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Brownian Movement

(Brownian Movement, 2010)

Dt.Start: 30. Juni 2011 Premiere: 10. September 2010 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 100 min Land: Niederlande
Darsteller: Sandra Hüller (Charlotte), Dragan Bakema (Max), Sabine Timoteo (Psychiaterin), Ryan Brodie (Benjamin), Nilofer Raza (Filipa)
Regie: Nanouk Leopold
Drehbuch: Nanouk Leopold


Inhalt

Max und Charlotte ziehen aus beruflichen Gründen mit ihrem Sohn nach Brüssel. Äußerlich eine durchschnittliche Jungfamilie, hegt die Ärztin Charlotte ein neurotisches Geheimnis. Sie schläft regelmäßig vor allem mit übergewichtigen, teils alten männlichen Patienten in einer eigens dafür gemieteten Wohnung. Als dieses Verhalten auffliegt, verliert sie ihre Approbation - und Max das Vertrauen in ihre Treue. Gemeinsam gehen sie zur Therapie.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Brownian Movement hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Brownian Movement hat eine Wertung von 65%
Brownian Movement, zu Deutsch: Brownsche Molekularbewegung, beschreibt die zufällige, chaotische wie wärmeabhängige Bewegung von Molekülen in Flüssigkeiten und Gasen. Ganz leicht fällt es aber nicht, diesen Begriff, der zugleich Titel des neuesten Films der niederländischen Regisseurin Nanouk Leopold ist, mit der Handlung in Deckung zu bringen. Es sei denn, man sieht in der zufälligen Bewegung der Molekülkörper eine Metapher für das seltsame Sexualgebaren der Protagonistin und tauscht die Wärmeabhängigkeit gegen Liebessehnsucht aus. Ob das, wie so einiges im Film, aber insgesamt einen Sinn ergibt, lässt sich mit Sicherheit kaum sagen.

Bild aus Brownian Movement Charlotte und Max (Sandra Hüller und Dragan Bakema) sind von außen betrachtet ein Bilderbuchpaar. Sie lieben sich, sind beruflich erfolgreich und haben einen gemeinsamen Sohn. Vor kurzen sind sie ins belgische Brüssel gezogen. Charlotte arbeitet dort als Ärztin in der Forschung für ein großes Klinikum. Heimlich nutzt sie ihre Position jedoch aus, um sich unter den männlichen Patienten solche auszusuchen, die körperlich extravagante Merkmale aufweisen: die beispielsweise sehr gebrechlich, stark übergewichtig oder extrem behaart sind. Mit diesen trifft sie sich in einem Apartment, das sie speziell dafür angemietet hat, um Sex zu haben. Als ihre absonderlichen Stelldicheins auffliegen, droht alles, was sie sich in ihrem Leben aufgebaut hat, zunichte gemacht zu werden.

Ihr Mann ist wie vom Schlag getroffen und kann das alles nicht verstehen. Das Klinikum sieht keine andere Möglichkeit, als ihr wegen ihres Verhaltens ihre Approbation zu entziehen. Für das Ehepaar beginnt eine Art Nullzeit, von der an es sich wieder annähern muss. Das beinhaltet insbesondere für Charlotte sowohl eine medikamentöse als auch eine (Paar-)Psychotherapie. Einfache Antworten finden sich aber selbst dort nicht. Zumal Charlotte keine für ihr Verhalten hat und im Grunde gar nicht weiß, warum sie überhaupt die Nähe dieser Männer suchte.

Wieso eine junge Frau mit einem augenscheinlich vernünftig aussehenden Partner, mit dem sie, wie durchaus ausführlich vorexerziert wird, eine ausgefüllte Sexualität auslebt, sich höchst unattraktive Lover aussucht, um fremdzugehen, will sich nicht erschließen. Und da dies weder der Zuschauer nachvollziehen kann, noch die "Sexsüchtige", gerät das Rätselraten um das Warum zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Allzu viele Antworten hält Brownian Movement aber ohnehin nicht parat. Handlung, Dialoge und Settings spiegeln äußersten Purismus wieder. Weiß dominiert als Farbe die meisten Räumlichkeiten und verleiht den Innenaufnahmen beinahe etwas klinisch-steriles, was die Atmosphäre dieser gefühlserstarrten Welt, die sich über weite Strecken darbietet, noch betont.

Dafür arbeitet die Kamera derart geschickt mit Perspektiven und der Tiefe des Raums, dass die Figuren, je nachdem, optisch weit auseinanderrücken oder nahe zusammengeführt werden. Das spiegelt die augenblickliche emotionale Situation und das Innenleben der Charaktere sehr probat wider und ist zudem handwerklich gesehen ein wirkliches Sahnebonbon. Wer aber final erschöpfende Erklärungen oder eine klare und eindeutige Filmaussage erwartet, könnte durchaus enttäuscht werden. Rein erzählerisch verwandeln sich die 100 Minuten zuweilen zu einer reichlich dürren Wüste, deren Durchwanderung einiges an Durchhaltequalitäten erfordert.

Als Arthousekino versucht Brownian Movement erzählerisch aber gar nicht erst gefällig zu sein. Dennoch beherbergt er eine interessante Geschichte, was vielen ähnlich gearteten Produktionen oft schlichtweg abgeht. Vieles von dem, was passiert, spielt sich allerdings außerhalb der Begrenzungen der Kinoleinwand ab, was für die sinnige Zusammenfügung der Teile einen erhöhten Schweregrad darstellt. Mit seinem visuell getragenen Stil und Figuren, die in dieser wie geometrisch arrangierten Welt zuweilen statuengleich erstarrt sind, baut sich somit eine feine Spannung auf, die den Film trotz inszenatorischem Purismus und ausgesprochenem Minimalismus in den Dialogen zu einer interessanten Alternative abseits der konventionellen Beziehungsdramen macht.



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