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Eroto|manie: sog. Liebeswahn als Form der Psychasthenie: unwiderstehl. Liebe zu einer unerreichbaren Person bzw. der Glaube, von einer solchen geliebt zu werden u.U. wahnhaft. Ein solcher Liebeswahn hat die zauberhafte Angélique befallen, die fest davon überzeugt ist, eine Beziehung mit dem Mann ihrer Träume, dem Arzt Loic zu führen. Der weiß davon allerdings herzlich wenig und fühlt sich von den Liebesbekundungen einer für ihn völlig unbekannten Person eher eingeschüchtert und schließlich gar bedroht. Wahnsinnig verliebt schildert das Geschehen zunächt aus dem Blickwinkel Angéliques und präsentiert anschließend Loics Sicht der Dinge, erzählt also quasi ein und die selbe Geschichte zweimal, nur eben aus unterschiedlichen Perspektiven. Da die beiden Protagonisten die Situation völlig unterschiedlich wahrnehmen, wandelt sich im Verlauf der Handlung auch der Ton des Films, ja man könnte fast von einem Genrewechsel sprechen, die erste Hälfte als bittersüße Romanze, die zweite als unheimlichen Thriller bezeichnen. Fast. Denn leider ist das durchaus interessante Konzept ein wenig schluderhaft ausgeführt und so hat man den Film als Zuschauer bereits nach wenigen Minuten gelesen, wodurch die überraschende Wende zur Mitte hin alles andere als überraschend kommt, eher wie ein billiger Taschenspielertrick wirkt, denn seien wir mal ehrlich: Eine Filmhandlung aus unterschiedlichen Perspektiven zu zeigen ist heutzutage ja nun wirklich nichts inovatives mehr. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, welchen Effekt dieser Twist gehabt hätte, wenn es die Regisseurin des Films verstanden hätte, die erste Hälfte in sich glaubwürdig zu gestalten und die Geschehnisse im Verlauf des zweiten Teils tatsächlich in ein anderes Licht zu rücken. Das hätte Wahnsinnig verliebt zwar auch nicht den Preis für außergewöhnliche Originalität beschert, ihn jedoch mit Sicherheit zu einem äußerst unterhaltsamen Film gemacht. Leider ist die ganze Geschichte bereits von Anfang sowas von durchsichtig, daß der eigentliche Clou des Films total verpufft.
Der Film hat allerdings das Glück, mit einer der wahrscheinlich bezaubernsten und charismatischsten Schauspielerin unserer Tage als Hauptdarstellerin aufwarten zu können. Audrey Tautou ist der Inbegriff der Schnuckeligkeit. Ich hätte bei jedem ihrer Blicke auf der Stelle dahinschmelzen können wie ein gemischtes Eis mit Sahne bei 36 Grad im Schatten, Sie hat mir hier sogar noch besser gefallen, als in ihrer Rolle der Amélie Poulin, mit der sie wahrscheinlich ihr ganzes Leben identifiziert werden wird. Schade daß es Laetitia Colombani nicht gewagt hat, mit genau diesem Image zu spielen und Madame Tautou nach ihrenm Auftritt als bezaubernde, verliebte junge Frau in der ersten Filmhäfte, später dann auch konsequent als bedrohliche und unheimliche Stalkerin darzustellen. Hätte mich brennend interessiert, ob es Audrey Tautou gelungen wäre, auch dies überzeugend zu spielen. Zudem hätte das der Figur der Angélique meines Erachtens wesentlich mehr Tiefe und Facettenreichtum verliehen, was dem Film sicherlich ebenfalls zu gute gekommen wäre. Zu guter letzt hätte Audrey Tautou hier die Chance gehabt ihren Kritikern zu demonstrieren, daß sie noch weitaus mehr drauf hat, als das süße Mädchen von nebenan oder die herzensgute Fee zu mimen. Schade drum. Was mir bei diesem Film allerdings positiv auffiel, war die unterschedliche Farbgebung der beiden Filmhälften. Während das Umfeld der in ihrer eigenen kleinen Traumwelt lebenden Angéliques durchgehend in warme Rottöne getaucht ist, präsentiert sich Loics realistische Welt später dann in einem kühlen blau. Dies war zumindest sehr schön anzusehen und hätte sicherlich noch eine größere Wirkung erzielt, wenn das Grundgerüst der Handlung eben nicht so durchsichtig gewesen wäre.
Was mir an der Vorführung von Wahnsinnig verliebt besonders gut gefiel, waren die Reaktionen der Filmkritiker im Anschluß an die Pressevorführung. Filmkritiker, die auf Festivals ihre Runden drehen sind ja sowieso von einem ganz besonderen Schlag. Das sind die Leute, die sich vorher im Foyer lautstark über große Filmschaffende wie Godard und Wenders unterhalten, sich dann mit ihrem Cafe Laté ins Kino begeben, bei den geringsten Pannen seitens des Filmvorführers gleich ausfällig werden und denen man die Freude am Kino, sofern sie ein derartiges Gefühl denn überhaupt empfinden, zu keinem Zeitpunkt anmerkt. Genau die waren von diesem Film hellauf begeistert, spendeten während des Abspanns demonstrativ Applaus (hab ich dieses Jahr nur bei diesem Film erlebt) und handelten Wahnsinnig verliebt auf dem Weg zum nächsten Kinosaal bereits als diesjährigen Geheimtipp. Filmkritiker sind in der Tat ein ulkiges und leider auch absolut berechenbares Völkchen. Gib ihnen einen französischen Film, den Liebling des letzten Kinojahres und einen halbwegs unkonventionellen erzählerischen Kniff und schon machen sie sich naß, kommen gar nicht auf Idee, die scheinbare Originalität des Werkes zu hinterfragen, so geblendet sind sie von den augenscheinlichen Zeichen, die den Film doch unübersehbar als Progammkino-Filmperle ausweisen: Französische Leichtigkeit, Genremix, erzählerischer Kniff und natürlich Audrey Tautou, welche von jedem Filmkritiker, der was auf sich hält, nur noch als "Frankreichs neue Marianne" bezeichnet wird. Das zu erleben hat echt Spaß gemacht, mindestensgenauso viel, wie der Film selbst. |