Der Winter ist vorbei, die Sonne wärmt uns den Pelz, die Blumen blühen und die Hormone tanzen Frühlingspolka. Im Kino ist es demnach Zeit für romantische Komödien, die leicht, locker und fröhlich davon erzählen wollen, wie das Glück unvermittelt in unser aller Leben stolpern kann. Manchmal ist es aber ein steiniger Weg bis dahin. Rachel hat in der Vergangenheit den rechten Zeitpunkt verpasst, um ihren Traummann zu erobern. Nun muss sie mit ansehen, wie er ihre beste Freundin heiraten wird. Nach einer Party landet sie aber mit ihm im Bett, kann das ein gutes Ende nehmen? Vielleicht - wenn man sich das Geld an der Kinokasse spart.
Manche Menschen sind einfach zu gut für diese Welt. Rachel (Ginnifer Goodwin) ist stets freundlich, verständnisvoll, zurückhaltend, auf eine sehr unspektakuläre Weise attraktiv, sowie süß und nett. Eine ausgesprochene Karrieristin ist sie zwar nicht, hat es aber zu einer erfolgreichen Anwältin in New York gebracht. Leider ist sie - obwohl eine Art Everybodys Darling - immer noch Single. An ihrem 30. Geburtstag, den sie ohne Mann an ihrer Seite feiert, wird ihr das trotz der Party, die ihre Freunde für sie veranstalten, schmerzlich bewusst.
Rachels beste Freundin Darcy (Kate Hudson) ist das genaue Gegenteil: Von Haus aus vermögend, musste sie nie für etwas hart arbeiten. Ihr flog alles immer zu. Überdies besitzt sie ein sehr einnehmendes Wesen, Sexappeal und ist ein heißer Feger. Zurückhaltung ist für sie ein Fremdwort, kein Wunder also, dass ihr Darcy vor einigen Jahren ihren Traummann Dex (Colin Egglesfield) wegschnappte. Dex und Rachel lernten sich auf der Universität kennen, beide studierten Jura und zunächst sah es so aus, als würde sich zwischen den beiden etwas anbahnen - solange bis Darcy wie ein Zyklon hereinbrach und sich Dex angelte. Seit dieser Zeit kann Rachel Dex nur noch aus der Distanz anschmachten. Trotzdem ist sie Darcy nicht böse. Dazu ist sie einfach ein zu guter Mensch.
Ihre Geburtstagsfeier jedenfalls endet damit, dass Darcy sturzbetrunken ist und Dex sie nach Hause fährt. Während Rachel und Ethan (John Krasinski), Rachels ältester und bester Freund (aber immer nur platonisch), der sich plagt ein angesehener Schriftsteller zu werden, auf ein Taxi warten, schüttet Rachel ihr Herz aus und erklärt, dass sie der Meinung ist, sie wäre alt und hätte ihre Zwanziger vergeudet. Just in diesem Augenblick kehrt Dex zurück. Darcy hat ihre sündhaft teure Designer-Handtasche liegen lassen, und er muss sie nun suchen. Rachel bleibt daraufhin auch noch, um ihm zu helfen. Als sie das wertvolle Ding endlich gefunden haben, teilen sie sich ein Taxi - und landen irgendwie gemeinsam in der Kiste. Nach all den Jahren ausgerechnet jetzt, wo Darcy und Dex bald heiraten!
Fremd Fischen ist eine typische Wer-gehört-eigentlich-zu-wem-Komödie. Es gibt Paare, die sind zusammen, obwohl sie eigentlich gar nicht zusammen passen. Andere würden perfekt harmonieren, können aber nicht so, wie sie wollen. Und bei abermals anderen kommt es nie zur Paarung, da einer von beiden stets Reißaus nimmt. Es ist ein buntes Potpourri wild verquirlter Emotionen. Wer aber einen Film erwartet, in dem Auf-Teufel-komm-raus hemmungslos und heimlich herumgevögelt wird, täuscht sich. Abgesehen davon, dass es amerikanisch-typisch prüde zugeht, entpuppt sich Fremd Fischen eher als zahmer Karpfenteich, denn als Haifischbecken.
Im Grunde nett und eine typische Frühlings-Rom-Com, ist der Streifen unvermeidlich auch eine ziemliche Klischeesuppe: Da gibt es die Süße-Nette von nebenan (ein wenig erinnert Ginnifer Goodwin optisch an die junge Sally Field, obwohl die ein deutlich wilderer Feger war), die nie den richtigen Zeitpunkt fand, um das Herz ihres Traummanns zu erobern und ausgerechnet jetzt, da es zu spät ist, halbbetrunken mit ihm im Bett landet; dann die hippe Freundin, die immer alles bekam, was sie sich wünschte; den potenziell schwulen Freund, der als Kopfkissen zum vollflennen herhalten muss; und natürlich das Alphamännchen, das alle Frauen zu läufigen Hündinnen macht. Glücklicherweise treibt es der Film, der auf dem Bestseller von Emily Griffin basiert, mit den Klischees aber nicht allzu doll und lässt zumindest im Ansatz mal durchscheinen, was hinter den Fassaden lauert.
So ist der Traummann vor seinen reichen High-Society-Eltern nichts weiter als ein kleiner Hosenscheißer, der sich keiner Widerworte traut, geschweige denn, ein Leben einzig und allein nach seiner Facon zu leben. Die beste Freundin ist im Grunde ein egoistisches, selbstverliebtes Luder, das nie gelernt hat, zurückzustecken, und der vermeintlich schwule Freund ist eigentlich der einzig wirklich sympathische Charakter, dem man von Herzen ein gutes Leben wünscht. Doch die brav-langweilige Inszenierung lässt diese Charakteruntiefen leider nur kurz sichtbar werden und entschließt sich alsbald, wieder das neuzeitliche Soft-Cinderella-Märchen einer spießigen amerikanisch-großstädtischen Telenovela-Realität zu erzählen. Irrungen und Wirrungen sind dabei lediglich Mittel zum Zweck und sollen helfen, daran zu glauben, dass es im Leben manchmal auch Second-Chance-Winner gibt (vielen Dank für diese Leben-aus-der-Retorte-Weisheit). Der Ausgang kann dementsprechend auch nur so sein, wie er unvermeidlich in einer konservativen 08/15-Romanze sein muss.