Tanzfilme sollten vor allem mitreißen. Selbst Dokumentationen übers Tanzen sollten viel von der Faszination der Bewegung rüber bringen. In diesem Sinne machte die Filmemacherin Gitta Gsell alles richtig. In Bödälä - Dance the Rhythm stellt sie zwei uralte schweizer Tanzstile in den Mittelpunkt und zeigt darüber hinaus die Verknüpfungen zu verwandten internationalen Formen auf. Eine fetzige Angelegenheit.
Rhythmisch ums Feuer tanzen und dabei laut mit den Füssen aufstampfen, gehört - abgesehen von wenigen Ausnahmen - in die vorgeschichtlichen Epochen unserer Vorfahren. Was damals essentieller Bestandteil dieser archaischen Kulturen war, manifestiert sich heute noch in vielen Tanzformen, sogenannten perkussiven Tänzen: klassischer Stepptanz, Irish Dance, Flamenco oder dem titelgebenden Bödälä im Dokumentarfilm der schweizer Regisseurin Gitta Gsell.
Wenn alles stimmt, bilden der Körper des Tänzers, der Schuhbelag und die richtige Oberfläche eine Einheit. All das wird dann in der Summe, angefangen von der Parkbank über die Betontreppe bis hin zu Holz- und Metallplatten, zu einem einzigartigen Perkussionsinstrument, mit dem sich der Künstler ausdrückt. Es wird aber nicht allein getanzt, gesteppt und gestampft: Es wird geklopft, getrommelt, gewirbelt, gejauchzt und zuweilen auch gesungen was das Zeug hält. Im Grunde beschreibt das die Kerndramaturgie dieses temporeichen Dokumentarfilms.
Im Mittelpunkt stehen in Bödälä - Dance the Rhythm zwei alte, folkloristische schweizer "Stampftänze", der Bödälä und der Gäuerlä, deren Tradition besonders im Kanton Schwyz hoch gehalten wird; darüber hinaus werden die Bezüge und Verbindungen zu den vergleichbaren internationalen Tanzformen hergestellt. Ambitionierte Laien, wie eingesessene Profis geben im Verlauf ihr Können zum Besten und erzählen von ihrer Leidenschaft zu diesen speziellen Stilen; trotz der auftretenden Interpreten und auch einigen menschlichen Schicksalen, wie das einer jungen Frau, die sich bis zur Irish-Dance-Weltmeisterschaft kämpft und dort dann unglücklich stürzt, steht im Zentrum immer die Musik, der stampfende, archaische Rhythmus, der unweigerlich mitreißt.
Es ist keine Zwangsläufigkeit, aber die Hauptzielgruppe wird höchstwahrscheinlich bei musikalisch und tänzerisch Interessierten lieben. Wobei die speziellen Ethnoelemente durchaus ein breiteres Publikum ansprechen könnten. Bödälä - Dance the Rhythm enthält darüber hinaus auch die Charakteristika eines Porträts, mit eindeutigem Schwerpunkt auf die beiden urigen schweizer Stile, die streng genommen nur von Männer getanzt werden (dürfen), da es sich bei diesen um Tänze handelt, in denen der Mann um die Frau wirbt. Was im Film als Kontroverse auch durchaus abgebildet wird.
Die letztliche Frage, ob nun eine 78-minütige tänzerische Darbietung, die überwiegend mit ihrem hohen Tempo besticht, für einen Kinogang genug Motivation darstellt, kann schlussendlich jeder nur für sich selbst beantworten. Das was die Doku im Kern leisten will, leistet sie; wenn auch das hohe Tempo und die rasche Abhandlung der vorgestellten Stile den Film etwas disbalanciert wirken lassen. Spaß macht die Tanz-Show auf jeden Fall.