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Was will ich mehr

(Cosavogliodipiu, 2010)

Dt.Start: 09. Dezember 2010 Premiere: 15. Februar 2010 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 124 min Land: Italien
Darsteller: Alba Rohrwacher (Anna), Pierfrancesco Favino (Domenico), Teresa Saponangelo (Miriam), Giuseppe Battiston (Alessio), Fabio Troiano (Bruno), Monica Nappo (Chicca), Tatiana Lepore (Bianca), Sergio Solli (Domenicos Schwiegervater), Gisella Burinato (Tante Ines), Gigio Alberti (Dr. Morini), Francesca Capelli (Agnese), Danilo Finoli (Ciro), Martina De Santis (Isa), Leonardo Nigro (Vincenzo), Adriana De Guilmi (Annas Mutter)
Regie: Silvio Soldini
Drehbuch: Silvio Soldini, Doriana Leondeff, Angelo Carbone


Inhalt

Anna ist am Ziel ihrer Träume: Sie hat einen tollen Job und einen geliebten Lebenspartner, mit dem sie bald ihre eigene Familie gründen will. Als sie aber auf Domenico trifft, gerät ihr Leben durcheinander. Zwischen den beiden entwickelt sich eine wilde Beziehung, doch Domenico ist ein verheirateter Familienvater.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Was will ich mehr hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 36%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Was will ich mehr hat eine Wertung von 36%
Ob Volkssport, geplantes Abenteuer oder Affekt, fremdgegangen wurde nicht nur schon immer, auch im Film wurde sich dem Thema bereits in allen nur erdenklichen Variationen gewidmet. In Was will ich mehr begegnet die temperamentvolle Anna Domenico. Beide entflammen füreinander, beide sind aber auch fest liiert. Eine Allerweltsaffäre, die irgendwann Konsequenzen haben wird. Bei aller handwerklichen Liebesmüh ist der Film nicht wirklich etwas, was auf den Big Screen gehört. Zu unbedeutend und überdies wenig mitreißend ist diese Geschichte.

Bild aus Was will ich mehr Manchmal liegt eben genau in der Alltäglichkeit das Verhängnisvolle. Es heißt zwar, Menschen, denen es in der Beziehung gut geht, würden nicht betrügen; aber vielleicht ist gut gehen, manch einem nicht genug. Anna (Alba Rohrwacher) fehlt es augenscheinlich an wenig: Sie hat einen guten Job, viele Freunde und befindet sich in einer harmonischen Beziehung. Ihr Lebensgefährte Alessio (Guiseppe Battiston) ist ein korpulenter, aber sympathischer Typ, der zwar nicht jede Nacht mit ausgiebiger Sexgymnastik zubringen muss, aber als Familienmensch sich Kinder mit Anna wünscht.

Auch Anna bringt Alessio aufrichtige Zuneigung entgegen. Die lodernde Flamme der Leidenschaft glüht inzwischen aber eher als bescheidenes Flämmchen vor sich hin. Das ändert sich als Anna durch Zufall den maskulinen Domenico (Pierfrancesco Favino) kennen lernt. Beide fühlen sich gleich zueinander hingezogen. Nach einem kurzen Vorgeplänkel, passiert, was passieren muss. Danach gibt es für beide kein Halten mehr. Obwohl Anna in einer festen Beziehung und Domenico sogar verheiratet ist, treffen sie sich in der Folge regelmäßig in einem Stundenhotel. Zuerst ist es nur der phantastische Sex, der Anna gegen jegliche Vernunft weitermachen lässt, bald aber muss sie sich eingestehen, dass sie mehr will: ein Leben gemeinsam mit Domenico. Er wäre dazu bereit - die Verantwortung für eine Frau und zwei Kinder ist aber nicht so leicht abzustreifen.

Was soll man zu einem Film sagen, der mit nichts als Alltäglichem und Trivialem aufwartet, erzählerisch wenig bietet und um alles etwas bedeutungsschwangerer erscheinen zu lassen, in Redundanzen verfällt? Nicht nur, dass es sich um eine Geschichte handelt, die wahrscheinlich während diese Zeilen geschrieben oder gelesen werden, gleich im Haus nebenan ähnlich passieren mag; überdies sind die Figuren derart stereotyp besetzt, damit selbst die, welche über die Banalität der Story zwischenzeitlich weggeschlummert sind, es sogar noch im Halbschlaf nachvollziehen können.

Anna ist attraktiv und lebenshungrig, Alessio eher gemütlich; Typ: treuherziges Dickerchen. Wenn man Alessio und Domenico nebeneinander stellt und vergleicht, ist es ungefähr so, als würde man einen Pandabären einem Grizzlybären gegenüberstellen. Alles schön klischeehaft. Anna will sich ausleben, da ihr Partner alles andere als ein Tiger im Bett ist und Domenico fühlt sich in seiner Ehe mit zwei kleinen Kindern ebenfalls ein wenig eingesperrt. Damit ist die Geschichte, abgesehen vom Ende, im Prinzip bereits auserzählt.

Die Filmhandlung musste aber unsinniger Weise auf satte zwei Stunden aufgebläht werden (gefühlte drei). Und dafür war man sich nicht nur nicht zu schade, die Sex-Dates immer wieder abzulichten (vielleicht hatte man bisher auch die eine oder andere Stellung ausgelassen) und die Figuren in ihrer inneren Zerrissenheit in endlos langen Einstellungen einzufangen, sondern kurz vor dem eigentlichen Ende, nochmal einen satten Logik-, Zeit-, und Örtlichkeitssprung zu vollführen.

Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass den Schauspielern die dramaturgischen Defizite noch am allerwenigsten anzulasten sind. Die geben sich nicht nur redlich Mühe, diese fade Show auf eine höherwertige Ebene zu befördern, sondern überzeugen durchweg in ihren Rollen. Rein handwerklich ist Was will ich mehr, abgesehen von den Längen und den Redundanzen in manchen Szenen, sogar grundsolide runtergefilmt. Das sind allerdings viele andere Filme auch und weisen zudem noch eine Geschichte auf, die über dem Tratsch aus dem nachbarschaftlichen Treppenhaus hinaus, etwas zu erzählen hat.



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