Wenn sie eins können, die Japaner, dann sind es Mangas beziehungsweise Animes. Da macht ihnen keiner ein X für ein U vor und die Resultate können sich meistens mehr als sehen lassen. Seien es die Ghiblis von Visionär Hayao Miyazaki, Akira von Katsuhiro Otomo oder die Reihe Appleseed von Masamune Shirow.
Shirow, der sich unter anderem für die Mangaserie Ghost in the Shell verantwortlich zeichnete, adaptierte bereits 1988 den Manga Appleseed, den Regisseur Shinji Aramaki vor drei Jahren erneut verfilmte. In Appleseed verschmolzen neuartige 3D-Animationen und Videospielästhetik mit der herkömmlichen 2D-Technik zu jenem Mix, der auch die Fortsetzung Appleseed - Ex Machina ausmacht. Auf vielen Festivals gezeigt, erschien die Fortsetzung direkt auf DVD und Blu-Ray. Obschon es sich bei Shirows Welt um ein selbstgeschaffenes und komplexes Universum handelt, fällt es dem Laien nicht schwer, sich sofort in diesem zu verlieren und der Handlung problemlos zu folgen.
Zwar kommt Appleseed - Ex Machina nicht an die philosophische Dichte eines Ghost in the Shell heran, doch die Handlung des Filmes ist - so vorhersehbar sie auch sein mag - dennoch durchaus spannend. Gerade die Tatsache, dass es sich um eine Gesellschaft handelt, in der vorherrschend Bioroiden und Cyborgs existieren, wirft wie bereits in Ghost in the Shell die Frage nach der fortschreitenden Technologisierung unserer Gesellschaft auf. Dies manifestiert sich beispielhaft in der neuen Errungenschaft des "Connexus", quasi einem interaktiven Mobiltelefon oder BlackBerry.
In einer Szene wird Aeacus später auch scherzhaft Briareos dafür verhöhnen, dass er bald mehr Maschine als Mensch sei und dies seine (sexuelle) Beziehung zu Deunan beeinträchtigen könnte. Denn letztlich wurden die Bioroiden auch deswegen entwickelt, um all jene (emotionalen) Schwachpunkte des Menschen auszumerzen, die immer wieder in Kriegen und anderen Konflikten ausarten. Dass es jedoch auch in einer utopischen Stadt wie Olympus mit Leitung einer künstlichen Intelligenz nicht immer friedlich zugeht, liegt in der Natur der Sache. Bedenkt man die inhaltliche Klimax des Filmes, wird zweifelsohne die Frage danach aufgeworfen, wie sehr der Mensch an seinem eigenen Leiden selbst - sprich unmittelbar - der Verursacher is.
Aramakis Film darf sicherlich verdient als der beste Actionfilm von 2007 bezeichnet werden, insofern man einen Animationsfilm für dieses Genre zulassen möchte. Der Einfluss von Produzent John Woo macht sich bemerkbar, nicht nur durch die obligatorischen weißen Tauben, sondern auch durch das typische Akimbo eines Briareos. Im Gegensatz zu Realfilmen wirkt die Action in Appleseed - Ex Machina jedoch selten bis gar nicht überzogen, sondern fügt sich vielmehr äußerst harmonisch mit den Handlungsbögen zusammen. Passend untermalt wird dies in den meisten Fällen von stimmiger Musik, in den Actionszenen selbst bieten sich hier selbstverständlich Gitarrenriffs an.
Die Kombination von 3- und 2-D-Technik ist jedoch in der einen oder anderen Szene nicht wirklich gelungen, speziell wenn beide Techniken fließend ineinander übergehen sind die Grenzen mehr als offensichtlich. Hier wird ein wenig die Homogenität gestört, wie generell einige Figuren - zum Beispiel Athena - etwas unproportioniert animiert worden sind. Insgesamt ist die Fortsetzung zu Appleseed jedoch außerordentlich unterhaltsam und visuell oftmals berauschend. Ob der Weg für einen dritten Teil offen ist, lässt das Ende nicht erahnen, da es relativ neutral gehalten ist. Bei der kreativen Stärke von Shirow wäre dies jedoch sicherlich das kleinste Problem.