Als der mächtige Shockwave und weitere Decepticons auftauchen, entflammt der Kampf zwischen Gut und Böse aufs Neue. Da hilft es nicht, dass in der Nähe auch noch eine mächtige Technologie lagert, die diesen Kampf entscheiden könnte. Der dritte Teil der erfolgreichen Transformers-Reihe bleibt qualitativ auf dem Niveau der Vorgänger und zeigt eine brachiale Materialschlacht ohne jegliche Doppelbödigkeit, während er den dümmlichsten US-Patriotismus feiert.
Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin 1969 als erste Menschen den Mond betreten, tun sie das nicht allein, um den technischen Fortschritt der USA zu beweisen. Tatsächlich sollen die zwei Astronauten eine geheime Mission erfüllen und damit der Sowjetunion zuvorkommen. Der Hintergrund: 1961 stürzte ein außerirdisches Raumschiff auf dem Mond ab, was auf der Erde jedoch nicht gänzlich unbemerkt geblieben ist. Seither versuchen die Russen wie die Amerikaner als erste dort anzukommen und das Wrack und all seine Technologie für ihre jeweilige Nation zu beanspruchen. Das riesengroße Schiff lässt sich in den wenigen Minuten, die die Mondfahrer mit Hilfe einer gefälschten Funkstörung für die Mission haben, nicht mal ansatzweise erforschen, und so bleibt die Entdeckung letztendlich einfach nur unter Verschluss.
Erst Jahrzehnte später, als Sam Witwicky auf Optimus Prime und die anderen Autobots getroffen ist und der Krieg zwischen diesen und den Decepticons auf die Erde gebracht wurde, wird das Wrack auf dem Mond wieder wichtig: Nicht nur enthält es eine mächtige Technologie, mit der diese Auseinandersetzung ein für alle Mal beendet werden kann, auch der ehemalige Anführer der Autobots, Sentinel Prime, befindet sich an Bord des Schiffes. Er ist der einzige, der die mysteriöse Maschinerie, bestehend aus einer Anzahl schwebender Einheiten, auch bedienen kann.
Niemand hätte je von dieser Maschine oder auch nur von dem Wrack auf dem Mond erfahren, wenn nicht die Autobots bei einem Spezialeinsatz in Tschernobyl auf ein Stück Technologie aus dem abgestürzten Raumschiff und somit aus ihrer Zivilisation gestoßen wären. Offenbar haben es die Russen bei einem späteren Mondflug selbst aus dem Wrack geschnitten. Auch haben sie Shockwave mit auf die Erde gebracht, den ehemaligen Herrscher von Cybertron. Dass das ein Fehler war, bemerken alle Beteiligten, als Shockwave sich aktiviert und beginnt, die Welt auseinanderzunehmen. Im Gegensatz zu den Autobots verschonen die Decepticons keine Menschenleben.
Während politische Intrigen die hilfreiche Intention der Autobots unterminieren, sammeln sich die Decepticons zum Krieg gegen alle, die sich gegen ihre Machtansprüche stellen. Zugleich ist nun allen Parteien die Existenz des Wracks auf dem Mond und dessen mächtiger Fracht bekannt. Es kommt zur alles entscheidenden Auseinandersetzung mitten in Chicago.
An die Kritik eines Films, der letztlich auf einer Reihe von dümmlichen Spielzeugautos aufbaut, muss man sich mit viel Fingerspitzengefühl wagen. Das ganze Konzept der belebten Maschinen ist natürlich ausgemachter Blödsinn, wer hier schon den Anschluss verloren hat, wird mit der ganzen Transformers-Filmreihe nicht glücklich werden. Ganz abgesehen davon, sollte man die dramaturgischen und technischen Aspekte des Films so neutral bewerten wie möglich, und hierbei schneidet Transformers - Dark of the Moon größtenteils nicht so gut ab. Beginnen wir vorne:
Als erstes fällt auf, dass Sam Witwicky, einmal mehr verkörpert von Shia LaBeouf, eine neue Freundin zur Seite gestellt bekommen hat. Im Internet machte ein Interview des "Wonderland" Magazins vom September 2009 die Runde, in dem Megan Fox Michael Bay mit Hitler verglich, was dessen Auftreten am Set betrifft. Sechs Monate später gab Paramount bekannt, dass Fox für den Dreh der Fortsetzung nicht mehr gecastet worden ist. Ersetzt wurde die Frau an Sams Seite nun durch das 24-jährige englische Model Rosie Huntington-Whiteley, der derzeitigen Freundin von Jason Statham. Sie hatte bereits bei Werbespots für Victoria's Secret mit Michael Bay zusammengearbeitet, ihre Filmrolle als Carly Spencer basiert locker auf der gleichnamigen Figur aus der TV-Serie der 80er. Auch wenn die gute Rosie allerliebst anzusehen ist, ihre Vertrautheit mit Sam irritiert den Zuschauer, der eben noch Megan Fox als Sams Freundin zu kennen glaubte. Die Trennung wird nicht erklärt, sondern unter den Teppich gekehrt. Dramaturgisch ein böser Fehler.
Die Menschen spielen in Transformers - Dark of the Moon aber sowieso keine besonders große Rolle mehr, das Hauptaugenmerk liegt auf den Robotern. Lediglich zwei Ausnahmen unter den Nebenrollen sind zu vermerken: Frances McDormand spielt eine stocksteife Agentin im gehobenen Dienst und John Malkovich einen überheblichen, eingeblideten, künstlich gebräunten und schlichtweg ekligen Abteilungsleiter, unter dem Sam sich in seinen neuen Job einfügen soll. Beide machen ihren Part ganz großartig und sollten neben den Hauptpersonen nicht unerwähnt bleiben. Doch das Gros der Menschen im Film ist blasses, austauschbares Füllwerk, kaum mehr als Statisten.
Inhaltlich ist der Film einmal mehr eine simple Geschichte des Kampfes zwischen Gut und Böse, Abstufungen und Gewissenskonflikte (wie zum Beispiel im grundsätzlich ähnlich simplen Star Wars-Universum) existieren nicht. Ebensowenig übrigens scheint es bei Bay andere Länder auf der Welt zu geben als die für seinen Film dringend nötigen: Gesprochen wird nur von den USA und gegebenenfalls der "Welt", die es zu retten gilt, dann gibt es noch kurz die Ukraine (als dramaturgisch notwendiges Überbleibsel des Erzfeindes UdSSR) und ein paar Sekunden, die an pittoresken, aber stets namenlosen Stellen des Erdballes gedreht werden mussten. Auch werden Menschen nicht mehr namentlich vorgestellt, so gibt es zum Beispiel nur noch den "NASA Director", was die menschliche Seite der Geschichte ein wenig lieblos rüberkommen lässt.
Rein optisch ist der Film natürlich gewaltig, fraglos. Eine Materialschlacht sondersgleichen, an keinem visuellen Eindruck wird gespart. Hier gibt es nichts zu bemängeln, sofern man sich mit dem eingangs erwähnten Konzept der belebten Maschine anfreunden kann. Was bei Toy Story problemlos klappte, sollte auch bei diesem Film möglich sein, möchte man meinen. Leider ist das hier nicht so einfach, denn sämtlichen Figuren fehlt die emotionale Tiefe.
Ebenfalls äußerst gelungen ist das Sounddesign, denn jede noch so kleine Bewegung eines Roboters braucht natürlich ein entsprechend elektrisch klingendes Maschinengeräusch. Dies wird bis zum letzten Zahnrad ausgereizt, so dass es im Kino fast durchgehend so klingt wie in einem Stahlwerk. Selbst die Maschinen der Menschen (hier ein paar Langstreckenraketen) klingen, als stammten sie aus einem fernen Universum.
Die brachiale Musik von Steve Jablonsky ist leider weitgehend belanglos und in der Manier schlechter TV-Serien einfach nur dort unterlegt, wo diese oder jene Emotion durch das jeweilige, äußerst dramatische Thema vermittelt werden soll. Ebenso muss man die erschreckend plumpe Anregung des bedingungslosen US-Patriotismus in fast jeder Szene mitansehen, ein Gefühl, das dem deutschen Zuschauer fremd sein sollte, aufgrund unserer Geschichte zumindest in seiner bedingungslosen Form.
Alles in allem ist Transformers - Dark of the Moon ein dummer, blöder, gewaltverherrlichender Film, der keine besonders erzählenswerte Geschichte hat (genaugenommen nur eine Ausrede von Handlung), und unverhohlen auf maximale finanzielle Ausbeute getrimmt ist: Bumm-Krach für die Jungs, die früher mit diesen Spielzeugautos gespielt haben und die die gleichnamige Zeichentrickserie geguckt haben, dazu jede Menge Hurra USA für gegenseitiges Schulterklopfen und ein paar sexy Kurven. Für Frauen im Publikum ist nicht mal eine Alibi-Nebenhandlung eingebaut worden. Ein Film wie Burger, Fritten und Cola: Gefällig, geschmacklich für die breite Masse, und man muss nicht einmal kauen. Doch man muss Regisseur Michael Bay zugutehalten, dass er für Eye Candy halt ein Meister seines Fachs ist. Natürlich wird der Film sein Publikum finden.