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Midnight in Paris

(Midnight in Paris, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

72%



Inhalt

Drehbuchautor Gil begleitet mit seiner Verlobten Inez deren Eltern auf eine Geschäftsreise nach Paris. Dort zeigt sich allerdings, dass Inez die Begeisterung von Gil für die Stadt der Liebe und ihren künstlerischen Aspekt nicht so sehr schätzt wie dieser. Umso interessierter ist sie an einem alten Bekannten, der ebenfalls in Paris ist. Gil wandert stattdessen nachts durch die Straßen der Metropole und reist auf mysteriöse Weise ins Paris der 1920er Jahre, bevölkert von seinen literarischen Idolen.

Kritik

von Florian Lieb

Wertung Kritik

72%

Das vergangene Jahrzehnt war sicher nicht Woody Allens stärkstes. Es begann schwach und konnte nur mit Match Point und Vicky Cristina Barcelona überzeugen. So ungeeignet wie New York als Muse geworden war, so durchwachsen präsentierten sich auch Allens Europa-Filme als Ganzes. Sein jüngstes Werk stellt da einen gefälligen Auftakt in ein neues Jahrzehnt dar: verspielt, verliebt, nostalgisch.

Bild aus Midnight in Paris Vielleicht funktioniert Midnight in Paris deswegen so gut, weil der Film sich als fish out of the water-Story offenbart. Ähnlich wie in Vicky Cristina Barcelona kommen Amerikaner als Touristen nach Europa. So ist die Faszination für das "alte Land" weitaus größer, als bei einheimischen Figuren wie in Cassandras Traum oder Ich sehe den Mann deiner Träume. So erklärt sich auch der charmante Einstieg, eine von Bläsermusik unterlegte Montage der Sehenswürdigkeiten von Paris. Vom Eifelturm zum Louvre, über das Panthéon, den Triumphbogen, bis hin zum Montmartre oder der Ile de la Cité. Die Stadt der Liebe ist augenscheinlich zum Verlieben. Ihr jüngstes Opfer: Owen Wilson als verträumter Drehbuchautor.

Für Gil ist Paris die Stadt, die in den goldenen zwanziger Jahren seine literarischen Vorbilder wie Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald angezogen hat. Am liebsten würde der Hollywood-Schreiberling herziehen, einen Roman schreiben und durch den Regen spazieren. Als Hindernis für diese Pläne präsentiert sich seine von Rachel McAdams als überhebliche Zicke gespielte Verlobte. Was genau beide Figuren einst aneinander gefunden haben, bleibt wie in den meisten Werken Allens unklar. Offensichtlich teilt Inez nicht Gils Faszination für Paris und Gil wiederum nicht Inez' Faszination für ihren pseudo-intellektuellen Bekannten Paul. So verabschiedet sich Gil eines Abends allein in die Nacht und landet plötzlich im Paris der 1920er. Und damit inmitten seiner Vorbilder Fitzgerald, Hemingway und T.S. Elliot.

So unnatürlich wie Gils mitternächtliche Zeitreise mutete vor 25 Jahren auch die Abtrennung einer Filmfigur von der Kinoleinwand in Allens The Purple Rose of Cairo an. Wurde dessen "Das ist doch physikalisch gar nicht möglich" mit einem lapidaren "In New Jersey ist alles möglich" abgetan, ließe sich wohl auch für Midnight in Paris sagen:In Paris ist (eben) alles möglich. In beiden Allen-Filmen scheint die transzendente Handlungswendung der hoffnungslosen Situation und bewundernden Faszination der Hauptfiguren geschuldet. Ließe sich Gils erster Ausflug noch als eine alkoholbedingte Halluzination entschuldigen, zeigt sich bald, dass es sich tatsächlich um eine Zeitreise handelt. Die Tage verkommen zu Überbrückungsstadien für Gils nächtliche Exkursionen mit seinen literarischen Vorbildern.

Für das Wie und Warum interessiert sich Allen herzlich wenig. Stattdessen wird das Publikum wie Gil von der gefälligen nostalgischen Atmosphäre und dem schieren "Wahnsinn", solchen Persönlichkeiten wie Hemingway, Fitzgerald, Pablo Picasso, Gertrude Stein, Luis Bunuel, Man Ray und noch vielen mehr gegenüberzustehen, überwältigt. Besonderen Spaß an Midnight in Paris hat nun der Teil der Zuschauer, der mit diesen historischen Personen, die seiner Zeit Paris bevölkerten, etwas anfangen kann. Denn viel Vergnügen generiert Allen dadurch, sich in Hemingways testosterongeschwängerte Sprache zu verlieren, Bunuels Geist mit surrealistischen Ideen in einen mentalen Raum einzusperren oder einen von Adrien Brody mit Verve gespielten Salvador Dali seine Begeisterung für Rhinozerosse kundtun zu lassen.

Es handelte sich um eine faszinierende Epoche in Paris, und man mag sich zu gern vorstellen, wie sehr Allen selbst diesen großen Personen zu ihrer Lebzeit begegnet wäre. Als emotionaler Anker für Gil fungiert nach einigen Ausflügen jedoch weniger sein literarischer Zirkel, als viel mehr die hinreißende Marion Cotillard als Muse von Picasso. Anstatt wenig erfolgreich über die Definition von Liebe zu philosophieren, indem Schauspieler wie Larry David, Will Ferrell, Josh Brolin oder Téa Leoni von der Leine gelassen werden, besinnt sich Allen darauf, Liebe zu einer Stadt, einer Kunstform und einer Epoche zu zelebrieren. Midnight in Paris ist verspielt und unernst, versucht nicht so meta zu sein wie Whatever Works oder sich als shakespearsche Dramödie á la Ich sehe den Mann deiner Träume zu geben.

Und selten war Owen Wilson sympathischer, selten sah Paris schöner aus, als von Kameramann Darius Kohndji eingefangen. Selbst das etwas steife Spiel von Carla Bruni-Sarkozy fällt nicht weiter ins Gewicht, so erfrischend unterhaltsam gerät Allens jüngster Film. Hier ist es die Stimmung, die ihn rettet, sind die Charaktere doch nur bedingt ausgefeilt und die Handlung eher vorangeschubst. "Es ist subtil, aber elegant", lautet eine Äußerung von Owen Wilson im Film, die sich ebenso auf diesen münzen ließe, wie für seine Kritiker der Lieblingssatz seiner Film-Schwiegermutter in spe: "Billig ist billig". Angesichts dessen, dass es die Magie von Frankreichs Hauptstadt ist, die uns nach zwei müden Werken wieder einen besseren Allen-Film schenkt, wäre aber wohl Allens Resümee aus Hollywood Ending zuzustimmen: Gott sei Dank gibt es die Franzosen.

Keine weitere Wertung


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