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Toxic Lullaby

(Toxic Lullaby, 2010)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 30. April 2010 (Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Sci-Fi, Thriller
Länge: nicht bekannt Land: Deutschland
Darsteller: Samantha Richter (Eloise), Eva Balkenhol (Penny), Noah Hunter (Bretoria), Andreas Pape (Noa), Yvo Rene Scharf (Negropold), Gerrit Reinecke (Jim), Nima Conradt (Frank), Christian Sprecher (Ziko), Franz Hofmann (Der Mann), Carla vom Hoff (Jilly J), Prashant Prabhakar (Chuck), Reinhold Sievers (Herr Dieter), Kathleen Mrosk (Rosalie), Nina Schlegelmilch (Veronika), Swantje Schwarze (Jennifer)
Regie: Ralf Kemper
Drehbuch: Ralf Kemper


Inhalt

Nach einem Drogentrip erwacht Eloise plötzlich in einer ihr fremden Welt. Eine Finanzkrise und andauernde Krise haben die Weltbevölkerung ins Chaos gestürzt, eine vergiftete Atmosphäre verwandelt jeden, der keine Gasmaske trägt, in eine Art Zombie. Aufgenommen von einer Gruppe nicht mutierter Menschen muss ich Eloise fortan ebenfalls Tag für Tag voran kämpfen, auf der Suche nach Nahrung und dem einzigen Ort auf der Erde, der noch schön ist, der so genannten "Grünen Insel".
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Toxic Lullaby hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 33%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Kurt Meinicke
Toxic Lullaby hat eine Wertung von 33%
Einmal mehr überrascht ein Low-Budget Film aus Deutschland die Filmfans: Mit Toxic Lullaby schuf Regisseur und Drehbuchautor Ralf Kemper einen apokalyptischen Endzeit-Thriller, den er mit verschiedenen, überraschenden Zutaten würzte. Heraus kam ein von der Handlung her durchaus interessanter Independent-Streifen, welchem aber leider ein stringenter roter Faden, sowie wirklich überzeugende Hauptdarsteller fehlen. So wird die eigens auferlegte Ernsthaftigkeit leider schnell zum Stolperstein, weswegen das Werk trotz guter Ansätze am Ende leider nicht überzeugen kann.

Bild aus Toxic Lullaby Ist Toxic Lullaby ein Amateurfilm, oder doch ein semi-professioneller Independent-Film? Handelt es sich dabei um Zombie-Horror, oder doch um einen Endzeit-Thriller? Beide fragen sind alles Andere als einfach zu beantworten. Bei dem riesigen und eindrücklichen Aufwand, welcher hier betrieben wurde, kann man mit Sicherheit nicht von einer amateurhaften Herangehensweise reden, und für einen Zombiefilm treten die hier Schläfer genannten Mutanten zu sehr in den Hintergrund. Der für das Drehbuch verantwortliche Regisseur Ralf Kemper (Überfall der Mörderrucksäcke) hat in seinem neuesten und sehr düsteren Werk viele interessante Ideen eingebracht, welche der präsentierten Geschichte eine überraschende Vielschichtigkeit verleihen:

Als Eloise (Samantha Richter) sich an einem schönen Sommertag mit ein paar Freunden in der freien Natur einem Drogenrausch hingibt, erwacht sie plötzlich in einer zerstörten und trostlosen Welt. Schon bald wird sie von ein paar mit Gasmasken ausgestatteten Leuten in deren Gruppe um den ihr wohlgesonnenen Bretoria (Noah Hunter) aufgenommen, und erfährt in der Folge immer mehr über eine globale Finanzkrise, weltweite Kriege und der daraus resultierenden giftigen Atmosphäre. Wer keine Gasmaske trägt, verwandelt sich bald in einen blutrünstigen Mutanten (den klassischen Zombies nicht unähnlich, wobei diese Schläfer hauptsächlich im Dunkeln auf die Jagd gehen, und dabei sehr flink sind) und hat keine Chance mehr auf eine Heilung. Die nicht mutierten Überlebenden dieser apokalyptischen Welt haben sich in Gruppen aufgeteilt und kämpfen tagtäglich nicht nur ums Überleben, sondern auch um Nahrung. Da diese sehr knapp geworden ist, sind auch sie zu Kannibalen geworden, und die einzige verbleibende Hoffnung ist die sogenannte Grüne Insel, welche den letzten noch intakten Ort und den Traum eines jeden einzelnen darstellt.

Neben dem kleinen und eher oberflächlichen Seitenhieb auf die Finanzkrise, sind Drogen ein sehr wichtiges Element in diesem Film. Von Anfang an wird mit dem Umstand gespielt, dass nicht ganz klar ist, was denn nun die Realität darstellt und was nicht. Zwar wird diese Frage auch am Ende nicht geklärt, doch genau dies macht den größten Reiz des Filmes aus: Es gibt auch zum Schluss noch immer zwei Möglichkeiten, wobei jede davon ihre ganz eigene Moral transportiert. Für diesen Schachzug hat Ralf Kemper großes Lob verdient und bisher auch durchs Band erhalten. Leider machen viele andere Elemente in Toxic Lullaby aber eine weniger gute Figur, denn oftmals wird ein Thema nur angeschnitten, um es kurz darauf wieder fallen zu lassen. So hangelt sich Eloise von Erkenntnis zu Erkenntnis, ohne dabei mehr zu lernen, als dass ihre Situation sehr aussichtslos ist. Es fehlt somit eine klare Richtung, weswegen der Film vor allem daraus besteht, dass Eloise jemandem folgt, oder von jemandem verfolgt wird. Zwar ist die Filmmusik nahezu durchgehend sehr passend, und die gewählten Drehorte unterstreichen gekonnt die düstere und beinahe leblose Welt, doch können diese Dinge leider nicht über den mangelhaften Erzählfluss hinweg täuschen.

Somit liegt es an den Darstellern, mit ihrem Spiel das Interesse des Zuschauers aufrecht zu erhalten. Leider gelingt aber auch dies nicht, denn auch wenn Samantha Richter und Noah Hunter als Hauptfiguren positiv herausstechen, so haben doch alle Nicht-Statisten (Statisten gibt es übrigens überraschend viele; da wurden keine Mühen gescheut!) ein Problem mit der Intonation der Dialoge. Zu oft wirken die gesprochenen Zeilen aufgrund des jeweiligen Tonfalls - welcher mal vollkommen übertrieben, und mal unglaublich monoton erscheint - deplatziert, was über kurz oder lang in sich festsetzender Langeweile mündet. Würde es sich bei Ralf Kempers Film um eine Komödie handeln, wäre dieser Umstand überhaupt nicht tragisch. Schließlich haben wir es hier trotz allem nicht mit Profis zu tun, und in Anbetracht dieser Tatsache möchte man auch keine zu großen Vorwürfe machen. Dennoch muss man aber klar festhalten: Wenn ein Film sich selbst dermaßen ernst nimmt, dann muss der Zuschauer auch die Darsteller ernst nehmen können. Ansonsten kann ein solcher Film die geforderte Seriosität einfach nicht aufrecht erhalten, was ihm dann zwangsläufig zumindest teilweise das Genick bricht.

Das Filmteam um Ralf Kemper besitzt eindeutig ein riesiges Potential, welches im Fall von Toxic Lullaby unglücklicherweise nicht bis zur letzten Konsequenz ausgespielt wurde. Natürlich ist es eine positive Überraschung, dass ein solcher mit sehr geringem Budget realisierter Film in Deutschland gedreht und produziert wurde, und die vorhandenen guten Ansätze verdienen großen Respekt. Doch wenn der Abspann vorbei ist, zählt nun einmal das Gesamtbild. Und dieses verliert hier durch mehrere kleine (oder weniger kleine) Defizite massiv an Qualität. Vielleicht wollte man auch einfach zu viel und hat sich dabei etwas übernommen? Die nächsten Werke von Ralf Kemper werden es zeigen, denn diesen Mann sollte man trotz allem auf jeden Fall im Auge behalten!



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