Viele aktuelle Blockbuster versuchen durch überladene Effekte ihre relativ bescheidene Handlung zu vertuschen. Doch im Gegensatz zu solchen Filmen besticht Dylan Dog - Dead of Night weder durch inhaltlichen Tiefsinn, noch durch große optische Schauwerte. So macht er zwar mindestens genauso viel falsch wie richtig, weiß aber trotz seiner geringen Qualität leichte, humorvolle und selbstironische Abwechslung zum derzeitigen Hollywood-Standarfraß zu bieten.
Dylan Dogs Figur beruht auf der gleichnamigen italienischen Comicbuchreihe. Er ist Privatdetektiv und arbeitet oftmals, wenn andere schon längst schlafen. Zusammen mit seinem Partner Marcus befasst er sich zumeist mit eher bescheidenen Fällen. Als eines Tages der Vater der jungen Elizabeth Ryan ermordet wird, wendet sich das Blatt und die beiden Schnüffler sehen sich mit einer Parallelgesellschaft von Untoten konfrontiert: Der Mörder des alten Ryan ist ein Werwolf, Vampire versuchen ein dämonisches Artefakt an sich zu bringen und zu allem Überfluss treibt ein Zombie-Koloss sein Unwesen. Es liegt nun an Ihnen, herauszufinden, was vor sich geht, und die Zivilbevölkerung aus einem möglichen Krieg der Unterwelt herauszuhalten.
Zu Beginn atmosphärisch dicht, verliert der Film leider schnell an Fahrt und Glaubwürdigkeit. So erschallt im Kinosaal zurecht lautes Gelächter, als die erste Detailaufnahme einer Werwolfs-Visage zu sehen ist. Die Masken wirken unglaubwürdig und unecht über die Häupter der Statisten gezogen. Zugleich erzeugt diese angestaubte Kostümierung eine gnadenlos humorvolle B-Movie Atmosphäre, die sich ein bisschen nostalgischen Charme bewahren kann.
Kann man diesem Punkt also noch etwas Positives abringen, versickern die wenigen positiven Aspekte des Films schnell unter einer dicken Schicht modriger Schauspielkunst und teils schlechter Drehbucharbeit. Brandon Routh mochte 2006 zumindest optisch einigermaßen in das Superman-Kostüm passen, hinterlässt als uncharismatischer Beau in der Rolle des draufgängerischen und intellektuellen Detektivs aber kaum einen nennenswerten Eindruck. Zu aussagelos seine Mimik, zu gering die Anzahl überzeugender Dialoge, zu gestellt die stereotype Beziehung zur Tochter des Mordopfers. Passte Keanu Reeves perfekt in die vergleichbare Rolle des Dämonenjägers Constantin, vermag Routh die titelgebende Rolle nur halbherzig zu füllen. Zuschauer, die bisher keinen Blick in die Comic-Bände geworfen haben und kein Vorwissen zu den Hauptcharakteren mitbringen, warten vergeblich auf ein erwartetes untotes Alter Ego des Protagonisten.
Glücklicherweise konzentriert man sich über komplette Teile des Films hinweg aber auf Dylan Dogs Sidekick Marcus, der nach einem Übergriff große Schwierigkeiten mit seinem plötzlichen Leben als Zombie hat. Sam Huntington bringt den verwirrten Untoten äußerst sympathisch rüber und man verzeiht ihm, dass die Gags beim dritten Mal vielleicht nicht mehr ganz so gut ziehen wie noch beim ersten. Wo der Film in den meisten anderen filmischen Bereich versagt, schafft man hier die nötige Selbstironie, die die einen oder anderen Lacher durchs Publikum jagt und ein großes Stück Unterhaltungswert aufs Grab schaufelt.
Reichlich dümmlich und blutleer belässt es der Film im weiteren Verlauf bei Klischeebildern und nähert sich ohne großartige Wendungen rasch dem Ende, an dem schließlich dem Teufel höchst persönlich der Kampf angesagt wird. Wurde dieser in Constantine noch von Peter Stormare persönlich verkörpert, spielt dieser hier eine weniger explosive Rolle, der man beinahe etwas mehr Bühnenzeit gewünscht hätte. Satan selber entpuppt sich der biblischen Vorlage entsprechend beflügelt, aber weitaus mehr als Mischung aus Fledermaus und Ziege, denn als diabolischer Engel. Zwar erscheint der Held hier erstmals verwundbar, beobachtet jedoch nur als Außenstehender den finalen Untergang des Bösewichts. Hier freut man sich als Zuschauer, dass die notdürftig zusammengeschusterte Beziehung zwischen Dylan Dog und Elizabeth damit früher in die Brüche geht als erwartet.
Dylan Dog - Dead of Night wirkt mit seinen billigen Kostümen und Effekten wie ein Horrorfilm aus längst vergangener Zeit. Der Albtraum für Drehbuchautoren und Effektspezialisten bleibt erstaunlicherweise trotz vieler Fehler durchaus sehenswert. Silberner Schlagring statt Kruzifix, cool dahingebrabbelte Sprüche und ein Haufen Selbstironie machen zwar noch lange keinen guten Film aus, können aber trotz einer objektiv geringen Wertung subjektiv eine ganze Zeit lang unterhalten.