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Frozen

(Frozen, 2010)

Dt.Start: 28. November 2013
DVD: 10. Dezember 2010
Premiere: 24. Januar 2010 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: nicht bekannt Genre: Thriller
Länge: 93 min Land: USA
Darsteller: Emma Bell (Parker O'Neil), Shawn Ashmore (Joe Lynch), Kevin Zegers (Dan Walker), Ed Ackerman (Jason), Rileah Vanderbilt (Shannon), Kane Hodder (Cody), Adam Johnson (Rifkin), Chris York (Ryan), Peder Melhuse (Fahrer)
Regie: Adam Green
Drehbuch: Adam Green


Inhalt

Drei Studenten verbringen den Sonntag in einem Skigebiet. Geplant als Ablenkung vom Alltag, wird der Ausflug zu einem Höllentrip als das Trio in schwindelerregender Höhe um sein Leben bangen muss: Kurz vor Betriebsschluss der Skipiste wollen sie ein letztes Mal mit dem Sessellift auf die Spitze des Berges zu einer finalen Abfahrt. Ein unglückliches Missverständnis führt jedoch dazu, dass ihr Lift mehrere Meter über dem Boden abrupt stehen bleibt und sie in der eisigen Kälte vergessen werden - eine schier aussichtslose Situation.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Frozen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 67%
Kurzkritik
von Daniela Panzitta
Wertung von 42 für Frozen

Frozen bietet eine sehr nette Idee, die zu Beginn auch durchaus Potenzial vermuten lässt, aber im Endeffekt leider an einer zu undurchdachten Geschichte scheitert. Dabei profitiert der Film sowohl von dem eigentlich ganz sympathischen Trio mit der etwas anderen Gruppendynamik als auch von der Tatsache, dass es eine äußerst schreckliche Vorstellung ist, irgendwo "vergessen" zu werden. Wenn das auch noch im Skilift in luftiger Höhe bei nicht sehr angenehmen Gefrierschranktemperaturen geschieht, wird jedem sofort der Ernst der Lage bewusst und mulmig zumute. Dass hier unüberlegte Handlungen auf der Tagesordnung stehen, versteht sich von selbst. Wieso man aber zudem noch ein seltsam agierendes Rudel Wölfe in der Geschichte unterbringen musste, bleibt rätselhaft. Leider ist das nicht der einzige Aspekt, der nicht so wirklich in die Handlung passen will und gehörig an Realitätsnähe vermissen lässt. Dadurch verliert sich der aufgebaute Horror schnell in ungläubiges Kopfschütteln, und das bricht der Inszenierung letztlich das Genick.

Kritik

von Lars Schnell
Frozen hat eine Wertung von 91%
Ein Schneelift, drei Teenager und eine wütende Mutter Natur. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein einfallsloser B-Movie und wo auch der Titel nicht gerade auf große Kreativität schließen lässt, entpuppt sich der erste Eindruck schnell als grobe Fehleinschätzung. Hält man sich als Zuschauer nicht weiter an diversen Logiklücken und irrationalen Zufällen auf, denn davon gibt es reichlich, dürfte Frozen für viele die Überraschung des Jahres sein. Wie schon bei Produktionen à la Nicht Auflegen! ist auch hier der Regisseur Set-bedingt stark eingeschränkt und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als eine arg konstruierte Handlung zu entwerfen, für die eine unglaublich nervenzerreissende Atmosphäre mehr als nur entschädigt. Seekrank-zittrige Kameraaufnahmen aus Blair Witch Projekt und pseudo-dokumentarisches Rumgeeier wie in Rec 2 sind schnell vergessen, nicht zuletzt weil Frozen das hat, was viele Blockbuster dieses Jahres nicht bieten konnten - motivierte und unverbrauchte Gesichter, eine erschreckend reale Atmosphäre, und trotz einiger Klischees überraschende Wendungen.

Bild aus Frozen Adam Greens vierter Kinofilm schildert ein Szenario, welches für Menschen mit Höhenangst ein absoluter Albtraum sein dürfte. Ein Skilift der auf halber Strecke stehen bleibt, Minustemperaturen, sowie kalte Schneeböen und wilde Tiere setzten aber auch bei jedem anderen Menschen Überlebensinstinkte frei, die Green gekonnt anspricht und überstrapaziert. Raffiniert baut er innerhalb der ersten halben Stunde eine sympathische Umgebung auf, die das Urlaubsfeeling seiner Charaktere nahezu perfekt auf die Zuschauer ausdehnt. Leicht störend wirkt sich hier lediglich der eingeschobene Liebeskonflikt aus, der für den weiteren Verlauf nur von geringer Bedeutung ist und einem der Charaktere mehr Tiefe verleiht. Dieses Konstrukt einer heilen und unbeschwerten Welt stampft er innerhalb von fünf Minuten wieder ein und zerstört damit zugleich die positive Stimmung des Zuschauers, der nun umso schockierter auf die Bilder blickt. Je mehr Parker, Dan oder Joe dem Zuschauer im Laufe des Films ans Herz wachsen, desto heftiger werden sie ihm wieder weggerissen. Inhaltlich sei hier aber nicht zu viel angemerkt, außer dass der Zuschauer parallel zu den handelnden Protagonisten an seine eigenen Grenzen stößt, gegen seine eigene Verzweiflung und Angst ankämpft.

Erweckt der Film mit seinen oberflächlich wirkenden Protagonisten Anfangs den Eindruck eines billigen Teenie-Survival Horrors, entfalten diese im weiteren Verlauf immer mehr eine ganz eigene Persönlichkeit. Es ist nahezu unglaublich, wie die anfangs blassen Charaktere dem Zuschauer immerzu sympathischer werden und er sich selbst in ihnen wiederfindet. Dazu trägt in erster Linie die überzogen unberechenbare Grausamkeit der Natur bei, der die Charaktere nur wenig entgegenzusetzen haben, außer ihrer eigenen Art mit der Verzweiflung umzugehen und aus der Not das Beste zu machen. Aber auch der darstellerischen Leistung, die alles andere als Laienhaft daherkommt, ist es zu verdanken, dass die Dialoge, wie man sie schon in anderen Filmen ähnlich gehört hat, auf Dauer alles andere als einseitig und klischeebelastet wirken. Hier stechen vor allem Emma Bell als Parker heraus, die auch im nächsten Final Destination-Teil zu sehen sein wird, und ihr Schauspielkollege Shawn Ashmore (X-Men), der in Frozen unglücklich Verliebten einen Grund für neue Vorsätze und Hoffnung liefert. Kevin Zegers (Air Bud) liefert auch eine solide Leistung ab, die sich im gegebenen Zeitrahmen aber nicht in dem Maße entfalten kann, wie bei den anderen Charakteren, und bis zuletzt etwas einseitig bleibt.

Der Glaubwürdigkeit der Charaktere stehen die teils sehr unglaubwürdigen Zufälle und verpassten Chancen entgegen. Die Tatsache des Schauplatzes lässt jedoch fragen, ob man den hier dargebotenen Spannungsbogen auch ohne Logiklücken hätte erzeugen können. Eine wohl eher rhetorische Frage, die sich, zu Gunsten des Films, nur mit "Nein" beantworten lässt. Der Film an sich hat zwei sich ähnelnde Höhepunkte, die den Zuschauer in höchstem Maße schockieren und im Vergleich zur dialoglastigen, aber atmosphärisch sehr wirkungsvollen Mitte besonders hervorstechen. Obwohl solche Wendepunkte nur sehr dezent gesetzt sind, haben diese wenigen eine enorme Kraft inne, die es erst ermöglicht, eine solch bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen.

Neben den Charakteren und dem Setting trägt auch der wirklich gute Soundtrack Teile des Films auf seinen Schultern. Im Gegensatz zum zwischenzeitlichen Score in Form von eher einseitigem Klaviergeklimper, das nichts desto trotz passend eingefügt wurde, trägt vor allem der erste Song der hierzulande eher unbekannten Band "Wild Dogs With X-Ray Eyes" die Feel-Good Momente zu Beginn des Films.

Erstaunlich ist, dass man bei Frozen trotz der aktuellen Tendenz der Filmemacher so viel wie möglich im Studio zu drehen um Kosten zu sparen, nicht auf künstlich erzeugte Effekte und Drehorte setzt. Stattdessen drehte man tatsächlich in einem Ski-Resort in Utah, wo die im Film gezeigten Temperaturen auch vor den Schauspielern keinen Halt machten. Als Schauspieler in solch extremer Kälte längere Zeit in einer Position hoch über dem Boden auszuharren, hat laut Regisseur Green wohl schon während des Castings viele Schauspieler abgeschreckt und dazu bewogen, anfängliches Interesse wieder zurückzuziehen. Die Entscheidung, zugunsten der Atmosphäre und Glaubwürdigkeit den Film vor realer Kulisse zu drehen, zeugt von großem Mut in der Zange heutiger Produktionsfirmen.

Übrigens sollte Jeder, der einigermaßen gut Englisch versteht, den Film im Originalton anschauen, da die normalerweise perfektionistische Deutsche Synchronisation diesmal leider komplett in den Sand gesetzt wurde. Die Stimmen passen teils rein gar nicht zu den Charakteren und wirken, als hätte man einen amerikanischen Werbespot für Snowboards lieblos neu vertont. Aber auch Personen ohne Englischkenntnisse sei dazu geraten, sich diese fehlerhafte Nachbearbeitung nicht anzutun, sondern auf deutsche Untertitel zurückzugreifen.

Natürlich ist Frozen bei weitem kein perfekter Film, so einen gibt es nicht. Die Bewertung eines jeden Films ist schließlich stets mit subjektiven Eindrücken verbunden, die unterschiedliche Auffassungen auf ein und denselben Film zulassen. Solange die technische Ebene nicht zum eigenen Nachteil verkommt, und das ist hier definitiv nicht der Fall, lässt sich ein Film daher allgemein nur vor dem Hintergrund der eigenen Meinung beurteilen. Die Bewertung von 91% dürfte sich daher nicht jedem erschließen. Ich für meinen Teil bin mit einer vergleichsweise neutralen Voreinstellung an den Film herangegangen. Die Tatsache, dass Regisseur Green es geschafft hat, mich zu überraschen, zu schockieren und zum Nachdenken anzuregen, macht Frozen zu meinem persönlichen Highlight dieses Jahres und hätte definitiv einen Saturn-Award als bester Horror-Film verdient. (Wobei die Verleihung dieses Preises eigentlich nicht allzu ernst zu nehmen ist, da hier Hellboy 2 - Die goldene Armee als Horrorfilm gezählt wird und man Der Seltsame Fall des Benjamin Button in eine Schublade mit Die Chroniken von Narnia oder Wanted steckt.)

Erinnert der Kampf gegen die Natur natürlich stark an Filme wie Open Water, übertrifft die hier gebotene Atmosphäre den Haifischhorror bei weitem und dürfte wohl für viele die stille Krönung des Fantasy Filmfests 2010 gewesen sein. Dass in einer Testvorführung 2009 die Nerven eines Zuschauers überstrapaziert wurden und dieser in Ohnmacht fiel, verwendete man glücklicherweise nicht zugunsten einer aufbauschenden Werbekampagne im Stil von Paranormal Activity. Zugegeben, Frozen wird schon allein aufgrund der DVD-Veröffentlichung weniger Aufmerksamkeit auf sich lenken, dadurch entkommt er aber auf Anhieb dem Eindruck eines von Werbung ausgelaugten, spannungsarmen und enttäuschenden Machwerks. Zudem sollte er sowieso lieber zu Hause im Warmen, mit einer kuscheligen Decke verbracht werden. Denn eine gute Idee und eine mitreißende Umsetzung machen den Film effektiver als jeden Alien- oder Saw- Streifen. Ein Vergleich, der im Hinblick auf die inhaltlichen Unterschiede natürlich stark hinkt, aber zeigt, dass Green mit Frozen ganze Arbeit geleistet hat.

Zusammenfassend der perfekte Film für minus 20 Grad Celsius Außentemperatur und Leute, die Skiliften schon immer skeptisch gegenüberstanden. Also ab unter die Decke und mitgezittert, aber aufpassen, dass die Angst das eigene Blut nicht in den Adern gefrieren lässt. Frozen - ein Film, an dessen Ende man für einige Zeit in stiller Nachdenklichkeit verharrt und schließlich dem eigenen Leben und dem täglichen Auf und Ab positiver gegenübersteht. Bleibt nur noch die Frage für den Fall der Fälle: "Was würdest du tun?"



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