John Hughes' High-School-Drama gilt gemeinhin als der 80er-Jahre-Film schlechthin. "Don't You (Forget About Me)" von den Simple Minds wurde zum Klassiker und Hughes' Teenie-Film gleich mit. Dass The Breakfast Club dabei nicht nur Licht, sondern auch Schatten besitzt, tut dem Ganzen nur bedingt einen Abbruch.
Wenige High-School-Filme erfuhren derart oft eine Hommage, wie The Breakfast Club. Er gilt als definierender Film, nicht nur bezüglich der Schulhierarchie einer High School, sondern auch des klassischen Motivs der teen angst. Zum samstäglichen Nachsitzen tanzt bei John Hughes, dem Teenieflüsterer der 1980er Jahre, eine illustre Truppe an, wie sie der Lehrer Mr Vernon wohl so noch nie vorgefunden hat. Und wie sie anschließend auch nie wieder zusammenfinden sollte. Zumindest der Plakatunterschrift nach.
"Sie trafen sich nur einmal, aber es veränderte ihr Leben für immer", prangt auf dem Poster zum Film, das zugleich verkündet, dass sich hier fünf Fremde begegneten. Was einerseits verwundert und andererseits auch nicht stimmt. Denn zumindest Emilio Estevez' Figur des Ringers Andrew und Molly Ringwalds Charakter der verwöhnten Claire scheinen sich bereits zuvor schon mal begegnet zu sein. Und da anzunehmen ist, dass Hughes' erfundene Stadt Shermer, Illinois wohl kaum mehr als die eine, nach der Stadt benannten, High School hat, erstaunt es, dass die fünf Figuren sich noch nie vorher über den Weg gelaufen sein sollen.
Denn außer Andrew und Claire scheint sich keiner namentlich zu kennen. Dabei sollte zumindest Schulchaot John Bender mit seinem auffälligen Verhalten berühmt-berüchtigt sein. Bei der zurückhaltenden Prä-Emo-Schülerin Allison und dem Schulstreber Brian ist es verständlich, dass sie bei den populäreren Kids nicht auf der Agenda stehen. Aber angesichts der besonderen Konstellation, eine Sportskanone, ein Püppchen, eine Exzentrikerin, einen Nerd und den Rabauken in ein und dasselbe Szenario zu pressen, ist Hughes' fehlender Anspruch, nach außen hin authentisch zu sein, ein verzeihliches Mittel zum Zweck des Films.
Vielmehr geht es The Breakfast Club darum, unausweichliche Wahrheiten der Jugendseele auszusprechen, selbst dann, wenn man sich in eine Klischeespirale begibt. "Wenn du sagst, du kommst mit deinen Eltern klar, bist du ein Lügner", klatscht Bender zum Beispiel in einer Szene Andrew vor den Latz. Ohnehin sind alle fünf erzieherisch schwergeschädigt, von Andrew selbst, der "immer und überall der Erste sein" muss, über Claire, die das Gefühl hat, ihre Eltern tragen ihren Streit auf dem Rücken der Tochter aus, bis hin zu Brian, der von dem Erwartungsdruck seiner Erzeuger fast in den Suizid getrieben wird.
Die Jugendlichen sind also das Produkt der Erziehung ihrer Eltern und die Tatsache, dass sie egal ob Sportler, Streber oder Stresser allesamt die Schuld zu Hause ausmachen, impliziert, dass Shermer, Illinois wohl mit die asozialsten Eltern der USA zu haben scheint. Wenn Andrew später Allison fragt, was denn mit ihren Eltern sei und diese den Tränen nahe gesteht "Sie beachten mich nicht", Hughes dabei allerdings das Gefühl erweckt, hier berichtet ein Mädchen von Inzest-Überfällen des eigenen Vaters, geht der Film letztlich dann aber doch ein Stück zu weit hinein in den subjektiven Gang der jugendlichen Umgebungswahrnehmung.
Bis zu einem gewissen Grad gehört die Naivität der Figuren natürlich zu deren Charakterisierung. Wenn Brian jedoch nach fünf Stunden gemeinsamen Nachsitzens - die zudem eher im Streit denn Harmonie verbracht wurden - davon spricht, dass die anderen seine Freunde seien, scheint der Begriff sehr großzügig gebraucht zu werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es laut Plakatunterschrift ja nur zu diesem einmaligen Treffen aller fünf Figuren kommt. Schade auch, dass von allen Figuren nur Brian und Andrew durch ihr Vergehen wirklich ihrem Innenleben ein Ventil verleihen wollten, was man bei den Damen vermisst.
Ungeachtet dieser Schwachpunkte ist The Breakfast Club dennoch fraglos ein Klassiker, der sich wichtiger Themen von Jugendlichen annahm - selbst wenn diese reichlich oberflächlich implementiert scheinen. Die Entfremdung von seinen Eltern, wenn auch hier überzogen dramatisiert, ist ebenso Bestandteil wie die Ablehnung, so zu werden wie die eigenen Erzeuger. Dass jeder der fünf sich hinter seinem Image, seiner Außendarstellung, verkriecht, die mit der Zeit zu bröckeln anfängt, und wie viel Zeit sich Hughes für die Etablierung dieser Täuschungen und ihre darauffolgende Demaskierung nimmt, beeindruckt.
Der dramaturgische Aufbau stimmt, die Entwicklung der Figuren innerhalb dieser acht Stunden ist weitestgehend nachvollziehbar, wenn auch extrem vorhersehbar. Die Besetzung des Filmes und das Zusammenspiel der Darsteller sind geglückt, auch wenn es während der Dreharbeiten unruhig war (so wollte Hughes Judd Nelson feuern, weil dieser durchweg in seiner Rolle blieb und Ringwald auch nach Drehschluss noch anpöbelte). Paul Gleason als verzweifelnder Lehrer, sowie Simple Minds' unsterblich gewordener Hit "Don't You (Forget About Me)" runden das harmonische Bild dieses Kultfilms dann noch vollends ab.
Weshalb die letzten Worte dieser Besprechung auch den Charakteren des Films gebühren: "Sehr geehrter Mr Vernon, wir akzeptieren, dass wir einen ganzen Samstag für alles was wir falsch gemacht haben, nachsitzen mussten. Aber wir halten Sie für verrückt, dass Sie uns einen Aufsatz schreiben ließen, mit dem Thema "Wer bin ich?". Weil Sie uns doch so sehen, wie Sie uns sehen wollen. Mit einfachen Worten nun das, was wir über uns herausgefunden haben. Jeder von uns ist: ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak. Beantwortet das Ihre Frage? Mit freundlichen Grüßen, Ihr Breakfast Club."