Seit Alexandre Aja 2003 mit High Tension einen Meilenstein des Horrorgenres setzte, horcht die Fangemeinde immer wieder auf, wenn sich ein Thrill aus Frankreich ankündigt. Bei diesem Meisterwerk vom Regieduo David Moreau und Xavier Palud kann man sich auf permanente Gänsehaut gefasst machen. Die Atmosphäre ist dermaßen angespannt, dass sie einen bis zum Maximum einzunehmen vermag. Das Interessanteste daran: Der Film kommt ausnahmsweise für die heutige Zeit fast völlig ohne Blut aus und bedient sich stattdessen in Perfektion der beiden Stilelemente von Geräuschkulisse und Optik. Einzig beim Ende scheiden sich die Geister. Entweder die entstehende Ernüchterung führt zur absoluten Fassungslosigkeit vor dem Hintergrund, dass sich das alles wirklich abgespielt haben soll, oder sie wirkt leicht enttäuschend. Das bleibt jedem selbst überlassen.
Am meisten überzeugen in der Regel Filme, die man sich antut, obwohl man nicht allzu viel erwartet, weil man weder den Regisseur noch großartig die Hauptprotagonisten kennt oder einfach mit dem Titel nichts anfangen kann. Genau so ging es den meisten Leuten bei Them - Spiel oder Stirb. Das französische Regieduo David Moreau und Xavier Palud feierte 2005 mit diesem unglaublich fesselnden Horrorthrill ihr Regiedebut und legte eine absolute Punktlandung hin mit einer nahezu perfekten Inszenierung.
Storytechnisch bietet der Film eigentlich nicht allzu viel neues, was definitiv nicht weiter stört, weil er von Anfang an zu begeistern weiß. Ein Pärchen wohnt in einer abgelegenen Villa eines Vorortkaffs direkt am Waldrand und ahnt nichts Böses, bis ein nächtlicher Anruf beginnt Clementine zu beunruhigen. Schweißgebadet wacht sie nur einige Zeit später auf, weil sie meint, Geräusche im Hof gehört zu haben. Als Mann im Haus geht Lucas natürlich nachsehen und wird beinahe von seinem eigenen Auto überrollt. Ein Alptraum beginnt, den man sich vor dem Hintergrund, dass sich das Ganze wirklich mal in Snagov (Rumänien) abgespielt haben soll, nicht ansatzweise ausmalen will. Fremde dringen in ihr Haus ein und beginnen eine Hetzjagd, die es bisher so selten zu sehen gab.
High Tension hat 2003 wirklich alles begeistert und abgeräumt, was es an Kritiken zu lesen gab, ein Horrorschocker jenseits von gut und böse, der einfach durch die atmosphärische Inszenierung den Zuschauer nicht mehr loslassen wollte. Seitdem warten die Fans immer wieder auf Filme, die den gleichen Flair versprühen wie es beispielsweise Inside 2007 zu wiederholen wusste. Genau zwischen diesen beiden Welten finden wir Them - Spiel oder Stirb wieder, dem in der Vergangenheit absolut zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde - zu Unrecht.
Der Film fasst gerade einmal 74 Minuten und startet quasi von 0 auf 100 in 2 Sekunden. Die als Drehort ausgewählte Villa ist wahrlich so schön und altmodisch wie unheimlich. Die extrem stringente Kameraführung macht jeden Gang, jede Tür, jede Treppe, jeden Flur, jeden Raum zur Zerreißprobe für die Nerven sogar schon zu dem Zeitpunkt, als noch keine Gefahr droht und lässt alles einfach nur unglaublich authentisch wirken.
Was diesen Film in der heutigen Zeit in gewisser Weise besonders macht und mal erfrischend wirkt, ist die Tatsache, dass man 74 Minuten am Stück Gänsehaut haben kann, ohne dass alle 4 Minuten Körperteile durch die Gegend fliegen oder Blut bis an die Decke spritzt. Der Film arbeitet viel mehr statt mit Brutalität mit Dingen, die sich subtil abspielen, die einem schon als Kind Angst gemacht haben, und zwar mit Geräuschen aller Art. Das Stilelement der Geräuschkulisse ist neben der mehr als überzeugenden Optik des Films einfach wahnsinnig gut gemacht. Bei jedem Knartzen, bei jedem Pfeifen, Klingeln, Klopfen, Schaben oder Knacken, man fährt in der Haut zusammen, ohne sich dagegen wehren zu können. Genau aus diesem Grund ist dieser Film so sagenhaft gut.
Eigentlich bleibt an dieser Stelle nicht mehr viel zu diesem Thriller zu sagen, nur eins noch: Wieso dieser fantastische Film nicht die 90% Marke knacken darf, liegt an der öffentlich bekannten, geteilten Meinung über das Ende des Films. Wie schon gesagt, scheiden sich dort die Geister, denn in jedem von uns wird eine unglaubliche Ernüchterung am Ende aufkommen, die entweder blankes Entsetzen aufkommen lässt, weil es sich tatsächlich so abgespielt haben soll oder einen leicht enttäuscht zurücklässt. Trotzdem, ein absolutes Muss für jeden, der auch nur ein bisschen Gefallen am Horrorgenre hat.