Jeder Versuch, den Inhalt von Donnie Darko auf eine nachvollziehbare Essenz zu komprimieren um einen ersten Eindruck des Filmes zu vermitteln, muss zwangsläufig scheitern; das Regiedebüt des zum Entstehungszeitpunktes gerade mal 26 Lenze alten Richard Kelly verweigert sich selbst einer ansatzweisen Genre-Kategorisierung - in Donnie Darko steckt ein bisschen von allem. Als zentralen Anti-Helden der vielschichtigen Handlung erleben wir den 16-jährigen Donnie Darko (Jake Gyllenhaal), einen sympathischen aber emotional unausgeglichenen Teenager, dessen private Dämonen im Grunde die eines jeden sind: Sex, Zerstörungswut und die Angst davor alleine zu bleiben. Seinen Familienmitgliedern gegenüber zeigt er sich in den seltensten Fällen von seiner pflegeleichten Seite; da wird die Mutter Rose (Mary McDonnell) im Affekt schonmal als "Bitch" tituliert, die ältere Schwester (gespielt von Gyllenhaals tatsächlicher Schwester Maggie) als "Fuckass" und für den Fall dass die jüngere Schwester den Zug an der Zigarette petzt, wird deren Lieblingsspielzeug eine zukünftige Relokalisierung in die Mülltonne prophezeit. Donnies Vater (Holmes Osborne) kann wiederum eine gewisse Erheiterung über die vulgärsprachlichen Ausbrüche seiner Sprösslinge manchmal nur schwer verbergen - alles in allem der ganz normale Familienwahnsinn. Wie es sich gehört, haben sich letztenendes aber doch alle irgendwie lieb.
Das Ereignis, das den Verlauf von Donnies Schicksal dominieren soll wie kein zweites, ereignet sich schließlich am 2. Oktober 1988: Aus im wahrsten Sinne heiterem Himmel fällt ein Flugzeugtriebwerk auf das Domizil der Darkos, und wäre Donnie im Halbschlaf nicht kurz vorher von seinem wahrscheinlich imaginären Freund Frank, dem aufrecht gehenden Riesenhasen, auf eine nahegelegene Golfanlage gelotst worden, wäre die Geschichte hier schon zu Ende. Aber das Schicksal in Form von Frank hat mit Donnie noch andere Pläne. Die weitere Handlung entspinnt sich als ein schwerlich definierbarer Cocktail aus Teen-Angst und Fantasy-Drama mit gelegentlich eingestreuten Comedy-Elementen; stellenweise kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kellys Erstling am typischen Debüt-Syndrom krankt: Zu viele Einfälle, zu wenig Zeit. Und in der Tat hätte der Stoff, aus dem Donnie Darko gemacht ist, mit Leichtigkeit auch für zwei separate Filme ausgereicht. So wirken die einzelnen Elemente leider etwas gepresst und der Plot scheint von Ideenfragmenten überfrachtet, gewisse Strukturierungsschwierigkeiten Kellys lassen sich daher nicht verleugnen.
Auf technischer Ebene lässt Kelly den kritikgeilen Zuschauer dankbarerweise vergeblich nach Mängeln suchen, wie er es auf Anhieb geschafft hat mit dem für Hollywood-Verhältnisse lächerlichen Budget von nicht einmal 5 Millionen $ einen absolut professionell wirkenden Film aus dem Hut zu zaubern, ist wahrlich beachtlich. Durch das Zusammenspiel von Kameraarbeit, Schnitt und insbesondere der äußerst intensiven musikalischen Untermalung von Michael Andrews wird eine geradezu unikale Atmosphäre kreiert, für die sich unter thematisch ähnlich gelagerten Filmen kaum eine angemessene Vergleichsbasis finden lässt. Beeidruckend und exzellent eingefangen sind vor allem die Auftritte des numinosen Frank, die dem Begriff "Angst-Hase" eine völlig neue Dimension verleihen.
Die große Frage aber, die wohl jedem spätestens beim Einsetzen der End-Credits unter den Nägeln brennen dürfte, ist folgende: Um was geht es eigentlich bei Donnie Darko? Was ist der Sinn des Films? Hat er überhaupt einen Sinn? Ohne dem Zuschauer eine persönliche Interpretation völlig abzunehmen, kann man zumindest so viel verraten, dass sich das übergeordnete Thema des Filmes auch fortwährend in der Mikroebene widerspiegelt und von Donnie in einer Szene sogar explizit formuliert wird: "Destruction is a form of creation": Zerstören ist eine Form des Schaffens. Donnie Darko führt auf originelle Weise eindrucksvoll vor Augen, dass das Durchbrechen eines Kreislaufes und damit der Fortschritt nicht ein isolierter Akt der Progression ist, sondern dass für eine Weiterentwicklung Opfer gebracht werden müssen, dass diese Progression dann gleichzeitig auch untrennbar mit der Zerstörung und Abkehr von veralteten Vorstellungen verbunden ist, egal ob auf persönlicher oder gesellschaftlicher Basis. In diesem Zusammenhang sollte man während der unglaublich gut gelungenen Schluss-Sequenz auch einmal bewusst auf den Text des von Gary Jules interpretierten Tears-for-Fears-Songs Mad World achten, der es auf einer abstrakteren Ebene dann immerhin doch noch schafft den Inhalt des Filmes zusammenzufassen.