Mit diesem Film machte sich James Dean unsterblich - und bekam ihn nicht einmal zu sehen. Die Hollywoodlegende starb vor der Premiere bei einem Autounfall und trug damit sicherlich auch zum Ruhm seines erst zweiten, aber bereits vorletzten Filmes bei. Einige Charakterschwächen ungeachtet ist ...denn sie wissen nicht, was sie tun zu Recht ein Klassiker des Jugendfilms.
Zu Beginn des Films lernen wie die drei Hauptfiguren kennen, die allesamt als problembeladene Teenager des Nachts auf einer Polizeiwache landen. Während Jim Stark betrunken in der Öffentlichkeit aufgefunden wurde und seine Nachbarin Judy allein nachts durch die Straßen wanderte, erschoss der etwas jüngere John Crawford, der sich selbst "Plato" nennt, an seinem Geburtstag einige Hundewelpen. Zugleich macht Nicholas Ray die Prämisse des Films deutlich, sind sie alle Drei, Jim, Judy und Plato, doch von ihren Eltern vernachlässigte Jugendliche, denen es an Aufmerksamkeit, Liebe und Unterstützung fehlt.
Oder genauer gesagt: an einer Vaterfigur. Denn es sind die Väter, die in ...denn sie wissen nicht, was sie tun als Auslöser der jugendlichen Desillusion identifiziert werden. Die Beziehungen zum Erzeuger sind für alle Figuren problematisch. "I love him and all that stuff", verrät Jim auf der Polizeiwache dem Ermittler, aber sein Vater ist nicht das, was der Sohn von ihm erwartet. Stark müsse dieser sein und sich nicht ständig von seiner Frau in die Parade fahren lassen oder mit Schürze daheim seiner eigenen Mutter das Essen hinterher tragen. "You're tearing me apart!", entfährt es Jim, als seine Eltern sich mal wieder streiten.
Sehnt sich Jim nach einem starken Vater, vermisst Judy wiederum die Gunst von ihrem. Körperliche Zuneigungsbekundungen wie Küsse lehnt dieser aus Altersgründen seiner Tochter, die offenbar über einen Ödipuskomplex verfügt, ab. Was bei der Tochter zu dem Fazit führt: "I'll never get close to anybody". Sorgen, die Plato vermutlich gerne hätte, wird er doch von seinem afroamerikanischen Hausmädchen großgezogen, weil seine Eltern besseres zu tun haben, als sich um ihren Sohn zu kümmern. Der monatliche Scheck und all der Wohlstand können für den vernachlässigten Jugendlichen die Elternliebe nicht ersetzen.
Der Film versucht sich jedoch nicht nur am Generationenkonflikt, sondern auch an der jugendlichen Orientierungslosigkeit und teen angst. Nach ihrer ersten Auseinandersetzung gesteht Schulraufbold Buzz seinem Kontrahenten vor der Fahrt auf die Klippe, dass er ihn mag. "Why do we do this?", will Jim daraufhin wissen, der sich weniger nach Konflikten, denn einer steten Umgebung und einem festen Freundeskreis sehnt. "You got to do something... now, don't you?", erwidert Buzz. Eine Hilflosigkeit, wie sie auch Jahrzehnte später von Kurt Cobain ("Here we are now, entertain us") besungen werden wird.
Für die Teenager ist alles Show, Maskerade, Unterhaltung. "Nobody acts sincere", gesteht Judy später gegenüber Jim, als dieser sie nach ihrem reservierten Verhalten in Gesellschaft ihrer Freunde fragt. Der Messerkampf zwischen Buzz und Jim folgt klaren Regel: kein Stechen, nur Kratzen. Dass bei dem nächtlichen Autorennen tatsächlich jemand zu Schaden kommt, war weder eingeplant noch antizipiert. Ein Bewusstsein für die Konsequenzen des eigenen Handelns scheint den Jugendlichen abzugehen, was sich auch in Platos Erschießung der Welpen zeigt. Das Problem, so zumindest das Fazit des Filmes, sind dabei die Eltern.
Zwar zeigt sich Jims Vater bemüht, das Rückrat, das der Sohn bei ihm gerne sehen würde, kann er ihm während des Filmes nicht bieten. "Nobody talks to children", beklagt Jim später, nachdem weder seine Eltern noch Polizist Ray Fremick ihm ein offenes Ohr leihen wollten. Die Sorgen, Ängste und Probleme der Kinder gehen bei den Eltern verloren. "It's just the age where nothing fits", kehrt beispielsweise Judys Mutter deren Verhalten ob der fehlenden Zuneigung des Vaters unter den Tisch. Die Teenager fühlen sich nicht verstanden und tragen ihre Konflikte, weil sie es nicht besser wissen, untereinander aus. Mit tödlichen Konsequenzen.
Obschon der Film sehr gelungen die orientierungslosen Teenager als Folge der elterlichen Vernachlässigung präsentiert, will die eine oder andere Charakterisierung nicht vollends überzeugen. Aus dem zuvor bekundeten spielerischen Verhalten scheint plötzlich Ernst zu werden, wenn Chick und Goon Jagd auf Jim und Plato machen. Auch die hereinbrechende Zuneigung von Judy zu Jim, die zuvor nicht mal unterschwellig zu erkennen war und sogleich existiert, nachdem deren Freund Buzz in den Tod gestürzt ist, wirkt ebenso wie ihre alsbald verkündete Liebeserklärung reichlich aufgesetzt und aus heiterem Himmel beschworen.
Doch die Beziehung zwischen Judy und Jim scheint ebenso notwendig gewesen zu sein, wie die Tatsache, dass die Crawfords, obschon sie nicht mehr Zuhause leben, überall Waffen versteckt haben, die Plato anschließend findet. Gänzlich sauber gerät ...denn sie wissen nicht, was sie tun folglich nicht, auch wenn dies seiner sonstigen Klasse nur bedingt einen Abbruch tut. Dass dessen Hauptdarsteller James Dean noch vor der Filmpremiere starb, verleiht dem Film ebenso wie die verfrühten Tode von Natalie Wood und Sal Mineo eine Nostalgie, die wenige Werke besitzen - und Rays Film zum verdienten Klassiker machen.