Wer eine realistische Schilderung über die wahre Begebenheit sehen möchte, in der 71 unbedarfte Schüler aus Liebe zu ihrem Land versuchen, eine nordkoreanische Armee aufzuhalten, wird leider enttäuscht werden. Das optisch großartig inszenierte Werk krankt an klischeehaften Charakteren und der Tatsache, dass Humor und Pathos einer ernsthaften und glaubwürdigen Nacherzählung der Ereignisse im Jahre 1950 im Wege stehen.
Seit dem bombastischen Erfolg von Brotherhood setzt das koreanische Kino immer wieder auf historische Kriegsfilme, was sich durch durchweg gute Einspielergebnisse im Heimatland auch bestätigt. Qualitativ gibt es da sicherlich Ausreißer nach oben (Welcome to Dongmakgol), aber über weite Strecken muss der Zuschauer auch viel Durchschnittsware über sich ergehen lassen. Regisseur John H. Lee konnte mit seinem hervorragenden A Moment to Remember, wenn auch in einem ganz anderen Genre, beweisen, dass er Tragik und Emotionen eindrucksvoll präsentieren kann. Was eignet sich also besser als Filmmaterial wie die wahre Begebenheit, in der 71 Schüler eine ganze Armee besiegt haben?
Nordkorea ist während des Koreakrieges schon bis zur Hälfte in den Süden eingedrungen - einem Land, das sich kaum noch zu verteidigen weiß, und dessen Niederlage fast schon unausweichlich ist. Die letzte Linie, die es zu halten gilt, ist zu weit von den südkoreanischen Truppen entfernt, sodass eine Gruppe von 71 freiwilligen Schülern ohne jegliche Kampferfahrung oder Waffenkenntnis die feindlichen Truppen so lange aufhalten soll, bis 13 Stunden später die erwartete Verstärkung eintreffen wird.
Dass das Leben immer noch die interessantesten Geschichten schreibt, erfährt man, wenn man sich etwas näher mit der Hintergrundgeschichte der 71 Schüler befasst, die damals aufopferungsvoll für ihr Land gekämpft haben. Die 13- bis 18-jährigen Schüler (hier ein großer Malus der deutschen Synchronisation, bzw. der deutschen Untertitel, die dem Zuschauer die Schüler als ältere Studenten verkauft) gelten heute als Helden in Korea, doch leider gerät ihr filmischer Nachruf fast schon zu einer klischeeüberladenen Posse. So verzettelt sich der Film mit seinen Plattitüden und verkommt schon fast zu einem Sammelsurium von Streitereien zwischen klischeehaften jugendlichen Figuren. Man versucht, humorvoll mit dem an sich ernsten Thema umzugehen (aus Versehen wird beispielsweise der Stift einer Granate gezogen, die vor der Detonation erst einmal reihum zugeworfen wird), und gibt sich in einer MacGyver-Gedächtnisszene sogar noch der Lächerlichkeit preis. Gleiches gilt für den nordkoreanischen Befehlshaber, der natürlich sein Klischeebärtchen trägt und keinerlei Probleme damit hat, seine Untergebenen zu erschießen, wenn sie ihm auch nur ansatzweise widersprechen. Auch One-Liner mitten in einer blutigen Schlacht sorgen nicht gerade für Glaubwürdigkeit. Spätestens, wenn nach der generellen Schwarz-Weiß-Malerei dem Zuschauer auch noch der überzogene Pathos um die Ohren fliegt, schämt man sich fast schon ein wenig angesichts dessen, was die echten Schüler damals geleistet haben.
So schwach der Film inhaltlich ist, so gut ist er jedoch in Szene gesetzt. Die fünfzehnminütige Schlacht zu Beginn zieht den Zuschauer in ihren Bann und lässt zu dem Zeitpunkt noch auf Großes hoffen. In Hochglanzbildern wird der dreckige und real wirkende Krieg schaurig und kompromisslos gezeigt, und es wird keinerlei Blatt vor den Mund genommen. Das Ganze ist technisch auf höchstem Niveau eingefangen und wird von einem heroisch passenden Musikeinsatz getragen. Sieht man von der finalen Schlacht ab, gehören die Szenen an der Front sicherlich zu den großen Stärken von 71 Into the Fire, aber auch sonst kann John H. Lee immer wieder für einige besondere Momente sorgen, wie beispielsweise eine Montage beweist, in der die fast schon freudige Abfahrt in Richtung Wehrdienst neben eine deprimierende Abfahrt nach einer Schlacht gesetzt wurde.
Optisch ist dieser Kriegsfilm sicherlich ein Highlight, jedoch genügt dies alleine nicht, um den Zuschauer über zwei Stunden bei der Stange zu halten. Viel zu amüsant ist das Warten auf den Krieg für die 71 Schüler dargestellt, und zudem wurde es verpasst, die Charaktere von ihren klischeehaften Attributen zu befreien. So ist 71 Into the Fire in seinem Land zwar ein großer kommerzieller Erfolg geworden, qualitativ jedoch wurde den 71 Schülern leider kein würdiges filmisches Denkmal gesetzt.