Blutleerer zweiter Aufguss eines bereits wenig umjubelten Tanzfilms. Das Hauptaugenmerk der Inszenierung liegt einmal mehr fast ausschließlich auf dem Tanzen selbst, die umgebende Dramaturgie ist Beiwerk, unverhohlen dümmlich, vorhersehbar und oberflächlich. Die Tanzszenen allein sind milde interessant bis faszinierend. Während eine Dokumentation der echten Streetdancekultur ein Oscar-Kandidat hätte werden können, wird dieser Film bei allen außer absoluten Tanzfanatikern schneller in Vergessenheit geraten, als man "Pina Bausch" sagen kann.
Nach einem Gefängnisaufenthalt muss die 17-jährige Maria Bennett bis zur Volljährigkeit bei einer Ziehmutter leben. Die sportliche junge Streetdancerin kommt, wie es der Zufall will, bei Connie Daniels unter, der Mutter von Honey Daniels, die Jahre zuvor ein Tanzstar in der Bronx wurde. Natürlich leistet Maria ihre Sozialstunden (als Putzhilfe) in dem berühmten Tanzstudio von Connie ab, in dem auch Honey trainiert hat. Zusätzlich verdient sie sich noch ein paar Dollar, indem sie wieder im Gemischtwarenladen von Mr. Kapoor arbeitet. Zumindest versucht sie das, denn Marias Gefängnisaufenthalt hat Mr. Kapoors Vertrauen in seine ehemalige Aushilfe schwer erschüttert.
Auch bei den eher hochnäsigen Tanzschülern aus Connies Studio hat Maria keinen guten Stand: Sie wird als sozial minderwertige Putzhilfe und Möchtegern-Tänzerin gesehen, deren Aufgabe es nur sein kann, das Studio sauber zu halten und staunend den Profis von morgen zuzujubeln.
Doch zwei kleine Ereignisse ändern den Lauf der Dinge zu Marias Gunsten: Zum einen erwischt sie bei Mr. Kapoor einen Ladendieb, was ihr das Vertrauen des Kaufmanns einbringt und auch ihrem Selbstbewusstsein einen gewaltigen Schub gibt, und zum anderen erarbeitet sie sich die Möglichkeit, wenigstens eine Nacht in einem Club so richtig die Sau rauszulassen - was sie auf der Tanzfläche auch ausnutzt.
Der kleine Auftritt im Club erregt nicht nur die Aufmerksamkeit von Brandon, einem der Tänzer aus Connies Studio, sondern auch von Luis, einem früheren Exfreund von Maria. Schon bald buhlen die beiden um Maria als Choreographin, denn es gilt, beim TV-Tanzwettbewerb "Battle Zone" einen dicken Geldpreis abzusahnen. Derzeit liegt der Titel bei den "718", der Dance Crew von Luis. Die "HDs", die bisher unter Brandon in Connies Tanzstudio trainierten, scheinen keine große Aussicht auf nennenswerte Erfolge zu haben. Für Maria jedenfalls hat sich das Blatt gewendet, und endlich besteht die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten im Streetdance auch sinnvoll einzusetzen.
Hierzulande ist Streetdance der breiten Masse eigentlich nur durch die Medien bekannt. Es handelt sich hierbei um einen Oberbegriff für eine Art modernen Volkstanz; also Tanz, der sich außerhalb von Schulen und Bühnen entwickelt hat. Es gibt unzählig viele Stilrichtungen (benannte und noch namenlose) und keinerlei Tabus. Eine der bekanntesten Varianten dürfte der beeindruckende und schon ältere Breakdance sein, doch die kreativen Namen der Stilrichtungen reichen von "Chicago Stepping" über "Liquid and Digits" bis "Waacking" oder "X-Outing", die sich - siehe YouTube - bereits gewaltig voneinander unterscheiden.
Ein Film über Streetdance läuft also hierzulande stets Gefahr, allein des Tanzes wegen milde belächelt zu werden. Gar allzu seltsam mutet das Gezappel der Tänzerinnen und Tänzer auf der Leinwand an. Dies ändert sich jedoch, wenn im Laufe der Handlung eine Choreographie Gestalt annimmt. Gegen Ende ist man schließlich doch von der beeindruckenden Darbietung beim Tanzwettbewerb fasziniert.
Doch die gelungene Annäherung an diese durchaus als exotisch zu bezeichnende Subkultur eines anderen Kontinents alleine macht noch keinen guten Film. Leider lassen die Macher von Honey 2 bei der restlichen Dramaturgie so gut wie kein Klischee aus: Maria saß natürlich unschuldig im Gefängnis, die Motivation für den Gewinn der Tanzshow ist das Preisgeld, ohne das eine nicht weiter genannte Großmutter ihre medizinische Behandlung nicht weiter bezahlen kann. Die Läuterung von Dieben und Kriminellen lässt ebensowenig auf sich warten wie die politisch korrekten Sinnkrisen der Hauptfigur, oder die Tatsache, dass es auch einen schwerreiche Millionenerben gibt, der inkognito und freiwillig im sozialen Brennpunkt wohnt.
Niemand erwartet wirklich Großes von einem Film, der schon lustlos unter dem Titel Honey 2 in die Kinos kommt, obwohl niemand im Film Honey heißt oder auch nur mit der Honey aus dem ersten Teil (desselben Regisseurs übrigens) zu tun hat. Lediglich die familiäre Verbindung über Connie rechtfertigt diesen zweiten Aufguss halbherzig.
Doch deswegen geht ja auch niemand ins Kino. Die Zielgruppe dieses Filmes will Dance Moves sehen, knackige Frauen aller Ethnien, "barely legal" vom Alter her. Sie wollen die Tanzshow sehen und sich ein wenig so fühlen, als gäbe es wirklich nichts wichtigeres im Leben, als bei einer dieser Castingshows so richtig durchzustarten. Dies jedenfalls ist dem Publikum bei diesem The Fast and the Furious für Emos auf jeden Fall geboten.