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Mosquito Coast

(The Mosquito Coast, 1986)

Dt.Start: 19. Februar 1987 Premiere: 26. November 1986 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Abenteuer, Drama, Thriller
Länge: 117 min Land: USA
Darsteller: Harrison Ford (Allie Fox), Helen Mirren (Mutter Fox), River Phoenix (Charlie Fox), Conrad Roberts (Mr. Haddy), Andre Gregory (Reverend Spellgood), Martha Plimpton (Emily Spellgood), Dick O'Neill (Mr. Polski), Jadrien Steele (Jerry Fox), Michael Rogers (Francis Lungley), Hilary Gordon (April Fox), Rebecca Gordon (Clover Fox), Alice Heffernan-Sneed (Mrs. Polski), Tiger Haynes (Mr. Semper), William Newman (Captain Smalls)
Regie: Peter Weir
Drehbuch: Paul Schrader, Paul Theroux


Inhalt

Tüftler Allie Fox ist über die fortschreitende Abhängigkeit der USA von ausländischen Produkten nicht erfreut. Da er glaubt, dass ein atomarer Krieg bevorsteht, kündigt er seine Stelle und macht sich mit seiner Frau und den vier Kindern auf nach Honduras. Dort kauft er eine Stadt namens Geronimo an einem Nebenfluss der Mosquito Coast. Fox' Eifer macht aus Geronimo schon bald ein kleines Paradies, selbst ein riesiges Kühlhaus kann er bauen. Immer mehr verfällt Fox dem Glauben, der Retter der menschlichen Gesellschaft zu sein.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Mosquito Coast hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 60%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Mosquito Coast hat eine Wertung von 60%
Dass unsere Gesellschaft verwahrlost, ist ein fortwährendes Vorurteil. Die Menschen würden immer aggressiver werden, der Kapitalismus nimmt überhand. 1981 behandelte Paul Theroux den fanatischen Selbstdestruktivismus in seinem Roman Mosquito Coast, der wenige Jahre später von Peter Weir mit Harrison Ford namhaft verfilmt wurde - ohne an die "Stärken" der Vorlage anknüpfen zu können.

Bild aus Mosquito Coast Die Geschichte von Allie Fox entstammt der Feder des Reiseschriftstellers Paul Theroux - einem Autor, der durch seine Beschreibungen der Zustände in Argentinien, China und anderswo provozierte. 2005 kritisierte Theroux die heuchlerische Caritas-Unterstützung solcher Prominenten wie Bono, Angelina Jolie und Brad Pitt. Von seinen Romanen und Geschichten wurden nicht viele verfilmt, genauer gesagt lediglich drei. Vier Jahre nach seiner Erscheinung hatte Paul Schrader, der Mann der für Filme wie Taxi Driver und Wie ein wilder Stier verantwortlich war, den Roman adaptiert.

Die Verfilmung weist die eine oder andere Abweichung zur Romanvorlage auf, allen voran die Begrenzung des Charakters von Charlie Fox, dem ältesten Sohn von Allie. Zwar ist Charlie, im Film gespielt von Jungstar River Phoenix, immer noch der Erzähler der Geschichte, doch rücken ihn Schrader und Weir etwas in den Hintergrund. Dabei hätte Phoenix eine so tragende Rolle mit Leichtigkeit gespielt. Denn wie in vielen seiner Filme zeigt er auch hier, warum er einer der viel versprechendsten Schauspieler seit James Dean und Montgomery Clift war.

Probleme bereitet in der deutschen Synchronisation allerdings sein Sprecher, der den Text lustlos und unmotiviert vorträgt. Jens Markgraf vermag hier nicht so exzellent Phoenix wiederzugeben, wie beispielsweise Timmo Niesner (Sprecher in Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers) oder Simon Jäger. Im Nachhinein spielt dies auch nur bedingt eine Rolle, denn wie angesprochen wird die Rolle von Charlie sehr begrenzt. Komplettiert wird dagegen der namhafte Teil des Ensembles von Helen Mirren als Mutter Fox und Harrison Ford als Allie. Ford selbst erachtete die Leistung in Mosquito Coast als die beste seines Lebens, führte der Film ihn doch erneut mit Peter Weir zusammen, mit dem er zuvor Der Einzige Zeuge gedreht hatte.

Bereits nach den ersten Minuten merkt man, dass sich Schrader vielleicht zu sehr an Theroux' Vorlage gehalten hat. Die übernommenen Monologe von Allie wirken steif und fremd, der ganze Ablauf weitaus weniger flüssig als es in der Vorlage der Fall gewesen ist. Während man dem Prolog ziemlich exakt folgt, wird insbesondere der Mittelteil für die Leinwand komprimiert. Dabei erfassen Schrader und Weir durchaus alles, was wichtig für die Handlung ist. Auch die Umsetzung des ganzen ist relativ beachtlich, der Aufbau scheint korrekt und die Geschichte stringent. Dennoch geht manches verloren, allem voran die Katharsis von Allie.

Vieles was dieser sagt, mag zu Beginn schlüssig klingen und Mr. Polski bringt es auf einen Nenner, wenn er sagt: Allie sagt viel und hat manchmal auch Recht. Sein Idealismus steckt zu Beginn die gesamte Familie an, von seiner Frau bis hin zu Charlie. Welche Schattenseiten sein patriarchalisches System im Dschungel wirft, wird jedoch nicht deutlich. Auf der Reise zu den Indios schnauzt Allie plötzlich seinen jüngsten Sohn Jerry an. Doch der Zuschauer versteht nicht wirklich wieso. In der Stunde zuvor gab es in keiner Szene Spannungen zwischen den beiden Figuren, diese werden im Film unterschlagen. Auch wie beschwerlich und stressig die Reise zu den Indios wegen des Eisblocks ist, wird im Film nicht deutlich.

Vielleicht wollten Schrader und Weir insgesamt die Figur des Allie etwas entschärfen, da sie ihn immerhin zum Hauptprotagonisten der Handlung gemacht haben. Hätte man die Geschichte aus dem Blickwinkel von Charlie erzählt, hätte man Allie weitaus düsterer gestalten können, als es letztlich der Fall ist. Auch die Zwiespältigkeit in seinem Charakter (back to the roots, aber dann bitte mit Kühlschrank und Zivilisation) oder seinem Verhalten (die farbigen Arbeiter seines Chefs in den USA nimmt er in Schutz, beleidigt aber später Dunkelhäutige in Honduras) werden nicht stark genug betont.

Obschon zwischen Mirren und Ford wenig Chemie besteht, spielt die Oscarpreisträgerin ihre Rolle gekonnt und ohne Probleme. Der eindimensionale Charakter lässt ihr jedoch keinen Raum zur Entfaltung. Ähnlich verhält es sich mit Phoenix, der nur hier und da zeigen kann, wie ungemein talentiert er ist. Weir baut die Leinwand für Ford auf und Harrison Ford überzeugt durchaus als Allie Fox, kann ihm aber auch keine besondere Stärke verleihen. Hätte Harvey Keitel oder Sam Neill die Figur gespielt, der Film wäre dadurch nicht schlechter oder besser geworden. Mosquito Coast erzählt somit (nur) die Geschichte des Romans, ohne sich intensiver mit dessen Inhalt zu beschäftigen.



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