Die Geburt ist der Beginn und der Tod das Ende. So hat man es gelernt. Was aber, wenn der Tod nur eine Phase wäre und der Liebste, der gegangen ist, aus dieser wieder herausgelöst werden könnte? Die Liebe zwischen Rebecca und Thomas war vorbestimmt. Das Schicksal, das die beiden entzweite, hatte kein Recht dazu. Rebecca sucht einen Weg, ihren toten Freund mit den Mitteln der modernen Wissenschaft aus dem Jenseits zurückzuholen. Womb siedelt sich in einem Genre-Niemandsland an, erzählt von einer obsessiven Liebe und wozu diese einen Menschen treiben kann. Ganz ohne konstruierte Wendungen und verschrobener Wissenschaftsmystik ging es aber nicht.
Existiert so etwas wie Vorsehung, Fügung oder Bestimmung? Etwas, das die Schicksale von Menschen miteinander verknüpft und über den Tod hinaus wirken kann? Rebecca und Thomas sind noch Kinder als sie sich das erste Mal begegnen. Thomas lebt auf einer Nordsee-Insel, Rebecca besucht dort für einige Wochen ihren Großvater. Die beiden Kinder freunden sich schnell an und es entsteht der Anflug einer kleinen unschuldigen Romanze. Rebecca kann aber nicht bleiben. Sie muss ihren Eltern nach Japan folgen. Zwölf Jahre später kehrt sie zurück, an den Ort ihrer ersten großen Liebe. Thomas wohnt noch immer dort. Als wäre es Bestimmung, fügt sich alles ineinander: Rebecca und Thomas werden ein Liebespaar; als hätte die Zeit dazwischen nicht existiert und als wäre auch alles andere völlig bedeutungslos: Rebecca ist studierte Mathematikerin, während Thomas mit seiner Lebenszeit nicht wirklich viel angefangen hat und sich als Öko-Aktivist betätigt.
Das Schicksal gesteht ihnen aber keine lange Periode des Glücks zu. Auf dem Weg zu einer Protestaktion begleitet Rebecca ihren Liebsten. Mitten in der Einöde muss sie plötzlich raus. Thomas hält an; nach ein paar Augenblicken beschließt er auch auszusteigen; sich die Beine zu vertreten. Ein mit überhöhter Geschwindigkeit heranbrausender Transporter erfasst ihn. Er ist auf der Stelle tot. Rebecca ist am Boden zerstört und macht sich schlimme Vorwürfe, doch auch Thomas Eltern leiden furchtbar. Eines Abends lädt Rebecca sie zu einem Gespräch ein. Sie ist auf eine sonderbare Idee gekommen, die Thomas aus dem Jenseits wieder "zurückbringen" könnte. Es gibt eine Klinik, die sich auf das Klonen von Haustieren spezialisiert hat - warum sollte das nicht auch bei Menschen möglich sein? Ihr fehlt nur etwas von Thomas DNS, um den Versuch zu wagen. Damit beginnt eine Odyssee und Suche nach Liebe und Erfüllung, die über 20 Jahre dauern soll.
Was wie eine süßlich-naive Kinder-Lovestory beginnt, wandelt sich schlagartig zu einer echten Tragödie, um schlussendlich in eine Art mystischen Soft-Scifi-Horror zu münden, der viele gesellschaftliche Fragestellungen aufwirft und ganz dezente Anleihen bei Mary Shelleys Klassiker Frankenstein nimmt. Dass sich der Film dabei zuweilen verzettelt und vieles wissenschaftlich nicht wirklich Sinn ergibt, braucht nicht verwundern. Ziel war es schließlich nicht ernstlich in den Gefilden zu wildern, die dem Sci-Fi-Genre gehören, beispielsweise Splice - Das Genexperiment, in dem die Grenzen der Machbarkeit der Gentechnik Thema war, sondern eine Geschichte um eine obsessive Liebe zu erzählen, die vor nichts zurückschreckt, um zu ihrer Erfüllung zu gelangen.
Gedreht wurde Womb auf Sylt, das im Film zu einer Art Mikrokosmos und zugleich Spiegel der Gesellschaft gerät. Die Handlung setzt im Jetzt ein und führt in eine nahe Zukunft, ohne aber, dass dies an etwas ringsum festzumachen wäre. Nicht einmal die Protagonistin scheint zu altern. Die Zeit wirkt in dieser Isolation merkwürdig eingefroren. Einziger Hinweis, dass man sich zeitlich vorwärts bewegt, sind die im Filme zitierten fortschrittlicheren medizinischen Verfahren, die das Klonen von Menschen in dieser Form erst alltäglich machen. Die neue "Spezies" von Klonkindern und ihre Mütter werden als neuer gesellschaftlicher Randbereich gezeichnet; das sind nun jene, mit denen sich die "Normalen" nicht abgeben. Eine gewisse groteske Note birgt das schon und öffnet zudem grundlegenden ethischen Diskussionen Tür und Tor - sofern man das natürlich möchte.
Überdies gesellen sich, nicht wirklich überraschend, inzestuöse Motive hinzu, schließlich lässt die Handlungsweise der Protagonistin, die ihren Lover (wieder) auf die Welt befördern möchte, tief blicken und heizt die Geschichte moralphilosophisch auf. Wohin das alles münden könnte, ist nahezu absehbar, demnach verwundert es anderseits auch wenig, dass im Vorhinein vieles konstruiert wurde, um die Geschichte in dieser Form zu erzählen. Das Hauptaugenmerk lag allerdings auf einer poetisch-melancholischen Sicht von Schicksalsgeschehen und den menschlichen Mitteln, dieses abzuändern. Der sinnliche visuelle Stil, die schönen Bilder der Insel und des tosenden Meeres sowie der tragende aber unaufdringliche Score unterstützen diese Seite des Films ganz vortrefflich.
Ob allerdings das Ex-Bond-Girl aus Casino Royale, Eva Green, für diese nicht unkomplexe Geschichte die richtige Wahl war, darf durchaus angezweifelt werden. Die Begrenztheit ihrer Ausdrucksmittel sprechen jedenfalls eher dagegen. Und auch Matt Smith als Thomas, lässt nicht wirklich die Sympathien hochschnellen. Wissenschaftlich mit seiner Negativ-Zukunftsutopie nicht wirklich beängstigend, da irgendwie hanebüchen, zudem manchmal zu bemüht und konstruiert, lebt Womb von seiner märchenhaften Struktur, der Poesie der Bilder und einer grotesken Faszination aus der absonderlichen Handlung. Damit gelingt ein Kunstgriff, der aber zumindest einer kleinen Klientel von Cineasten einen netten Kinoabend ermöglichen könnte.