In einem Haus mit dem Serienkiller: Die Low Budget-Produktion Perfect Hideout hätte mit einem (sehr viel) besseren Skript ein durchaus spannender Thriller werden können, nervt aber mit kontinuierlicher Unlogik und Überkonstruiertheiten. Billy Zane war selten so unterfordert wie in dieser langweiligen Filmgurke.
Das Cover der DVD ist schon einmal vielversprechend: Titanic-Bösewicht Billy Zane in einer Neuauflage von Hitman - Jeder stirbt alleine. Ein Killer mit Glatze, mit Anzug, mit Knarre und mit ziemlich selbstverständlichem Gesichtsausdruck. Wer jedoch um die durchaus wechselhafte Karriere von Zane weiß, in der sich Ausflüge ins B- wie ins Boll-Movie (zuletzt: Darfur) finden lassen, dem kommen erste Zweifel. Daran, ob Perfect Hideout auch tatsächlich das Versprechen eines ebenso harten wie spannenden Actionthrillers halten kann, was das Cover uns suggerieren möchte. Und daran, ob Billy Zane in seiner Rolle auch wirklich den suggerierten rohen Charme ausspielen kann. Die Antworten lauten jeweils "Nein".
Zane-Fans werden Perfect Hideout hassen. Und das nicht unbedingt, weil es sich um Trash handelt, im Gegenteil: Sniper Reloaded steht im Mai 2011 als DVD-Premiere ins Haus und man freut sich schon irgendwie drauf. Nein, weil dieser in Berlin gedrehte und von einer deutschen Produktionsfirma finanzierte Versuch eines Thrillers so erschreckend einfallslos, so erschreckend einfältig, so erschreckend tempoarm und dazu noch so erschreckend unlogisch ist. Zutaten, die dramaturgisch nicht weniger bedeuten als ein Todesurteil.
Apropos Todesurteil: Das blüht auch Kleingangster Nick (Christian Solimeno), der bei einem Überfall auf einen Imbiss in einem Handgemenge einen Polizisten tödlich verletzt hat. Nicht mit einem Schokoriegel, den er in aller Ruhe und unbemerkt vom betont abgelenkten und sichtlich überraschten Verkäufer als Waffe drapieren kann, sondern mit einer Schusswaffe. Auf seiner Flucht will Freundin Celia (Melinda Y. Cohen) dann nicht mehr so wie er will und ihr Auto landet im Straßengraben. Wie gut, dass sich gleich nebenan ein hübsches Häuschen befindet, in dem man den Schlüssel für das davorstehende neue Fluchtfahrzeug vermutet. Doch ehe sich das Duo versieht, ist das Haus mit SEK-Beamten umstellt (Nick ballert erstmal deeskalierend in den Trupp) und man muss ausharren. Wie dumm, dass auch noch jemand zuhause ist, der - überraschende Wendung - nicht wie zunächst angenommen der Familienvater, sondern ein durchgeknallter Psychopath namens Victor (Billy Zane) ist, der die ziemlich tote Familie ziemlich akkurat und ziemlich eklig um den gedeckten Wohnzimmertisch drapiert hat.
Bis hierhin klingt Perfect Hideout dumm, aber das soll sich noch sukzessiv steigern. Nick bewegt die Leichen, weil Celia sie nicht im Nebenzimmer abkann (!). Stürmende SEK-Polizisten werden mit einem schwungvollen Messerwurf aus dem Handgelenk in den Hals getroffen und reihenweise abgemurkst. Trotz Umstellung des Hauses ist mühelos das Verstecken im Gebüsch möglich. Sämtliche Möglichkeiten zur Spannungsentfaltung in dem räumlich äußerst eingeschränkten Handlungsort des Hauses mit seinen drei Etagen werden zugunsten depperter, ausufernd langer Dialoge und haarsträubender Überkonstruiert-, pardon: Albernheiten fallen gelassen. Besondere "Mühe" gab sich dabei der Kostümdesigner mit seinen SEK-Anzügen, bei denen sich u. a. Handschellen an der Vorderseite befinden. Und woher Victors Mordlust rührt, ob er Kannibale ist (plant er ein Süppchen?) oder welcher Gläubiger Nick im Nacken sitzt - durchaus interessante Möglichkeiten für eine Charakterzeichnung - erfährt man durch das miese Skript auch nicht.
Dass Low Budget nicht zugleich Low Level bedeuten muss, bewies zuletzt der für rund 500 000 Dollar produzierte Fantasythriller Monsters. Doch eine billig aussehende DV-Digitaloptik, flache Dialoge, dümmliche Überkonstruiertheiten, wenig Spannung und eine lächerliche Pointe sorgen in diesem ärgerlich unlogischen Thriller für gähnende Langeweile. Da ist Billy Zane mit seinem grimassierenden und irgendwie lustlosen Schauspiel als Psychopath schon einer der wenigen Lichtblicke im sonst so finsteren Gruselhaus filmischer Unzulänglichkeiten.