Kaum raus aus dem Kino, geht es bereits in die nächste Runde. Das Leben ist ein Jahr später und eine Klasse in der Middle-School weiter aber nicht einfacher geworden. Zuhause tobt immer noch der Wahnsinn. Gregs Eltern haben hohe Erwartungen, sein älterer Bruder terrorisiert ihn und der jüngere hat nur Schabernack im Kopf. Doch Greg hat ohnehin nur noch Augen für Holly Hills. Obschon es eine direkte Fortsetzung ist, blieb geradezu wenig Substanz aus dem ersten Teil erhalten. Die Story ist deutlich schwachbrüstiger und die soften Dramaelemente wurden zugunsten eingängigen Klamauks nahezu getilgt. Stellt sich die Frage, was noch das Besondere an dem Streifen ausmachen soll.
Ein Jahr ist Vergangen, seit Greg (Zachery Gordon) und sein naiv-pummeliger Freund Rupert (Robert Capron) - im Original Rowley - als Frischlinge auf die Middle-School kamen. Inzwischen sind sie nicht mehr der Willkür und den Rüpeleien der älteren Schüler ausgeliefert, und der Schulalltag ist nicht ständig ein einziger Spießrutenlauf. Sogar den ominösen "Käsefluch" ist Greg inzwischen los und könnte sich somit auf wesentlichere Dinge im Leben eines Beinahe-Teenagers konzentrieren, wie die engelsgleiche Holly Hills (Peyton List) anzuschmachten, in der Hoffnung sie würde ihn eines Tages wahrnehmen.
Leider hat Greg aber schon genug damit zu tun, die Ansprüche und Erwartungen seiner Eltern zu erfüllen, was angesichts der Tatsache, dass sein älterer Bruder Rodrick (Devon Bostick) es nicht lassen kann, ihm das Leben zu Hölle zu machen, nicht einfach fällt. Und sein jüngerer Bruder hat auch nur irgendwelchen Unfug im Kopf, für den Greg anschließend geradestehen muss. So kann das nicht weitergehen, das haben auch Gregs Eltern in ihrer ganzen Erziehungsberechtigten-Weisheit erkannt. Besonders der unaufhörlich tobende Kleinkrieg zwischen Rodrick und Greg muss aufhören. Dazu hat sich ihre Mutter ein monetäres Belohnungssystem ausgedacht. Umso mehr Zeit die beiden einträchtig miteinander Verbringen, desto besser für ihre Finanzen. Das neue Konzept scheint sogar aufzugehen; und über die erzwungene Waffenruhe beginnen sich die Brüder tatsächlich näher zu kommen.
Es war nicht zu erwarten, dass man es bei einer derart erfolgreichen Kinderbuchreihe bei lediglich einem Film belassen wurde. Auf über 43 Millionen verkaufter Exemplare hat es die Gregs Tagebuch-Reihe (Diary of a wimpy Kid) des Autors und Zeichners Jeff Kinney inzwischen weltweit gebracht. Im deutschsprachigen Raum sind bereits auch schon fünf Bände erschienen, die es auf eine Auflage von 1,8 Millionen bringen. Jede Menge Material also, um noch viele Filme produzieren zu können.
Schon bei diesem zweiten Teil wurde der Anspruch aber deutlich nach unten geschraubt. Inszenatorisch gleich geblieben ist zwar der markante Cartoon-hafte Charakter und Einblendungen, die in Gregs Phantasiewelten entführen, in die er sich aus lauter Frust gerne flüchtet; dazu ein Eltern-Paar, das extrem überzeichnet, sich nicht einmal aus der Perspektive eines Zwölfjährigen derart abbilden würde und damit nervig-verstrahlt, stets für Emotionen zwischen Fremdschämen und leichtem Grusel sorgt. Und auch Gregs Schulfreunde fehlen nicht, allen voran Busenkumpel Rupert, dessen Part diesmal spürbar eingedampft wurde. Seltsam auffällig bei Gregs Clique ist allerdings, dass obwohl er im Grunde um nichts mehr auf der Welt ringt, als "Normalität", seine Kumpel geradezu wie ein Haufen Nerds wirken. Und beinahe an jüngere Ichs der Protagonisten aus der amerikanischen Sitcom The Big Bang Theory erinnern. Vielleicht davon abgesehen, dass sich unter ihnen aber definitiv keine zukünftigen Genies befinden.
Machte Teil eins noch spürbar auf Dramödie, Coming-of-Age-Story und Buddy-Movie, fällt es bei der Fortsetzung deutlich schwerer, herauszufiltern, was ihr eigentlicher Grundtenor sein soll. Von Drama kann zumindest nicht mehr die Rede sein, da der Streifen deutlich auf (zuweilen allzu platten) Klamauk getrimmt wurde. Neue Wege geht Gregs Tagebuch 2 - Gibt's Probleme? in puncto Humor aber nicht; allein schon da nichts vorkommt, was es in beliebig vielen anderen Jugend- oder Teenagerfilmen nicht bereits gab. Die Coming-of-Age-Story ist selbstredend vorhanden, schließlich steckt Greg noch geradezu am Anfang seines Heranwachsen, allerdings wird das diesmal nicht ernstlich konsequent thematisiert; dafür rückt eine kleine Romanze stärker in den Fokus - und natürlich (da es auch so völlig neu und klischeefrei ist) muss es die unerreichbare Schulschönheit sein. Bleibt der Buddy-Movie-Charakter, dem man dem Streifen nicht absprechen braucht, wobei diesmal die Beziehung der beiden Brüder im Mittelpunkt steht.
Ohne allzu lange rätseln zu müssen, wird schnell klar, dass Teil zwei deutlich wirrer und zerfahrener als sein Vorgänger ist. Dieses grundsätzliche Manko in der Erzählstruktur schleppte schon Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt! mit sich herum und es setzt sich nun nahtlos wie verstärkt fort. Das mag mitunter daran liegen, dass die hastig produzierte Fortsetzung (zwischen Teil eins und zwei liegt nicht einmal ein volles Jahr!) kaum mit einer interessanten Geschichte aufzuwarten weiß. Musste sich Greg zuvor durch die Unbillen der Anpassung in der Middle-School kämpfen und sich einen Platz in der Schulhierarchie erkämpfen, was viele Selbstfindungsprozesse auslöste, ist nun sein Hauptproblem mit seinem älteren Bruder besser auszukommen und möglicherweise eines Tages die Aufmerksamkeit seiner Angebeteten auf sich zu ziehen - ohne dabei wie ein Volltrottel zu wirken
Vormals stand ihm in solchen elementaren Situationen als weise Ratgeberin und cooles Vorbild die ältere Schülerin Angie alias Chloe Moretz, das Hit-Girl aus Kick-Ass, zur Seite und sorgte überdies allein schon mit der Präsenz ihres Charakters dafür, dass der ganze Film kecker, intellektueller und irgendwie erwachsener wirkte. Ihre Absenz in der Fortsetzung macht sich nun mehr als deutlich bemerkbar; zumal nicht einmal versucht wurde, eine neue, für die Geschichte essentielle, Figur einzuführen. Vor dem Dilemma stehend, die Bücher schnell genug umzusetzen, bevor den Machern die Jungdarsteller regelrecht wegaltern, wurde offensichtlich wieder mal derart schnell nachgelegt, dass kaum Zeit blieb, ein gescheites Plotsüppchen zusammen zu rühren. Dass Kommerz und Qualität aber nicht zwangsläufig zusammen gehen, ist nun wirklich nichts Neues.