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Der Fall Randall Adams

(The Thin Blue Line, 1988)

Durchschnittliche Redaktionswertung

45%



Inhalt

Bei einer Kontrolle im Straßenverkehr wird ein Polizist kaltblütig ermordet. Daraufhin wird der Fall im Polizei-Revier aufgenommen und zwei Verdächtige präsentieren sich den Kommissaren. David Ray Harris weist ein großes Vorstrafenregister auf und behauptete in seiner Heimatstadt, einen Polizisten ermordet zu haben. Bisher völlig unschuldig, gerät auch der junge Randall Adams ins Visier der Polizei. Im Verlaufe dieser Dokumentation wird aufgezeigt, dass Korruption in der Exekutive eines Staates definitiv nicht ausgeschlossen ist.

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Der Fall Randall Adams

Kritik

von Florian Lieb

Wertung Kritik

45%

Für die meisten US-Kritiker zählte Errol Morris' Dokumentation Der Fall Randall Adams zu den besten Filmen des Jahres 1988. Aufgrund seines fiktionalisierenden Charakters von der Oscarjury im Folgejahr rechtens unbeachtet geblieben, stellt Morris' Film zwar eine Verbesserung zu seinen früheren Werken dar, muss allerdings dennoch als gescheitert erachtet werden.

Bild aus Der Fall Randall Adams Wer sich heutzutage eine historische Dokumentation ansieht, bevorzugt von Guido Knopp im Zweiten Deutschen Fernsehen, kommt nicht umhin, die eine oder andere nachgestellte Szene über den Bildschirm flimmern zu sehen. Ein Verdienst, der weithin dem US-amerikanischen Dokumentarfilmer Errol Morris zugeschrieben wird, der sich nachgestellter Szenen bediente, um den Tathergang eines Polizistenmordes für den Zuschauer zu visualisieren. Nachts um halb Eins wird ein Wagen von einer Polizeistreife angehalten. Der Polizist Robert Wood steigt mit seiner Taschenlampe aus, nähert sich dem Fahrzeug - und wird erschossen.

Mit dieser gestellten Szene beginnt Der Fall Randall Adams und jene Szene ist es, die einem während der nächsten anderthalb Stunden noch öfters vor Augen geführt wird. Immer wieder steigt der Darsteller des Robert Wood aus, läuft zum Auto und wird von der Nahaufnahme eines Revolvers abgelöst. Eine Pirouette später liegt der Schauspieler am Boden, während seine Partnerin auf die Straße eilt und glücklos Schüsse auf das flüchtende Fahrzeug abfeuert. Morris präsentiert die Szene im Laufe des Filmes so oft, dass nicht nur die Redundanz der Bilder ermüdet, sondern sich später auch Anschlussfehler einschleichen.

Denn die extrem gekünstelten nachgestellten Szenen (was entschuldbarer Weise auch an ihrer Novität liegen könnte) variieren im späteren Verlauf, wenn die Zeugenaussagen das Gros der Geschichte ergänzen. Da fährt plötzlich mal ein Auto vorbei, dann zwei, dann drei. Mal parallel, dann wieder nicht. Mal steigt Wood erst aus, ein anderes Mal läuft er. Der redundante Bilderüberfluss, der losgelöst von den jeweiligen Aussagen zu sehen ist, ist dabei so unnötig wie nutzlos. So will sich einem nicht erschließen, was der Sinn und Zweck der nachgestellten Szenen sein soll, die lediglich Worte visualisieren und dies reichlich trashig.

Ansonsten beschränkt sich Morris größtenteils auf sein bereits in Die Pforten des Himmels und Truthahnfieber zum Einsatz gekommenes stilistisches Mittel der Interviews. Ließen sich diese in ihrem anonymen Gewand in den avantgardistischen Vorgängern noch entschuldigen, werden sie im journalistischeren Der Fall Randall Adams zum Ärgernis. Denn wer hier in welcher Funktion redet, lässt sich nicht feststellen. Einige Personen lassen sich der Polizei zuordnen, ein anderer ist Richter, zum Ende hin lernen wir primär die Zeugen kennen. Es könnten jedoch auch Schauspieler sein.

Eine einfache, einmalige Bauchbinde hätte jeder der Personen zum einen ein Gesicht und zum anderen Glaubwürdigkeit gegeben. So bleiben es namenlose Gesichter, denen sich erst im Abspann Namen und Rollen zuordnen lassen. Und obschon zwischen Morris' Debütfilm und dieser Dokumentation ein Jahrzehnt liegt, schleichen sich weiterhin dieselben Fehler ein. So trägt eine der interviewten Damen mal eine Brille, dann wieder keine. Ein visuell-ästhetischer Albtraum, den Morris wohl aus künstlerischer Sicht bewusst gewünscht und akzentuiert hat, der seinem Anspruch, ein journalistisches Werk zu sein aber wie vieles andere zuwiderläuft.

Zwar bleibt Morris in Der Fall Randall Adams endlich mal einem Thema treu, leistet sich aber dennoch ein, zwei Ausreißer, wenn er Adams' Richter Don Metcalfe in dessen erster Szene von seinem Großvater schwadronieren lässt, der in den 1930er Jahren als FBI-Agent in Chicago arbeitete und bei der Verhaftung von John Dillinger anwesend war. Weitaus dramatischer ist jedoch, dass Morris aus journalistischer Sicht oft dilettantisch agiert. So erheben mehrere Interviewte den Vorwurf, dass die Zeugen Emily und R.L. Miller eine Falschaussage für Geld tätigten, ohne die Betroffenen selbst allerdings danach zu befragen.

Schade auch, dass nicht einmal eine Erklärung geliefert wird, warum neben Polizisten, Zeugen, Anwälten, sowie dem Richter und Täter die Partnerin von Robert Wood, Teresa Turko, für keine Aussage bereit stand. Genauso wie die "Dokumentation" (diese Bezeichnung muss bei Morris' Werken in Anführungszeichen gesetzt werden) im Grunde dann endet, wenn die eigentliche Geschichte beginnt. Morris versäumt ein ums andere Mal das zu tun, was von einem Journalisten oder Dokumentarfilmer zu erwarten wäre. Was wirklich am 28. November 1976 geschah, kann auch Morris nicht aufdecken. Aber vermutlich wollte er es auch nicht.

Keine weitere Wertung


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