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Der ganz große Traum

(Der ganz große Traum, 2010)

Dt.Start: 24. Februar 2011 Premiere: 2010 (Deutschland)
FSK: o.A. Genre: Drama, Sport
Länge: 113 min Land: Deutschland
Darsteller: Daniel Brühl (Konrad Koch), Burghart Klaußner (Gustav Merfeld), Thomas Thieme (Dr. Roman Bosch), Jürgen Tonkel (Dr. Jessen), Vincent Kastner (Offizier zu Hohenlohe), Kathrin von Steinburg (Klara Bornstedt), Axel Prahl (Schricker Sen.), Theo Trebs (Felix Hartung), Adrian Moore (Joost), Till Valentin Winter (Otto Schricker), Lennart Betzgen (Emanuel), Tim Blochwitz (Claasen), Josef Dragus (Zumbrink), Fabio Seyding (Hans), Sten Horn (Wilhelm)
Regie: Sebastian Grobler
Drehbuch: Philipp Roth, Johanna Stuttmann


Inhalt

Konrad Koch übernimmt im Jahre 1874 eine Stelle an einem konservativen Gymnasium als junger Englischlehrer. Doch die fremde Sprache will einfach nicht in die Köpfe der jungen Schüler gehen, also greift Konrad zu einem interessanten Mittel: Sport als Vermittlung. Der britische Volkssport Fußball begeistert im Nu alle Schüler, doch von seinen Kollegen und etlichen Eltern wird Konrad eher kritisch bedacht und scheint in seinem Beruf bald auf wackligen Beinen zu stehen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der ganz große Traum hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 71%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 72 für Der ganz große Traum

Auch wenn von der wahren Geschichte des Konrad Koch wenig bis gar nichts mehr übrig geblieben ist, kann die deutsche Kopie von Der Club der toten Dichter durchaus überzeugen. Im Vergleich zu seinem Vorbild wird die Thematik nur auf Fußball und wie er angeblich Einzug in Deutschland gefunden hat umgemünzt. Die Sportart selbst ist dabei trotz einiger netten Anspielungen (so vermag es entgegen aller Klischees nur eine Frau der breiten Masse Abseits in wenigen Worten erklären) klar im Hintergrund: Alles dreht sich um einen Lehrer und seiner Klasse die für ihr Freidenkertum gegen die Obrigkeit rebellieren müssen und dafür jede Menge Ärger bekommen. Das Ganze ist optisch schön eingefangen, hat das Who is Who des deutschen Schaupiels zu bieten, bei denen sich auch Daniel Brühl nach seiner tollen Leistung bei den Inglorious Basterds erneut für weitere Rollen empfehlen konnte. Ein wunderbares Feel-Good-Movie das trotz der üblichen kleinen Genreschwächen für alle zu empfehlen ist die schon bei O Captain my Captain den Kinosaal mit Gänsehaut verlassen haben.

Kritik

von Benjamin Schieler
Der ganz große Traum hat eine Wertung von 70%
Im streng konservativen Deutschen Reich ist der spätere Volkssport Fußball noch gänzlich unbekannt, der selige Turnvater Jahn diktiert den Unterrichtsplan. Da kommt 1874 der junge Lehrer Konrad Koch aus seinem englischen Exil an eine Braunschweiger Schule - mit einer Kugel im Gepäck. Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden stoßen bald auf Widerstand. Die auf wahren Begebenheiten basierende Handlung trägt zuweilen etwas zu dick auf, Fußballfans werden sich trotzdem blendend amüsieren.

Bild aus Der ganz große Traum Disziplin und Ordnung sind elementare Grundsätze: Was im Großen für das mächtige Deutsche Reich gilt, gilt ebenso im Kleinen für das Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum. Der junge Lehrer Konrad Koch (Daniel Brühl, Die kommenden Tage) aber hält nicht viel von autoritärer Erziehung. Im Umgang mit seinen Schülern aus der Untertertia gibt er sich kameradschaftlich. Als Visionär ist er vom fortschrittlich denkenden Schulleiter Gustav Merfeld (Burkhart Klaußner, Das weiße Band) angeheuert worden, um Englisch zu lehren. Koch hat aus seiner Zeit auf der britischen Insel zwar eine Menge frischen Wind mitgebracht, seine Bemühungen aber, dem deutschen Nachwuchs die englische Sprache und Aussprache beizubringen, sind anfangs nicht von Erfolg gekrönt. Im Moment der größten Frustration beordert er den unwilligen Haufen in die Turnhalle. Dort schwärmt der Lehrer seinen verdutzten Schützlingen von einer in England bereits hoch populären Sportart vor, von der diese noch nie etwas gehört haben, aber bald begeistert sein werden: dem Fußball.

Den preußisch geprägten alteingesessenen Lehrern (unter anderem Thomas Thieme, Das Leben der Anderen) und einflussreichen Eltern (zum Beispiel Justus von Dohnányi, Jud Süss - Film ohne Gewissen und Axel Prahl, Berlin '36) gehen die Methoden des Neuen jedoch ganz entschieden zu weit, zumal es Koch auch noch wagt, das dogmatische Bild von England gerade zu rücken. Die konservativen Kräfte setzen ein Fußballverbot in der Schule durch. Ihr Nachwuchs aber hat längst Blut geleckt und trifft sich fortan nachmittags im Park - bis auch die Freizeitbeschäftigung auffliegt und der Fußball zu sterben droht, bevor er überhaupt richtig angefangen hat zu leben.

Der Film des Gelegenheitsregisseurs Sebastian Grobler (drehte 2008 eine Folge der TV-Serie "Sturm der Liebe" und 2003 den Film Morgen früh ist die Nacht rum) basiert lose auf wahren Begebenheiten hinsichtlich der Anfänge des Sports, der heute des Deutschen liebstes Kind ist. Der echte Konrad Koch war in der Tat einer von mehreren Pionieren, die den Fußball in Deutschland einführten. Am 13. Februar 1846, vor 165 Jahren also, wurde er in Braunschweig geboren, wo er im April 1911 auch starb. Vieles, was in Der ganz große Traum thematisiert wird, entspricht wahren Verhältnissen. Einiges, so Grobler, habe man "dramatisiert, zugespitzt oder überhöht". Prompt überspannen Grobler und seine Drehbuchautoren Philipp Roth (Schwere Jungs) sowie Johanna Stuttmann den Bogen gewaltig. Preußen und Briten sind in ihrem Film klischeebehaftete Abziehbilder. Die Deutschen sind geradlinig und steif, die Briten teetrinkende Raufbolde. Kaum verwunderlich ist es auch, dass sämtliche Figuren allzu leicht in ein simples Gut-Böse-Schema gepresst werden können. Ein Hauch von Sozialromantik darf auch nicht fehlen, weswegen der junge Arbeitersohn Joost (Adrian Moore, Friendship!) vom verachteten Außenseiter zum umjubelten Torjäger wird.

Über diese Aspekte lässt sich aber hinwegsehen. Der ganz große Traum erzählt ansonsten eine durchaus unterhaltsame Geschichte. Der Film ist gewissermaßen Der Club der toten Dichter für Fußballfans, gespickt mit amüsanten Andeutungen, darunter solchen, die wunderbar ins Frauen-Weltmeisterschaftsjahr 2011 passen. Und er schafft Konrad Koch ein kleines Denkmal, das sich der Entwicklungshelfer in den Augen Millionen Deutscher verdient hat.



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