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Wer ist Hanna?

(Hanna, 2011)

Dt.Start: 26. Mai 2011 Premiere: 08. April 2011 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Action, Abenteuer
Länge: 111 min Land: USA, UK, Deutschland
Darsteller: Saoirse Ronan (Hanna), Cate Blanchett (Marissa Wiegler), Eric Bana (Erik Heller), Olivia Williams (Rachel), Tom Hollander (Isaacs), Dee Bradley Baker (FBI Soldier), Jessica Barden (Sophie), Michelle Dockery, Cyron Bjørn Melville, Paris Arrowsmith (CIA Tech), John MacMillan (Lewis), Jamie Beamish (Burton), Vicky Krieps (Johanna Zadek)
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Seth Lochhead, David Farr


Inhalt

Hannas Vater ist ein ehemaliger CIA-Agent und hat den Plan gefasst, sie zu einer perfekten Auftragsmörderin auszubilden. Daher verbringt Hanna ihr Leben in einem Trainingscamp in der Wildnis Finnlands. Als sie von ihrem Vater mit einem Auftrag losgeschickt wird, sieht sie sich Agenten die sie verfolgen, Enthüllungen über ihre Existenz und mit unerwarteten Fragen über ihre Menschlichkeit konfrontiert.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Wer ist Hanna? hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 68%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 71 für Wer ist Hanna?

Ausgerechnet Joe Wright mag man im Vorfeld dieses Werkes denken; doch im Gegensatz zu den Befüchtungen erweist sich seine Inszenierung als große Stärke des Filmes und kann die unzähligen Logiklöcher und kleinen Peinlichkeiten im Verhalten einiger Charaktere mühelos überdecken. Jedes Bild trifft den richtigen Ton und wenn wir schon beim Ton sind: Der eigenwillige Soundtrack der Chemical Brothers haut den Zuschauer schlichtweg aus dem Sitz. Saoirse Ronan geht in der Rolle des jungen Killers wunderbar auf und auch die Spannung wird trotz der angedeuteten Ärgernisse durch die Bank hochgehalten. Wer mal wieder einen optisch gelungenen und vor allen Dingen sehr eigenwilligen Film sehen will, der ist hier an der richtigen Adresse; auch wenn inhaltlich leider das Potential nicht ausgeschöpft wurde.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Wer ist Hanna? hat eine Wertung von 65%
Hanna ist bereit für die Welt. Wo aber für normale Teenager-Mädchen nur die üblichen Gefahren lauern, wird auf Hanna gleich systematisch die Hatz von einer Abteilung der CIA eröffnet. Hanna umgibt ein Geheimnis. Perfekt von ihrem Vater Erik für den Kampf ausgebildet, ist sie aber in der Lage, selbst mit gut ausgebildeten Agenten fertig zu werden. Wer ist Hanna erinnert von der Optik her oft an einen Old-School-Agentenfilm, nimmt aber auch Anleihen bei Coming-of-Age-Dramen und pendelt somit zwischen Actionsstreifen und Arthousefilm. Dieses schwierige Unterfangen ist leider nicht ganz optimal umgesetzt worden.

Bild aus Wer ist Hanna? Lange waren Frauen in Filmen früherer Jahrzehnte meist hilflose Geschöpfe, die der Hilfe der Männer zur ihrer Errettung bedurften. Heutzutage hat sich das Kino zumindest teilweise rehabilitiert und es finden sich immer mehr weibliche Heldencharaktere, die "ihren Mann stehen". Trotzdem ist es immer noch alles andere als alltäglich, wenn sich ein zartes Wesen plötzlich als das ultimative Aufmischkommando entpuppt. Solche Wendungen wie beispielsweise in Serenity - Flucht in neue Welten oder Babylon A.D. überraschen und verstören vielleicht sogar ein wenig, da es sich in solchen speziellen Fällen nicht nur um Frauen handelt, die plötzlich zu Dingen imstande sind, die niemand für möglich gehalten hätte; es sind zudem Teenager, die noch nicht mal richtig erwachsen sind.

Wer ist Hanna hält mit der Offenbarung des wahren Potenzials der Protagonistin nicht lange hinter dem Berg. Der Film atmet zu Beginn inmitten verschneiter Waldlandschaften zwar ein wenig das Flair eines Endzeitstreifens, doch dieser Eindruck verflüchtigt alsbald. Hanna (Saoirse Ronan) hat soeben mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegt und weidet ihn gerade aus, als sie plötzlich von einem bärtigen Mann attackiert wird. Beide liefern sich in tiefem Schnee und Fellmontur einen ordentlichen Kampf, durchzogen von diversen Techniken, wie man sie von Elitesoldaten her gewohnt ist. Die ganze Show ist aber nicht mehr als ein kleiner Trainingskampf zwischen Vater und Tochter.

Von klein auf zieht Erik (Eric Bana), ein ehemaliger Top-Agent der CIA, Hanna in dieser abgelegenen Einöde groß und trainiert sie für alle erdenklichen (Kampf-)Situationen. Ganz grundlos geschieht das nicht: Er bereitet sie auf die Dinge vor, die eines Tages kommen werden. Nicht mehr lange und sie ist gut genug, um mit allem fertig zu werden. Auch Hanna dürstet auf diesen Tag; alles was sie über die Welt da draußen weiß, hat sie schließlich aus alten Lexika. Sie möchte endlich in die Welt hinaus. Wann der besondere Tag aber kommen wird, an dem sie ihrem Schicksal entgegentritt, kann sie selbst bestimmen: Es gibt einen Sender, der aktiviert, ihren Standort an die Behörden übermittelt. Dann werden Agenten kommen, um Hanna in Gewahrsam zu nehmen. Verantwortlich dafür ist Marissa (Cate Balnchett), eine eiskalte Geheimdienstlerin - und Hannas Widersacherin, der sie sich stellen muss.

Nachdem sich das atmosphärische Flair des Einstiegs aufgelöst hat, welches ein wenig an The Road erinnerte und damit auch der einhergehende Arthouse-Charme erst mal verflogen ist, entwickelt sich eine seltsame Handlung, die zugleich etwas von Supersoldier-Sci-Fi hat, als auch retromäßig an Agenten-Thriller der späten 1970er - aus der Kalter-Krieg-Ära - erinnert. Actioneinlagen gibt es im Verlauf einige, und die Kämpfe sind handwerklich eindeutig von dem geprägt, was die Bourne-Sequels inzwischen als Hand-to-Hand-Combat etabliert haben, wenn ein junges Teenager-Mädchen auf diese Weise loslegt, ist es dennoch außergewöhnlich.

Wer nun einzig und allein eine atemlose Hatz mit viel Close Combat erwartet, muss sich phasenweise aber sehr gedulden. Zwischendurch holt Hanna erst mal etwas ihrer verlorenen Zeit nach und ist einfach ein noch nicht erwachsenes Mädchen, das sich gerne mit Gleichaltrigen umgibt und eine Familie hat. Diese Passagen sind zwar einerseits für die Charakterzeichnung sicherlich nicht verkehrt, bremsen den Plot des Agententhrillers anderseits deutlich aus. Dafür, dass die Spannung kontinuierlich hochgehalten wird, ist aber ohnehin eher der Frage geschuldet, warum der Geheimdienst überhaupt Jagd auf Hanna macht und wie es eigentlich möglich ist, dass eine Jugendliche (selbst dann, wenn sie von einem Elite-Agenten trainiert wurde) stark genug sein kann, um es mit mehreren gut ausgebildeten Männern aufzunehmen?

Eine besondere Erwähnung verdient der Score, der zwar passend abgemischt wurde und gerade in den Verfolgungs- und Actionsequenzen ungemein tragend zur Geltung kommt, allerdings derart einhämmert, dass er für einen Bombast-Blockbuster komponiert scheint. Inwieweit das als für diesen Film noch angemessen angesehen werden darf, kann somit infrage gestellt werden. Das gilt leider ebenfalls für die grundsätzlich Logik des Geschehens: So ganz will schließlich nicht einleuchten, warum Hanna überhaupt den Sender aktiviert und sich dem allen stellt. Viel einfacher will es erscheinen, wenn sie und Erik einfach anonym in irgendeinem abgelegenen Kaff untertauchen und versuchen, ein Leben mit anderen Identitäten zu führen.

In einer verworrenen Geschichte, die zwar nicht überfordert, aber zumindest für ein paar Irritationen verantwortlich sein kann, stimmt einiges, wie die darstellerische Leistung der meisten Beteiligten (wenn auch Cate Blanchett insgesamt etwas zu blass bleibt). Und auch die Action weiß zu überzeugen. Dieses Pendeln zwischen Agententhriller und Arthousedrama-Light macht es aber nicht unbedingt leicht, richtig mit dem Film warm zu werden. Nicht Fisch, nicht Fleisch, versucht sich Wer ist Hanna an einem interessanten Genremix mit eigenem Erzählrhytmus, verfehlt das (hochgesteckte) Ziel aber ein Stückweit.



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