Stars versammeln sich um einen alten Schrank aus Holz zu einem perfiden Spielchen. Ein Spiel mit Gefühlen - Wut und Trauer, Liebe und Hass - sowie verbaler und körperlicher Gewalt. Alles scheint sich um den Tod eines Mannes zu drehen, dabei ist letztendlich ein anderer, alles entscheidender Wandel Mittelpunkt des Films. 44 Inch Chest - ein ebenso verwirrendes wie schockierendes Kammerspiel, welches aufgrund der charakterlichen Distanz zum Zuschauer zugleich selbst an Glaubwürdigkeit verliert. Die hochkarätige Besetzung scheitert an wirrem Geschwätz und verfrachtet den Film damit beinahe selbst in einen 44 Inch Chest, einen Sarg des Vergessens.
Ein verstaubter Holzschrank, ein rachelüsterner Gangster und seine zwielichtigen Kumpel. Weil Collin Diamonds Frau ihn mit einem jüngeren Mann hintergangen hat, soll ihr Lover nun dafür büßen. Kurzerhand entführen die Männer den jungen Kellner von seinem Arbeitsplatz und setzen ihn Collin vor, welcher nun die Entscheidung über Leben und Tod trägt. Während der gebrochene Gangster sich selbst nur wenig motivieren kann, setzen seine Freunde alles daran, ihn zum Mord zu bewegen. Anstatt an seine Moral zu appellieren, bestärken sie ihn darin, den Casanova in einen Sarg zu verfrachten.
Viel Gelaber um nichts wäre eine falsche Aussage, schließlich geht es inhaltlich um ein Menschenleben und die verworrene Gefühlswelt eines gefallenen Liebenden, quasi eine Handlung shakespearescher Ausmaße. Dennoch hat der Film über seinen gesamten Spielraum hinweg relativ wenig Substanz und die Dialoge wirken trotz einiger interessanter Anekdoten zu verworren und konträr aufgebaut, als dass sich der Zuschauer großartig dafür begeistern könnte. Mal aufgebläht tiefsinnig, mal vulgär ausflüchtend gestaltet sich der Film als riskanter Balanceakt zwischen Ergründung von Gefühlswelten und oberflächlichem Palaver.
Dabei hat man mit der elitären Schauspielerriege eigentlich eine solide Grundlage für ein Meisterstück geschaffen. Ian McShane, Ray Winstone, Stephen Dillane, Tom Wilkinson und nicht zuletzt John Hurt haben hohe Erwartungen gesetzt, die jedoch schon weit vor der Zielgeraden wieder fallen gelassen werden. Vor allem John Hurts Charakter erweist sich hier als besonders problematisch. Fluchend und mit Vulgaritäten um sich schmeißend, verkauft er sich weder gut, noch glaubhaft. Er lässt sich auf eine Charakterdarstellung ein, die ganz und gar seiner Person entgegen zu stehen scheint und einfach nicht passen will. Hauptkonflikt ist hier jedoch nicht die schauspielerische Leistung, sondern vielmehr die bereits angesprochenen Drehbuchschwächen, welche auch die restliche Nebendarstellerriege nahezu verschwinden lassen. Ausnahme und Lichtblick bildet hier lediglich Ian McShane, der mit seiner Eitelkeit und Coolness als einziger Nebencharakter das Interesse des Zuschauers zu wecken weiß und ihn dazu anregt, sich näher mit seiner Figur auseinanderzusetzten. Woran man sich schon mit der ersten Minute gewöhnen muss, ist die Tatsache, dass alle Charaktere etwas weltfremd daher kommen. Dabei macht Joanne Whalley als fremdgängerische Ehefrau ihre Sache gut und schafft es, im Laufe des Films sowohl die Rolle der seelisch und körperlich Zermürbten wie auch der unberührten und umgarnten Liebe glaubhaft zu verkörpern.
Technisch stechen besonders drei Szenen hervor, die gekonnt am Anfang, in der Mitte und am Ende platziert wurden und einen jeweils bleibenden Eindruck hinterlassen. Hier fügen sich auf einmal sowohl die Charaktere, wie auch die Musik und die Dialoge perfekt in das Setting und die Handlung ein. Drei kleine Höhepunkte, die den Film aus der Belanglosigkeit herausziehen, gestärkt von einem vergleichsweise tiefsinnigen und nachdenklichen Finale.
Letztendlich ist 44 Inch Chest eine sehr düstere und gruselige Charakterstudie, die schon allein aufgrund der Thematik von häuslicher Gewalt und einem gebrochenen Herzen in Verbindung mit dem entgegenstehend flachen Wortwitz der Charaktere nicht wirklich unterhalten kann. Das Ende zieht den Film noch so gerade aus dem Wasser, wobei die auf Mord drängenden Freunde für den Geschmack des einen oder anderen Zuschauers mit Sicherheit zu ungeschoren davon kommen dürften. 44 Inch Chest bleibt somit ein sehr enttäuschender Film, der durch seine körperliche und seelische Grausamkeit und eine bis zum Ende hin durchweg deprimierende Atmosphäre den Zuschauer stets auf ungewollt großer Distanz hält. Die verbalen Schläge ins Gesicht lassen fragen, wozu das ganze Affentheater?