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Fantasia

(Fantasia, 1940)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 07. Februar 2002
Premiere: 13. November 1940 (USA)
FSK: ab 6 Genre: Animation, Fantasy, Musical
Länge: 112 min Land: USA
Darsteller: Leopold Stokowski, Deems Taylor
Regie: James Algar, Samuel Armstrong
Drehbuch: Joe Grant, Dick Huemer


Inhalt

Eine Kollektion unterschiedlicher Geschichten interpretiert große Stücke westlicher klassischer Komponisten und führt dabei eine farbenfrohe Symbiose aus Zeichentrick und Musik auf. Der Disney-Klassiker erzählt dabei unter anderem die bekannte Geschichte des "Zauberlehrlings" mit Mickey Mouse in der Hauptrolle, das Philadelphia Orchestra spielt unter der Leitung von Leopold Stokowski Werke von Beethoven, Bach und weiteren ein.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Fantasia hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Kurzkritik
von Florian Tritsch
Wertung von 52 für Fantasia

Ohne Zweifel stellt Disneys Fantasia eines der kreativsten und mutigsten Experimente des Zeichentrickfilms dar. Doch, obwohl die einzelnen Filmszenen stets eine erstklassige Verbindung von Zeichentrick und Musik darstellen, kann das Ergebnis dann aber leider doch nicht vollends überzeugen. Dies liegt vordergründig daran, dass das Ganze mit einer Spielzeit von fast zwei Stunden mit fortschreitender Spieldauer immer mehr von seiner Faszination einbüßt, die gegen Ende letztlich der Langeweile weicht.

Kritik

von Lutz Granert
Fantasia hat eine Wertung von 77%
Eine neue Form der Unterhaltung: Fantasia vereint wagemutig episodische Zeichentrickfilme, klassische Musik und Elemente eines Konzertfilms miteinander. Das Ergebnis ist ein faszinierendes, einflussreiches Experiment, welches trotz technischer Perfektion auf höchstem Niveau gescheitert ist.

Bild aus Fantasia Ein schwarzer Vorhang gibt den Blick frei auf die Silhouetten von Notenständern und ein Dirigentenpodium, die sich deutlich vom angestrahlten blauen Hintergrund abheben. Orchestermusiker betreten zu Improvisationen die Bühne und nehmen unter leisem Trampeln und Tapsen nacheinander an ihren Instrumenten Platz. Diese Situation ähnelt nicht jener im Film, in welchem der dynamische Kamerablick die Protagonisten bei ihren Handlungen beobachtet, sondern der im Konzertsaal: Der zentrierte, starre Kamerablick ist auf die Gesamtheit der Bühne gerichtet. Doch dieser befremdliche Establishing Shot wird alsbald abgelöst durch fragmentierende Totale von Streichermusikern, Flötisten, Klarinettisten.

Komponist Deems Taylor betritt die Bühne, hält den Zuschauer direkt ansprechend eine Einführung, was ihn erwarten wird und soll nach jeder Episode wiederkehren, um die kommende anzukündigen. Dirigent Leopold Stokowski waltet seines Amtes und die kurzen Animationsfilme beginnen. Natürlich benötigt das Orchester auch irgendwann eine Pause, weswegen es in der Mitte von Fantasia zu einer kurzen Unterbrechung kommt, die in den Film integriert wurde.

An dieser Stelle ist klar: Fantasia wird Grenzen überschreiten. Sind die Grenzen zwischen den Wahrnehmungsräumen Konzert- und Kinosaal schon in den ersten Filmminuten aufgelöst, werden auch Bild und Ton, aus denen das Komplementärmedium Film besteht, auf eine neuartige Weise miteinander kombiniert. Zeichentrick und klassische Stücke werden in Form visualisierter Musik so miteinander verknüpft, dass die klassische, an Theaterstücke erinnernde Dramaturgie von Spielfilmen überwunden wird. Die in der auditiven Wahrnehmung an sich abstrakte Musik wird durch die Bilder konkretisiert, veranschaulicht, mit Bedeutung aufgeladen, die zu Begriffsbildungen, ja, gar Geschichten führen. Ein ambitioniertes Experiment, welches ebenso wie die eigens für Fantasia konzipierte Einführung eines stereophonischen Tonsystems mit acht verschiedenen Tonspuren bei der Umsetzung auf hohem Niveau gescheitert ist.

Lag die Undurchsetzbarkeit von "Fantasound" in den fehlenden technischen Voraussetzungen der Kinos begründet, so ist die Ursache für das Fehlschlagen von Fantasia in der Konzipierung zu suchen. Deems Taylor weist darauf hin, dass man im Folgenden Formen, Zeichnungen und kurze Geschichten zu sehen bekommt, zu denen sich die Künstler durch die Musik inspirieren ließen. Doch genau dort liegt das Problem: Je konkreter diese Darstellungen sind, je mehr sie sich den Konventionen des narrativen Films annähern und von abstrakten und somit allgemeinen Assoziationen weg bewegen, desto weiter entfernen sich auch die individuellen Imaginationen beim Hören der Musikstücke voneinander. Das Faszinierende an Fantasia verschwindet dabei zugunsten einer enttäuschenden Beliebigkeit. Das Medium Film kann jene proteusartige Veränderbarkeit nicht leisten, welche die Fantasie in der Gedankenwelt leisten kann - sich ihr wohl aber durch Abstraktionen annähern.

Während das erste visuell animierte Musikstück - Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach - durchaus intersubjektiv nachvollziehbare Assoziationsketten präsentiert, interpretiert die Animation der Pastoralsymphonie die eigentliche Intention Beethovens, einen Tag auf dem Lande musikalisch auszudrücken, recht frei und bisweilen irritierend. Satyre, Faune und Zentauren bevölkern den Olymp, die Götter treten bei einem Unwetter hinzu. Eigentlich sollte ein Ballett von Gabriel Pierné, Cydalise und der Faun, zu den Animationen gespielt werden - was inhaltlich besser gepasst hätte.

Diesen konkreten Animationen stehen die abstrakten von Toccata und Fuge in d-Moll und von Meet the Soundtrack, welche den Klang einzelner Instrumente anhand einer "Tonlinie" visualisiert, gegenüber, auf die der deutschstämmige Experimentalfilmer Oskar Fischinger (Allegretto, 1936) maßgeblichen Einfluss ausübte. Fischingers Entwürfe waren Disney jedoch zu radikal, sein Spiel von Farben und Formen zu abstrakt, weswegen es zum Bruch zwischen den Beiden kam und Fischinger bald frustriert das Projekt verließ. Hier zeigt sich jedoch die Diskrepanz von Fantasia zwischen dem Eigenanspruch, eine "neue Form der Unterhaltung" zu schaffen, zugleich aber auf der Ebene eines filmischen Experiments aus ökonomischen Zwängen heraus zeichentricktechnisch eindrucksvoll die Sehkonventionen der breiten Masse zu bedienen, anstatt das Publikum mutig zu verstören.

Großartigen und assoziativ nachvollziehbar bebilderten Episoden wie jener zu Toccata und Fuge in d-Moll und auch Mussorgskis Eine Nacht auf dem kahlen Berge, welche fließend in Schuberts düster-besinnliche Ave Maria-Prozession übergeht, stehen somit weniger gelungene gegenüber, die sich entweder auf der Ebene sehr freier Interpretation bewegen oder wie bei der Animation vom Ballett Tanz der Stunden von Amilcare Ponchielli süßlichem Disney-Kitsch erliegen. Dort tanzen Nilpferde im Tutu neben Elefantendamen in rosa Ballettschuhen in Art Déco-Kulissen. Jene Zutaten des übertriebenen tierischen Anthropomorphismus, durch die Disney-Filme ebenso berühmt wie berüchtigt werden sollten.

Fantasia ist ein insbesondere technisch eindrucksvolles Dokument für visionäres Kino, welches sich leider etwas zu sehr hinter falschen Grundannahmen versteckt und in den Konventionen des Familienfilms verhaftet ist, um abseits einer "neuen Form der Unterhaltung" als vollendetes Meisterwerk durchzugehen. Ein konzeptionell und durch einige fragwürdige Inhalte letztlich gescheiterte Mischung aus Kurzfilmkompilation und "Konzertfilm" - aber auf höchstem Niveau.

Das Highlight der DVD-Neuveröffentlichung vom 04. November 2010: ein sehr informativer Audiokommentar von Disney-Historiker Brian Sibley, der zu jeder Episoden die Produktionsumstände genau darzulegen weiß.



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