmitz über weite Strecken Charakterkino, was vielleicht entschuldigen mag, dass die Handlung hier und da etwas mehr hätte bieten können.

Denn speziell die kathartischen Momente mancher Figuren wirken reichlich spontan und zum Zweck der filmischen Versöhnung platziert, versucht Schmitz doch seine reichlich melancholische Stimmung mit einem Happy End ausklingen zu lassen. Was sich nachvollziehen lässt, aber letztlich doch besser hätte umgesetzt werden können, wie im Film im Nachhinein geschehen. Gerade das Finale, obschon es durchaus im Ansatz berührt, wirkt reichlich kitschig und konträr zu den vorangegangenen anderthalb Stunden. Dennoch ist Geliebtes Leben ein bewegender Film mit einer starken Hauptdarstellerin, die Sympathien erzeugt. Da hätte selbst Mrs. Tafa nichts auszusetzen.



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