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Quartett D'Amour - Liebe wen Du willst

(Happy Few, 2010)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 10. Juni 2011
Premiere: September 2010 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 16 Genre: Romanze
Länge: 103 min Land: Frankreich
Darsteller: Marina Fois (Rachel), Elodie Bouchez (Teri), Roschdy Zem (Franck), Nicolas Duvauchelle (Vincent), Jean-Francois Stévenin (Rachels Vater), Alexia Stresi (Diane), Blanche Gardin (Rachels Schwester), Geneviève Mnich (Francks Mutter), Philippe Paimblanc (Francks Vater), Naomi Ferreira (Margot), Ilona Caly (Thelma), Ferdinand Ledoux (Tim)
Regie: Antony Cordier
Drehbuch: Antony Cordier, Julie Peyr


Inhalt

Zwei mittdreißiger Pärchen lernen sich kennen und sind zu Beginn recht angetan von der Idee des unkomplizierten, weil erlaubten "Fremdgehens". Für Rachel und Franck wird die erotische Viererkette jedoch bald ein bisschen zu intim, und auf einmal ist es schnell vorbei mit der anfänglichen Happiness.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Quartett D'Amour - Liebe wen Du willst hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 56%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Asokan Nirmalarajah
Quartett D'Amour - Liebe wen Du willst hat eine Wertung von 56%
Andere Länder, andere Sensibilitäten - der französische Filmemacher Antony Cordier beweist mit seiner zweiten abendfüllenden Regiearbeit nach dem erotischen Jugenddrama Kalte Duschen einmal mehr, dass Prüderie nichts im Kino seines Heimatlandes verloren hat. Vier sehr souveränen Darsteller schmeißen sich in dem sensiblen Beziehungsdrama mit sicherem emotionalem Gespür für ihre sympathischen Figuren und mit vollem Körpereinsatz in eines der letzten Abenteuer des Ehelebens: Partnertausch. Doch leider werden sie von einem unbeholfenen Drehbuch im Stich gelassen, dem immer weniger einfallen mag.

Bild aus Quartett D'Amour - Liebe wen Du willst Zu Anfang ist es noch die unaufdringliche Beiläufigkeit, die entspannte Selbstverständlichkeit und die verständnisvolle Zurückhaltung, mit der die dramatischsten und emotionalsten Momente der Geschichte Gestalt annehmen, die Antony Cordiers charmanten Liebesreigen so attraktiv machen. In kurzen Blicken, kleinen Gesten, flüchtigen Berührungen und sorgfältig gewählten Tonlagen umkreisen sich die vier Protagonisten, bevor sich die zwei Ehepaare mit Kindern kopfüber in außereheliche Affären stürzen, ohne dabei weder ihre eigentlichen Partner, noch ihren beruflichen und privaten Alltag zu vernachlässigen. Wie das sein kann, darüber macht man sich als Zuschauer zunächst ebenso wenig Gedanken wie die engagierten, freizügigen Darsteller und die sensible, atmosphärische Inszenierung. Zu ansprechend ist die ruhig dahinplätschernde Handlung, die sich in Details des alltäglichen Zusammenlebens von Mann und Frau verliert und Konflikten aus dem Weg geht, weil sich doch alle so gern haben und einfach mal das süße Leben genießen wollen.

Dass im Film selbst nicht soviel Aufhebens um die zentrale ménage a quatre gemacht wird wie in den verschiedenen Verleihtiteln (der Originaltitel "Happy Few - Aimez qui vous voulez" wird hierzulande zu Quartett d'Amour - Liebe wen du willst und in den USA zu "Four Lovers"), unter denen der scheue, unscheinbare Film erhältlich ist, ist also durchaus erfrischend. Und auch, dass man nicht wirklich viel über die Motive der Figuren für den Partnertausch lernt und man sich zumindest für die erste Stunde auf einer aufregenden, fast traumwandlerischen Ebene der Abstraktion und Suggestion bewegt, ist wohltuend. Doch nach einiger Zeit, sobald sich die ersten kleinen und bald großen Probleme bei den immer weniger sexuell und mehr emotional motivierten Intimitäten abzeichnen, hat der Film Mühen, sich an eine plötzlich erhärtende Form von Realismus zu klammern, den er zuvor noch so gekonnt umschifft hat. Plötzlich stolpert Cordiers lässiger Wettbewerbsbeitrag zu den 67. Filmfestspielen von Venedig über sich selbst.

Problematisch an der brutal in die traumhafte Viererbeziehung einbrechenden Realität ist weniger, dass sie sich zeigt, als vielmehr wann und wie sie sich zeigt. Zuerst kommt sie viel zu spät, um die verträumte Narration zu erden, und ist dann auch zu bieder und inkonsequent. Es sind die Kinder der Mittdreißiger mit ihren künstlerisch orientierten Berufsfeldern (Schmuckdesign, Webdesign, Kunstturnen, Feng Shui), die sich nicht so begeistert von den irritierenden Liebesbekundungen zwischen den unverheirateten Elternteilen zeigen. Es ist der alte geschwätzige Vater einer der Frauen, der mit dem biblischen Gleichnis des verlorenen Sohnes für etwas mehr Tiefgründigkeit sorgen soll, aber am Ziel vorbeischießt. Und eine späte Entdeckung bringt Komplikationen ins Spiel, die konstruiert wirken und nicht ganz nachvollziehbar sind. Viel schlimmer noch sind die erklärend gemeinten, aber unbefriedigend flachen und aufgesetzten Off-Kommentare der Protagonisten über den Verlauf der Viererbeziehung. Da helfen auch nicht die verspielt bis intensiven Sexszenen.

So bleibt ein über weite Strecken ansprechender, mitunter ärgerlicher abendfüllender Beziehungsfilm über die "Normalität" des Partnertausches zurück, der als ein knackiger, etwa halbstündiger Kurzfilm sicherlich nicht das Bedürfnis empfunden hätte, die eigenwilligen Handlungen und Gefühle seiner durchweg sympathisch gezeichneten, lebensfrohen Figuren immer wieder erklären zu müssen.



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