Es gibt keine innovativen Werwolf-Filme mehr? Doch! Denn mit Audie und der Wolf schuf Regisseur B. Scott O'Malley genau das und zwar in Form einer Parodie. Das Besondere daran ist allerdings die Tatsache, dass es sich hierbei um eine ziemlich verdrehte Werwolf-Welt handelt. Des Weiteren sorgen die unverbrauchten Darsteller mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Spielfreude für den nötigen Schwung, und fertig ist eine blutige Komödie für aufgeschlossene Fans des schrägen Humors.
Sicherlich kennt ein jeder die Sage um den verfluchten Menschen, welcher sich bei Vollmond in einen blutrünstigen, übergroßen und starken Wolf verwandelt. Solche Werwölfe können sich am nächsten Tag dann kaum noch an ihre Taten erinnern und um den Fluch zu besiegen, muss der ursprüngliche Werwolf zur Strecke gebracht werden. Erst kürzlich wurden wir in The Wolfman erneut mit dieser Geschichte beglückt und so langsam wurde es Zeit, dass sich mal jemand etwas Neues dazu einfallen lässt. Dies ist überraschenderweise bereits vor gut zwei Jahren geschehen, denn Regisseur und Drehbuchautor B. Scott O'Malley bediente sich 2008 bei einer Kurzgeschichte von Frank Kowal und drehte daraus den nun vorliegenden Film Audie und der Wolf. In dieser Kurzgeschichte geht es allerdings nicht um einen verfluchten Menschen, sondern um einen verfluchten Wolf, welcher sich bei Vollmond in einen blutrünstigen Menschen verwandelt... eine verkehrte (aber in diesem Genre umso willkommenere) Welt...
Nachdem sein Herrchen erschossen wurde, zieht es einen zahmen und namenlosen Wolf nach Hollywood. Kaum angekommen, verwandelt sich dieser Wolf in einer Vollmondnacht jedoch in den Wermenschen John Doe (Derek Hughes). Nachdem dieser ein Starlet in dessen Villa zerfleischt hat, nistet er sich kurzerhand dort ein und verliebt sich bald in die coole Audie Bantam (Tara Price). Nachdem er aber lernen muss, dass er eigentlich gar kein Mensch ist und sein Keller vor lauter Untoten aus den Nähten zu platzen droht, stellt sich die Frage, ob die Liebe auch solch tiefschürfende Hindernisse überwinden kann.
Alleine die Idee von Frank Kowal (welcher hier übrigens eine kleine Nebenrolle erhielt), den Werwolf-Mythos umzudrehen, ist in ihrer Einfachheit schlichtweg genial! Was B. Scott O'Malley dann in seiner filmischen Version daraus gemacht hat, pendelt zwischen Slapstick, Splatter und Nonsens hin und her, wobei das Hauptaugenmerk ganz klar auf dem humoristischen Aspekt liegt. So ist der Film zwar oftmals durchaus recht blutig geraten, verliert dabei aber nie sein Augenzwinkern und wirkt deswegen höchst selten richtig brutal. Die Effekte sind dazu sehr gut gelungen und man sieht sofort, dass das Budget hier fünf Mal höher war, als beispielsweise beim Low-Budget-Streifen Blood Car, mit dessen Humor sich Audie und der Wolf teilweise gut vergleichen lässt. Auffällig sind auch die vielen Regie-Spielereien, welche die konstant vorhandene und übertriebene Theatralik gekonnt und effektiv unterstreichen.
All dies wäre aber nur die halbe Miete, wenn die Darsteller sich nicht an diesen Stil anpassen könnten. Doch auch in diesem Punkt haben die Macher ein glückliches Händchen bewiesen, denn vor allem mit Derek Hughes wurde ein unbekanntes und perfekt passendes Gesicht für die Rolle des John Doe gefunden. Egal ob dieser sein neues Revier auf intuitive Art und Weise markiert, oder ob er sich seinen größten Feinden gegenüberstellt: Man kauft ihm seinen dümmlich-niedlichen Blick problemlos ab und findet in ihm einen sympathischen Antihelden, wie man ihn bisher nur selten gesehen hat. Natürlich geht es aber weder bei ihm noch beim restlichen Cast darum, schauspielerische Glanzleistungen abzuliefern, denn dafür nimmt sich der Film selbst zu wenig ernst (also: überhaupt nicht!). Genau dies sorgt dann aber auch für eine gehörige Portion Charme, weswegen einer der größten Kritikpunkte schlussendlich die etwas kurz geratene Laufzeit darstellt, denn diesem Liebespärchen hätte man nur zu gerne noch etwas länger bei seinen turbulenten Erlebnissen zugeschaut!
Wer also inzwischen genug von immer gleich bleibenden Werwolf-Geschichten hat und offen für schrägen Humor der besonderen (und teilweise auch etwas kindlicheren) Art ist, der sollte Audie und der Wolf unbedingt eine Chance geben! Wer sich jedoch stets auch über beabsichtigtes Overacting aufregt, muss wohl eher nicht in die nächste Videothek rennen, um sich den Film zu besorgen. Wie man sich aber auch immer entscheiden mag: Die Tatsache, dass der Film als Geheimtipp gehandelt wird, kommt nicht von Ungefähr!